Aktivist und andere Oldtimer-Traktoren
Schön langsam mit viel PS zum Trecker-Diplom

Oliver Knittel muss sich ordentlich anstrengen, um den IFA RS 03 Aktivist  zum Laufen zu bringen - einer der wenigen erhaltenen Modelle aus der DDR.
Oliver Knittel muss sich ordentlich anstrengen, um den IFA RS 03 Aktivist zum Laufen zu bringen – einer der wenigen erhaltenen Modelle aus der DDR.
Petra Konermann

Treckerfahren – ein Kindheitstraum wird in Lupendorf mit 23 alten Traktoren wahr. Sogar eine seltene Fehlkonstruktion aus den Anfängen der DDR ist dabei.

In Lupendorf darf neuerdings jeder, der einen Führerschein hat, mit einem Traktor die Freiheit der Landstraße erleben. Liebevoll gepflegte Trecker-Oldtimer stehen dort bei Familie Knittel und warten darauf, dass Trecker-Fans mit ihnen die Gegend erkunden. Mit ganz viel PS, aber immer gemütlich abseits der viel befahrenen Hauptstraßen und dabei die Langsamkeit neu entdecken. „Man kann die Landschaft genießen, ganz anders, als wenn man in einem Auto sitzt und alles zu schnell an einem vorbeirast“, sagt Magdalena Knittel, Inhaberin von „Treckerausflug.de“. Dass auch Frauen der Trecker-Leidenschaft erliegen können, ist für sie ganz selbstverständlich, sie selbst sei ja das beste Beispiel dafür.

Insgesamt 23 Traktoren, allesamt Oldtimer, hat die Familie aufarbeiten lassen. Seit 2017 wird ein Teil der Trecker vermietet – für Tagesausflüge, aber gerne auch für längere Ausfahrten. Und wer schon immer mal einen (Trecker)Porsche fahren wollte, auch der kommt hier bei den Knittels in Lupendorf auf seine Kosten. „Doch schneller als 20 Kilometer pro Stunden ist man nicht“, betont Oliver Knittel, der die Biografie der Traktoren, ihre technischen Daten und die vielen Geschichten kennt.

Nur 3000 Stück produziert

Er hat auch ein Exemplar in seiner Scheune, das so gar keine Trecker-Erfolgsgeschichte ist. Den IFA RS 03 Aktivist zum Beispiel muss man mit einer schweren Kurbel in Gang bringen – und das ist noch nicht sein größtes Manko. Die noch junge DDR wollte sich zur Staatsgründung mit einem neuen Treckermodel schmücken und beschloss zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949 den Bau so einer Maschine. Die Zeit war aber knapp, nur ein paar Wochen blieben, um ein neues Model zu zaubern. Man verzichtete beim Aktivist auf eine Neukonstruktion und nahm einfach eine ältere Holzgasschlepperkonstruktion aus Kriegszeiten und machte daraus einen „neuen“ Trecker.

Dabei, so Oliver Knittel, tauschte man den schweren Holzgasgenerator auf der Vorderachse kurzerhand gegen einen leichteren Motor aus. Keine gute Idee, wie sich schnell herausstellen sollte: Der 35 PS starke Aktivist tat, was er nicht tun sollte – er bäumte sich auf. Ziemlich gefährlich für alle, die mit diesem Traktor arbeiten sollten. Zu allem Übel konnte der dann auch noch nur wenige Lasten ziehen. Das Aus für den Trecker aus den Anfangstagen der DDR kam daher schnell, nur rund 3000 Stück wurden produziert. Einer der wenigen weltweit, die erhalten geblieben sind, steht nun in Lupendorf.

Etwa eine Stunde dauert die Einweisung für alle Jung-Traktoristen. Zurück auf dem Hof dürfen sie dann noch auch eine Auszeichnung in Empfang nehmen: das Trecker-Diplom – ein Andenken an eine ganz besondere Ausfahrt.