BARRIEREFREIHEIT

Sackgasse beim Rathaus ohne Barrieren

Jeder sollte die Möglichkeit haben, den Rathaussaal, das Stadtmuseum und den Trauraum im Warener Rathaus zu besuchen. Doch spielt man den Gedanken durch, wird dies ein teures Vorhaben.
Ingmar Nehls Ingmar Nehls
Ein Außenfahrstuhl gleich neben dem Haupteingang? Das ist eine von vier vorgestellten Varianten.
Ein Außenfahrstuhl gleich neben dem Haupteingang? Das ist eine von vier vorgestellten Varianten. Andreas Segeth
Waren.

Auftrag erledigt. Problem nicht gelöst. Wie kann Warens historisches Rathaus barrierefrei werden? Bis zum 30. April sollte die Stadtverwaltung eine geeignete Lösung vorschlagen. So hatte es die Mehrheit der Stadtvertretung am 16. Januar beschlossen. Bei der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses präsentierte Bauamtsleiter Ingo Dann den aktuellen Erkenntnisstand.

Am 11. März gab es eine Vor-Ort-Begehung mit einer Sachbearbeiterin der Denkmalpflege des Landkreises und Dr. Jan Schirmer vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege. Bei diesem Termin wurden die Möglichkeiten zum Einbau eines Aufzuges unter dem Gesichtspunkt der denkmalpflegerischen Belange geprüft und vier Varianten herausgearbeitet.

Eine Variante sieht einen Außenfahrstuhl an der vorderen Fassade neben der Treppe am Haupteingang vor. „So ein Stilbruch wäre möglich“, informierte Ingo Dann. Auch auf der Hofseite könnte ein Außenfahrstuhl angebaut werden, allerdings müsste dann das Kellergewölbe des Ratskellers gesperrt werden. Bei den innenliegenden Varianten würde der Fahrstuhlschacht entweder im Trauraum oder im Waageraum installiert werden.

Keine Variante offenbar ideal

Keine der vier Varianten wird von der Stadtverwaltung oder von der Denkmalpflege als ideal angesehen und die Baukosten für solch eine Maßnahme würden nach Schätzungen zwischen 700 000 Euro und einer Million Euro liegen. Denn die Barrierefreiheit sei laut Ingo Dann nur durch einen kompletten Umbau des Rathauses und einer Nutzungsänderung in den einzelnen Etagen zu erreichen. „Es reicht nicht, einen Fahrstuhl einzubauen“, sagte Ingo Dann und verwies auf Brandschutzvorschriften. Wenn man das Ziel der Barrierefreiheit für das historische Gebäude ausruft, dann müsse der Zugang für jeden Raum gewährleistet sein. Auch das Stadtgeschichtliche Museum hat seine Räume im alten Rathaus und ist schwer erreichbar. Bei Trauungen im Rathaus gibt es Probleme, wenn beispielsweise Familien mit Kinderwagen bei der Zeremonie dabei sein wollen.

Problematisch bei Sitzungen

Problematisch ist zudem die Teilhabe für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen an Sitzungen der Fachausschüsse im Rathaussaal. Aus diesem Grund wurden die Sitzungen jetzt schon in andere Räume verlegt. Eine über 150-jährige kommunalpolitische Funktion endet möglicherweise. „Ich wehre mich dagegen, den Rathaussaal für Sitzungen zu verlieren“, sagte Christian Holz von der CDU.

Das Wahrzeichen im Herzen der Stadt bleibt vorerst ein Albtraum für Gehbehinderte und ältere Menschen. Aus Sicht der Verwaltung ist der Auftrag der Stadtvertreter erfüllt, auch wenn es keine echten Lösungsansätze gibt. Ein neuer Antrag der Stadtvertreter zu diesem Thema liegt noch nicht vor. Ob sich noch vor der Kommunalwahl am 26. Mai etwas tun wird, ist sehr fraglich.

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