KLAUSJÜRGEN WUSSOW

Schauspiel-Karriere von "Professor Brinkmann" begann an der Müritz

Berühmt wurde Klausjürgen Wussow als Chef der Schwarzwaldklinik. Begonnen hat seine Schauspielkarriere aber als Schüler in Waren - gemeinsam mit dem späteren Dramatiker Heiner Müller. Heute wäre er 90 Jahre alt geworden.
Petra Konermann Petra Konermann
Als Professor Brinkmann  in der TV-Serie „Schwarzwaldklinik“ wurde Klausjürgen Wussow in Deutschland ein Star.
Als Professor Brinkmann in der TV-Serie „Schwarzwaldklinik“ wurde Klausjürgen Wussow in Deutschland ein Star. Rolf Haid
Städtebund-Theater 1948: Auf diesem Bild ist Klaus-Jürgen Wussow 1948 (in heller Jacke) im Stück „Ehequartett“ des Warener Theaters zu sehen.
Städtebund-Theater 1948: Auf diesem Bild ist Klaus-Jürgen Wussow 1948 (in heller Jacke) im Stück „Ehequartett“ des Warener Theaters zu sehen. Stadtgeschichtliches Museum Waren
Waren.

Geboren wurde Klausjürgen Wussow am 30.  April 1929 in Cammin/Pommern. Er war der Sohn eines Lehrers und Kantors, der schon in den ersten Tagen des Zweiten Weltkriegs gefallen war. Wussow wurde noch als Schüler in den letzten Wochen des Krieges eingezogen und dadurch von seiner Familie getrennt. Die traf er dann nach Kriegsende in Waren wieder. Die Familie wohnte im Haus von Bäcker Lebzien in der Bahnhofstraße 15. Klausjürgen Wussow besuchte häufig die Drogistin Grete Jäger, spielte dort Klavier.

Jürgen Kniesz, Leiter des Stadtgeschichtlichen Museums in Waren, hat einiges über Wussow zusammengetragen. „Eigentlich ist es gar nicht so viel, denn er war ja gar nicht lange in der Stadt“, meint Kniesz. Er hat einen Abriss über Wussows Leben aber doch in sein Buch „Sie waren in Waren – 100 und mehr Menschen, die Geschichte machten“ aufgenommen. Aus gutem Grund. Denn in Waren begann Wussow, sich für die Schauspielerei zu interessieren, die später sein Beruf werden sollte.

Ab 1946 besuchte Wussow in Waren die Schule. Und traf auf einen Mitschüler, der später ebenfalls berühmt werden sollte: auf Heiner Müller, der als einer der wichtigsten deutschsprachigen Dramatiker der zweiten Hälfte des 20.  Jahrhunderts gilt und zu den bedeutendsten Schriftstellern der DDR zählte.

„So nicht, meine Herren!”

In Erinnerung blieb bei Mitschülern, so berichtet es Jürgen Kniesz, dass Wussow einen Streit schlichtete, der nicht nur verbal, sondern sogar körperlich zwischen Müller und Studienrat Karl Hannemann ausgetragen wurde. Wussow ging in seiner unverkennbar-pathetischen Art auf die Kampfhähne zu und tönte: „So nicht, meine Herren!“ Ursprünglich wollte Wussow Medizin studieren, was ihm aus politischen Gründen verweigert wurde.

Über seine Zeit in Waren sagte Wussow später in einem Interview: „Ich musste damals drei Monate vor dem Abitur von der Schule abgehen, weil ich nicht in die FDJ wollte: Es hat mich ein Herr Nevermann, so hieß er, glaube ich, zu sich bestellt und ich musste die Schule verlassen. Deshalb konnte ich nicht Medizin studieren, sondern musste mir etwas anderes suchen. Ich wusste aber nicht, was. Dieser Mensch ist natürlich deswegen an vielem – Gott sei Dank – schuld.“

Erste Frau spielte in Waren – und lotste ihn nach Berlin

In Waren wurde er dann Mitglied im Kulturbund und hat zum ersten Mal gespielt. In Wussows Erinnerung: „Die Schwester von Lilian Harvey hatte dort damals zusammen mit ihrem Mann R. O. Böhme Kinos. Dort im Kulturbund habe ich dann zum ersten Mal gespielt. Ich erinnere mich heute noch an das Plakat zu meinem ersten Auftritt: Das war das Stück ‚Max in Nöten‘. ‚Max‘ war mein Vater und in Nöten war ich deshalb, weil ich meine Hose verloren hatte. An das Stück selbst habe ich überhaupt keine Erinnerungen mehr. Ich habe es einfach nur gespielt. Dort im Kulturbund habe ich dann noch zwei weitere Rollen gespielt: eine Rolle im ‚Heiratsantrag‘ und eine in einem Stück, an das ich mich nicht mehr erinnere. Ich spielte in jedem Fall eine komische Rolle.“

Nach der Gründung des Städtebundtheaters Waren-Malchin im Februar 1947 begann dann Wussows Schauspieler-Laufbahn. „Bei einem bunten Abend in der Schule geriet ich in eine sehr harte Unterhaltung mit einem älteren Herrn, der, was sich dann herausstellte, der Oberregisseur dieses neu gegründeten Theaters war. ... Ich habe vorgesprochen und wurde engagiert. Vom Theater hatte ich freilich überhaupt keine Ahnung. Meine zweite Rolle war dann der Tempelherr. Der Regisseur hieß übrigens Richard Milewski: Er hat mir gesagt, er würde mir auch ein paar Stunden Schauspielunterricht geben. Nach einigen Stunden ließ er es aber wieder sein und sagte zu mir: ‚Das machst du schon alleine!‘ Und ich machte es auch. Ich spielte dort in Waren am Theater also 12, 13 oder 14 Rollen. Eines Tages kam dann aber meine erste Frau aus Berlin nach Waren und spielte dort. Sie sagte mir, ich solle doch mal nach Berlin fahren und mir wirkliches Theater anschauen. Das habe ich dann auch so gemacht: Ich habe also sofort meinen Vertrag in Waren gelöst und ging nach Berlin. Ich hatte zwar ein bisschen gespartes Geld bei mir, aber sie hatte zu mir darüber hinaus gemeint: ‚Wenn dein Geld zu Ende ist, dann geh zu meinen Eltern, die nehmen dich auf!“ Und so war es. Dort bereitete mich dann Marliese Ludwig auf die Prüfung an der Hebbel-Theater-Schule vor. Auf diese Schule ging ich dann auch. Das muss so im Jahr 1949 gewesen sein.“

Am bekanntesten wurde er mit der Kultserie

Danach spielte Klausjürgen Wussow am Hebbel-Theater, an dem Theater am Schiffbauerdamm in Berlin sowie an den Städtischen Bühnen in Frankfurt (Main), Düsseldorf, Köln, Zürich und München. Von 1964 bis 1986 gehörte er als Ensemblemitglied zum Wiener Burgtheater. Sein Filmdebüt gab er 1958 mit Werner Klinglers „Blitzmädels an die Front“ und war danach kontinuierlich auf der Leinwand zu sehen. Um 1960 spielte Wussow in mehreren Edgar-Wallace-Verfilmungen, in den 1970er-Jahren wirkte er als Darsteller in Fernsehserien mit. Am bekanntesten aber wurde er ab 1985 in der Rolle des Professor Brinkmann in der „Schwarzwaldklinik“.

Am 19. Juni 2007 verstarb Klausjürgen Wussow.

StadtLandKlassik - Konzert in Waren

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