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„Schlechten Lohn können wir uns nicht mehr leisten“

Dem Gast einen schönen Aufenthalt bereiten: Yvonne Koczian im Hotel Alter Landsitz Sommerstorf.   FOTO/Archiv: silke Voß

Von unserem RedaktionsmitgliedSilke VoßMehr Herzblut wird von Dienstleistern in der Tourismusbranche verlangt. Doch woher nehmen?Es fehlen engagierte ...

Von unserem Redaktionsmitglied
Silke Voß

Mehr Herzblut wird von Dienstleistern in der Tourismusbranche verlangt. Doch woher nehmen?
Es fehlen engagierte Fachkräfte.

waren.Dass es Frühling wird, zeigt sich – normalerweise – nicht nur an den üblichen Wetterboten, sondern auch an Stellenanzeigen in der Gastronomie. Allein die „jobsterne“, ein deutschlandweiter Internet-Jobmarkt für diese Branche, listen für Waren und nahe Umgebung rund 80 Stellenangebote auf. Hotels, Gasthöfe und Kurbetriebe suchen händeringend Restaurantfachleute, Kellner, Köche, Rezeptionisten, Tresenkräfte, Barmixer, Küchenhilfen, Sous Chefs, Animateure, Hausdamen-Assistentinnen etc.
Dabei fällt auf, dass nicht nur saisonale Aushilfen, sondern gerade auch Fachleute sehr gefragt sind. Den Eindruck bestätigt die Regionalchefin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Birte Nagel. „Nicht nur an der Müritz, in ganz Mecklenburg-Vorpommern fehlen überall noch Saisonkräfte. Die Anfrage ist immens. Gerade um Spitzenzeiten abzudecken fehlen Aushilfen. Dabei geht es aber nicht nur um ungelerntes Personal, sondern gerade auch Fachkräfte werden benötigt – vor allem Köche“, weiß Birte Nagel.
Was tun? Das Problem: „Werden nur mit Aushilfen die Spitzenzeiten überbrückt, leidet irgendwann die Qualität, und das spürt der Gast“, so Nagel weiter.
Um den jungen Leuten die zuweilen in Verruf geratene Arbeit in der Hotellerie im wahrsten Wortsinn wieder schmackhafter zu machen, bereite die DEHOGA mit dem Jobcenter und Unternehmen eine Ausbildungsmesse im Herbst vor, auf der es vor allem um das Thema Identifikation gehe: Dass ein Job im Tourismus auch einer mit Herzblut ist. Wie toll es sein kann, dem Gast was Gutes zu tun, ihm in der eigenen Heimat einen schönen Urlaub zu bereiten und sich bewusster zu werden, eine Dienstleistung zu vollbringen. Dass das eben auch heiße, abends und an Wochenenden zu arbeiten.
Dass dazu immer weniger bereit seien, davon kann etwa Hotelier Thorsten Falk ein Lied singen. Zwar sei er mit Stammpersonal gut bedient, doch würden kurzfristig Aushilfen gebraucht, sei die soziale Hängematte attraktiver.
Und was bei allem Herzblut, wenn die Kasse nicht stimmt? Dazu beobachtet Nagel: „Wir können uns schlechten Lohn nicht mehr leisten. Der Service muss auch motiviert sein. Und wo der Gast Qualität bekommt, fließt auch wieder das Trinkgeld.“

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s.voss@nordkurier.de