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Richtet es nun ein Berichtigungsblatt?

Am liebsten hätte die Stadtverwaltung das fehlerhafte Adressbuch versenkt.
Am liebsten hätte die Stadtverwaltung das fehlerhafte Adressbuch versenkt.
Montage: Heiko Wahle Foto: Norman Reuter

Als das neue Adressbuch der Stadt Waren erschien, war der Ärger groß: Viele Adressen waren fehlerhaft abgedruckt worden. Schleunigst wurde die peinliche Broschüre aus dem Verkehr gezogen. Nun könnte sie aber wieder in die Öffentlichkeit gelangen.

Eigentlich war das Thema Adressbuch für die Stadt Waren erledigt. Es sollte keine neue Broschüre mehr geben. Jetzt gibt es eine überraschende Wende: Ein Erscheinen des Buches ist für die Stadt nicht mehr ausgeschlossen – allerdings mit einer wesentlichen Verbesserung. „Es soll kein Neudruck erfolgen, angedacht ist, dass durch den Verlag ein Berichtigungsblatt gedruckt wird, welches in das Buch eingelegt wird“, teilt Mark-Olaf Stibbe, Stabsstellenleiter Rechtsangelegenheiten und Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt Waren, auf Nordkurier-Anfrage mit. Das sei im Verlagswesen ein übliches Vorgehen. Vor kurzem hatte sich die Stadt mit einem Schreiben an den Städte-Verlag gewandt. Es gehe jetzt um die Frage, ob wegen der Vielzahl der Fehler die angedachte Lösung mit der Beilage vom Verlag noch so gewollt sei, so der Rechtsfachmann. „Die Verhandlungen über eine Einigung sind noch im Gange, aber es zeichnet sich eventuell eine Einigung ab“, sagt Mark-Olaf Stibbe. Beim Städte-Verlag konnte am Mittwoch niemand zu dem Thema Auskunft geben.

Vor einigen Wochen sah das aber alles noch ganz anders aus. Als das aktuelle Adressbuch Ende März erschien, war der Ärger groß: Die Broschüre enthielt zahlreiche unkorrekte Angaben – so waren einige Läden beispielsweise schon seit mehreren Jahren geschlossen oder hatten ihre Filiale in eine andere Straße verlegt. Deswegen hatte die Stadt dem Verlag mitgeteilt, dass sie gerne das Geld, dass Gewerbetreibende in das Adressbuch gesteckt hatten, erstattet haben möchte. Immerhin waren durch etwa 100 Unternehmer rund 44 000 Euro zusammengekommen und in die Broschüre flossen. Zudem hatte es nach dem Erscheinen nicht lange gedauert, bis alle noch im Handel verbliebenen mangelhaften Exemplare wieder aus dem Verkehr gezogen waren. Doch der Image-Schaden war erst einmal da.

Stadt hofft auf positive Antwort des Verlages

Weil sich das Buch aber im Eigentum des Verlages befindet, konnte es nicht einfach eingestampft, sondern nur in einem Verwaltungsraum gelagert werden. Aber damit war die Angelegenheit nicht beendet. Nur wenig später drohte der Verlag mit einer Schadenersatzklage. Daraufhin stimmte die Stadt – nach Absprache mit Anwälten – einer neuerlichen Veröffentlichung nur unter der Bedingung zu, dass ein Berichtigungsblatt in das Buch eingelegt wird. Schließlich meldete sich der Verlag bei der Stadt und bat darum, die Adressen noch einmal durchzuarbeiten. Auf dem Blatt sollen nicht nur die richtigen Fakten stehen, sondern auch klargestellt sein, dass die Stadt keine Schuld an den Fehlern habe.

Mittlerweile sei auch klar, dass die Falschangaben nicht auf den durch die Stadt bereitgestellten Daten beruhen, sondern auf eigenen Erhebungen des Städteverlages, so Mark-Olaf Stibbe. Diese Daten seien offensichtlich veraltet gewesen. „Dies betrifft 88 Angaben“, so Stibbe. Bereits Ende März bestätigte auch eine Verlagsmitarbeiterin, dass der Verlag für das Misslingen des neuen Adressbuches verantwortlich sei. Auf die Stadt entfallen allerdings auch Fehler, wenn auch nur sehr wenige. „Dabei handelt es sich um vier Gewerbetreibende, die gegenüber der Stadt niemals ihr Gewerbe abgemeldet hatten.“

Mark-Olaf Stibbe stellt noch einmal klar, dass die Rückerstattung der Anzeigenkosten nicht durch die Stadt erfolgen wird. „Herausgeber ist nicht die Stadt, sondern der Städteverlag“. Das Stadtadressbuch sei keine Verlautbarung der Stadt Waren, sondern ein ausschließlich durch Anzeigenkunden finanziertes privatrechtliches Projekt des Verlages, so der Justiziar.

Die Stadt hofft nun auf eine positive Antwort des Verlages. Diese soll in den kommenden Tagen bei der Verwaltung eintreffen.