Rund 200 Busse fahren tagtäglich durch die Seenplatte und transportieren Millionen Fahrgäste von A nach B. An den S&
Rund 200 Busse fahren tagtäglich durch die Seenplatte und transportieren Millionen Fahrgäste von A nach B. An den Säulen vor den Tankstellen sind derweil Spitzenwerte abzulesen. Combo aus Fotos von: Andreas Segeth/Susann Salzmann
Öffentlicher Nahverkehr

Rekorde an der Zapfsäule – Busunternehmen MVVG hofft auf Hilfe

Trotz Dieselpreisen weit über der Zwei-Euro-Marke gilt: Elektro- und Wasserstoffenergie sind für die MVVG noch nicht der letzte Schluss.
Seenplatte

Torsten Grahn könnte als Chef der Mecklenburg-Vorpommerschen Verkehrsgesellschaft (MVVG) die Hände täglich über dem Kopf zusammenschlagen. Jeden Tag ein neuer Preisschock an den Zapfsäulen der Region. „Solche Preise haben wir noch nicht gesehen“, meinte Grahn auf Nachfrage. Vergangenen Donnerstag kletterten die Literpreise für Benzin erstmals über zwei Euro; die von Diesel lagen bei über 1,80 Euro. Fünf Tage später hält der Preisrekord an den Zapfsäulen an: Dienstagmittag kostete der Diesel in Waren 2,229 Euro und war damit „nur“ noch zwei Cent günstiger als der Liter Super-Benzin.

Mehr lesen: Zwei Euro pro Liter Benzin – Müritzer sind in Sorge

Politik soll es richten

Laut ADAC sind die enormen Preisanstiege auf den Russlandkrieg in der Ukraine zurückzuführen. An der Mecklenburgischen Seenplatte wird die Lage mit Argusaugen beobachtet. Gespräche mit den MVVG-Gesellschaftern folgten. Eine Lösung steht noch aus, so Grahn auf Nachfrage. Ausgleichsleistungen flossen noch nicht. „Lange wird das nicht mehr gut gehen. Die Politik muss sich Gedanken machen, wie das aufgefangen werden kann“, sagte Grahn als Vertreter des Verkehrsunternehmens und nannte die Möglichkeit zusätzlicher Regionalisierungsmittel für Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) als mögliche Lösung. Die Kraftstoffpreise steigen nicht erst seit dem russischen Angriffskrieg. Die MVVG registrierte, dass die Kosten für Kraftstoff von 2020 auf 2021 um rund 20 Prozent anstiegen.

MVVG-Busse fahren 8,3 Kilometer im Jahr

Im MVVG-Verbreitungsgebiet fahren 160 eigene Busse des Verkehrsunternehmens. Zusätzlich sind weitere etwa 40 im Auftrag der MVVG auf bestimmten Strecken unterwegs. Im Jahr kommen laut Grahn so rund 8,3 Millionen Kilometer auf den Straßen der Seenplatte zusammen. Das kostet Geld. Die meisten der 160 MVVG-Busse laufen mit Diesel. Wer viel Diesel braucht, bekommt Mengenrabatt. Dieser sei allerdings nicht groß und mache laut Grahn lediglich nicht einmal eine zehnprozentige Ermäßigung aus. So ärgerlich die hohen Kraftstoffpreise auch sind, so muss der MVVG-Chef doch einräumen, dass Dieselbusse derzeit noch immer wirtschaftlicher etwa als Busse, die mit Erneuerbaren Energien betrieben würden, seien. „Ein Dieselbus kostet etwa 190 000 Euro in der Anschaffung; ein Elektrobus rund 600 000 Euro. Beim Wasserstoff gilt, dass der Wasserstoffeinkauf etwa doppelt so teuer ist wie der von Diesel“, vergleicht der MVVG-Chef unterschiedliche Konzepte. Hinzu käme für E- und Wasserstoffenergien die notwendige Ladeinfrastruktur, die für einen flächendeckenden ÖPNV-Einsatz in der Seenplatte noch ausgebaut werden müsste.

Elektrobusse bestellt, aber Liefertermin unklar

Werden heutzutage Dieselbusse gekauft, wird auf geringe Verbräuche geachtet. Außerdem gehören seit geraumer Zeit zwei Busse mit E-Antrieb zum MVVG-Fuhrpark. Dabei allerdings handelt es sich um Kleinbusse, die Platz für acht Fahrgäste bieten. Die Praxis hat das Unternehmen inzwischen auch gelehrt, dass sich der Wunsch nach klimafreundlichen Fahrzeugen nicht immer so geschwind umsetzen lasse, wie es eigentlich erhofft werde. Im Herbst wurden zwei weitere mit Elektro-Energie angetriebene Kleinbusse bestellt. Im Februar sollten die eigentlich bei der MVVG ankommen, doch es gibt Lieferschwierigkeiten. Aktuell ist für die beiden Kleinbusse laut Grahn nicht einmal ein Auslieferungstermin klar.

Auch wenn Hilfsmaßnahmen kommen: Die, die in letzter Linie bezahlen werden, werden die Steuerzahler sein. Davon ist Torsten Grahn überzeugt. Das Gute immerhin: Mindestens bis zum August müssen sich MVVG-Fahrgäste auf keine Preiserhöhung einstellen. Sollten Erhöhungen kommen, könnten die aber im überschaubaren Bereich liegen. Die katastrophalen Preisschwankungen könnten in ihrem Ausmaß nicht auf den Fahrgast umgelegt werden, betonte Grahn. ÖPNV muss bezahlbar bleiben.

zur Homepage