UNTERRICHT

Schönt das Ministerium die Situation in Penzlin?

Seit Jahren wird in Penzlin unregelmäßig bis gar nicht Physik unterrichtet. Laut Bildungsministerium gab es eine Grundversorgung. Eltern widersprechen und sorgen sich um ihre Kinder.
Susann Salzmann Susann Salzmann
Ein Zeugnis, das dem Nordkurier vorliegt, zeigt, dass Physik im Schuljahr 2018/19 in Penzlin nicht bewertet wurde. Zehntkl&aum
Ein Zeugnis, das dem Nordkurier vorliegt, zeigt, dass Physik im Schuljahr 2018/19 in Penzlin nicht bewertet wurde. Zehntklässler müssen wegen des Unterrichtsausfalls der letzten Jahre nun doppelt so viel Physik büffeln wie eigentlich üblich. Symbolfoto: Patrick Seeger
Der Redaktion liegt dieses Endjahreszeugnis der Penzliner Regionalschule vom 28. Juni 2019 vor. Die restlichen Noten wurden vo
Der Redaktion liegt dieses Endjahreszeugnis der Penzliner Regionalschule vom 28. Juni 2019 vor. Die restlichen Noten wurden von der Redaktion anonymisiert. privat
Penzlin.

Wenn am Montag um 18  Uhr der neue Schulleiter den Penzliner Elternräten vorgestellt wird, könnte ihn gleich ein Sturm der Entrüstung treffen. Denn viele Eltern sorgen sich um die Physikkenntnisse ihrer Kinder und bis zum Schulabschluss nicht mehr aufholbare Defizite.

Fragen wirft diesbezüglich auch die Antwort des Bildungsministeriums auf eine Nordkurier-Anfrage auf. Dieser zufolge gibt es nämlich keinen Grund zur Besorgnis. Der Physikunterricht ab der sechsten Klasse sei im laufenden Schuljahr abgesichert, sagt das Ministerium. Eltern und Schüler wissen bisher aber nichts davon.

Ministerium sieht keine Nachteile für Schüler

Ja, räumt Ministeriumssprecherin Michaela May ein, es habe in Penzlin in den letzten zwei Jahren Engpässe in Sachen Physik gegeben. Verantwortlich dafür seien der Weggang zweier Lehrkräfte und der unvorhergesehene Ausfall des Vertretungspersonals. Doch von Nachteilen für Schüler in Sachen Physik wisse das Ministerium nichts. „Der Unterricht im Fach Physik konnte in den vergangenen Schuljahren im Rahmen der Grundversorgung sichergestellt werden“, sagt die Pressesprecherin.

Eltern wie Michaela Hundertmark können da nur mit dem Kopf schütteln. Nur, wenn mit „Grundversorgung in Physik“ mehr Ausfall als Unterricht gemeint ist, findet die Mutter die Formulierung des Ministeriums passend. Die Penzlinerin hatte bis zum Ende des vergangenen Schuljahres den Vorsitz des Elternrates inne. Den hat sie zum laufenden Schuljahr abgegeben, aber ihr Sohn besucht noch immer die Schule. Und zwar inzwischen in der neunten Klasse.

Als er die achte Klasse besuchte, habe es lediglich zum Schuljahresstart 2018 kurzzeitig regelmäßig Physikunterricht gegeben. Erteilt durch eine pensionierte Lehrkraft, die dafür stundenweise an die Schule zurückgeholt worden sein soll, so Hundertmark. Als diese Lehrkraft dann aus gesundheitlichen Gründen wegbrach, konnten die Schüler die Physikunterlagen zu Hause lassen. Auf den Zeugnissen ihres Sohnes steht beim Feld „Physik“ ein „nicht bewertet“ – so wie auch bei anderen.

In diesem Schuljahr noch keine Physikstunde gehabt

Auch sei die vom Land versprochene Entspannung noch nicht eingetreten – im Gegenteil. Auch in diesem Schuljahr hatte ihr Sohn genau wie der Sohn von Rica Zarske noch keine einzige Stunde Physik in der neunten Klasse. Dabei soll doch laut Mitteilung des Bildungsministeriums alles viel besser sein.

Im laufenden Schuljahr werde der naturwissenschaftliche Fachunterricht, wie von der Kontingentstundentafel vorgesehen, für die Klassen 6 bis 10 vollständig abgedeckt, schreibt Michaela May. Werden Eltern mit den Ministeriumsangaben konfrontiert, winken sie verärgert ab. Färbt das Ministerium die Situation an der Schule fälschlicherweise schön? Schulleitung und Schulamt verweisen bei Presseanfragen an den obersten Dienstherren – das Bildungsministerium.

„Bisher“, erzählt Michaela Hundertmark von der Realität an der Schule, „hat mein Sohn nicht einmal einen festen Stundenplan. Er packt jeden Tag nach Vertretungsplan die Schultasche“. Neunt- und Zehntklässlern könnte fehlender Physikunterricht die Suche nach einer Ausbildungsstelle erschweren, vor allem solchen, die beispielsweise Optiker, Mechatroniker oder Dachdecker werden wollen.

Nun soll es zwei Physik-Stunden statt einer pro Woche geben

Das Land reagiere nicht nur mit einer Ausschreibung auf die personelle Notsituation. Die diesjährige Abschlussklasse bekomme doppelt so viel Physikunterricht in der Zehnten wie im Regelfall vorgesehen. Heißt: Statt einer gibt’s nun zwei Stunden pro Woche, um die Schüler adäquat auf den Abschluss vorzubereiten. Weil eine neue Lehrkraft noch nicht eingestellt ist, werde ein Lehrer der benachbarten Schule abgeordnet. In den Jahrgangsstufen 6 bis 9 werde der wöchentlich einstündige Physikunterricht von Lehrkräften der Schule erteilt.

Der bisherige Mangel an Physikunterricht kann im Übrigen auch schön gerechnet werden. Denn das Fach gehört zum naturwissenschaftlichen Aufgabenfeld. Laut Plan müssen von Klasse 5 bis 10 in Summe 24 Unterrichtswochenstunden erteilt werden. „Das vorgesehene Volumen kann auf die Jahrgangsstufen frei verteilt werden“, erklärt May noch einmal, wie das Land auf die Annahme der gewährleisteten „Grundversorgung“ kommt.

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