TARIFVERTRAG GEKÜNDIGT

Reinigungs-Chefs wollen keine Überstunden zahlen

Die Arbeitgeber in der Gebäudereinigung haben den Manteltarifvertrag wegen einer neuen Überstundenregelung gekündigt. Die Gewerkschaft geht auf die Barrikaden.
Gerald Weber Gerald Weber
Von den 1500 Reinigungskräften in der Seenplatte arbeiten insgesamt 1270 in Teilzeit. 350 von ihnen haben nur einen Minijob.
Von den 1500 Reinigungskräften in der Seenplatte arbeiten insgesamt 1270 in Teilzeit. 350 von ihnen haben nur einen Minijob. Jens Büttner
Waren.

Der Job für die insgesamt 1500 Reinigungskräfte im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wird zur „Wackelpartie“. Denn die Arbeitgeber haben den Manteltarifvertrag gekündigt.

Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG Bau kritisiert das scharf: „Die 55 Reinigungsfirmen im Kreis Mecklenburgische Seenplatte können ihnen quasi freihändig Urlaubstage streichen und zusätzliche Arbeitszeiten aufs Auge drücken“, sagt der Bezirksvorsitzende der IG Bau Ostmecklenburg-Vorpommern, Wolfgang Ehlert. Die Kündigung des Manteltarifvertrages sei „eine Provokation und ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten, die in der Gebäudereinigung arbeiten“.

Keine Überstundenzahlungen

Für die IG Bau sind die Hintergründe klar: „Die Arbeitgeber wollen bei den Überstunden Geld sparen – insbesondere bei Teilzeitkräften. Dahinter steckt also der pure Lohn-Geiz“, so Ehlert. Der bisherige Rahmentarifvertrag sehe bei Mehrarbeit für Vollzeit-Beschäftigte einen Zuschlag von 25 Prozent des Stundenlohns vor.

Nachdem das Bundesarbeitsgericht nun entschieden habe, dass auch Teilzeit-Beschäftigte Anspruch auf diesen Zuschlag haben, sei die Absicht der Arbeitgeber klar: „Sie wollen bei den Zuschlägen knapsen. Genau genommen ist das der Griff ins Portemonnaie von Teilzeitkräften. Es trifft also die Menschen, die ohnehin schon wenig haben und extrem hart für ihr Geld arbeiten müssen“, sagt Wolfgang Ehlert.

Im Kreis Mecklenburgische Seenplatte arbeiten 1270 Gebäudereinigerinnen und Fensterputzer in Teilzeit, 350 davon lediglich mit einem Minijob. „Die Arbeitgeber weigern sich seit Monaten beharrlich, über bessere Arbeitsbedingungen in der Branche zu verhandeln. Und das sogar bei steigenden Jahresumsätzen von bundesweit zuletzt mehr als 17 Milliarden Euro“, so Wolfgang Ehlert.

Vereinbarte Friedenspflicht endet am 31. Juli

Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft pocht beim Bundesinnungsverband schon lange darauf, konstruktive Gespräche zu führen: „Die Beschäftigten verlangen mehr Anerkennung für ihre harte Arbeit. Dazu gehört auch, dass Fachkräfte richtig bezahlt, Berufserfahrung honoriert und die Aufstiegschancen verbessert werden – genauso wie die generelle Einführung von Weihnachtsgeld“, so Ehlert.

Außerdem müssten die belohnt werden, die der Gebäudereinigung über Jahre hinweg die Treue halten. Wer sich durch langjährige Arbeit einen Urlaubsanspruch von 30 Tagen erworben habe, der soll ihn auch dann behalten, wenn der Arbeitgeber einmal wechsele, fordert die IG BAU. Nur so lasse sich die hohe Fluktuation durch das Abwandern von Fachkräften und der Verlust von Branchen-Know-How stoppen.

„Die Arbeitgeber haben dies aber bislang strikt abgelehnt. Sie erkennen nicht, wie wichtig es ist, die Jobs in der Reinigung deutlich attraktiver zu machen“, sagt Wolfgang Ehlert. Im Gegenteil: Durch die Kündigung des Rahmentarifvertrags verschlechtere sich die Stimmung im Gebäudereiniger-Handwerk jetzt erst richtig.

Die Friedenspflicht zwischen IG Bau und Innungsverband endet am 31. Juli. „Bis dahin wird die Wut der Beschäftigten weiter wachsen. Sie werden ihrem Ärger bei betrieblichen und öffentlichen Aktionen in den nächsten Wochen Luft machen – auch im Kreis Mecklenburgische Seenplatte“, kündigt Ehlert an.

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