PRAXISLERNZEIT

Schule mal ganz anders und doppelt praktisch

Mit Senioren reden statt zur Schule zu gehen? Im Archiv arbeiten statt zu rechnen? In Malchow macht ein neues Modell Schule trotz anfänglicher Skepsis.
Petra Konermann Petra Konermann
Lucia und Lisa aus der 8. Klasse der Fleesenseeschule sind mittwochs immer für ein paar Stunden im Stadtarchiv. Dort kopieren sie zur Zeit Hefte zur Stadtgeschichte, die vergriffen sind, und ergänzen sie.
Lucia und Lisa aus der 8. Klasse der Fleesenseeschule sind mittwochs immer für ein paar Stunden im Stadtarchiv. Dort kopieren sie zur Zeit Hefte zur Stadtgeschichte, die vergriffen sind, und ergänzen sie. Petra Konermann
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Malchow.

Immer Mittwochs gehen Lisa und Lucia nicht in die Schule. Sondern ins Stadtarchiv am Alten Markt in Malchow. Seit Beginn des Schuljahres machen die beiden Jugendlichen das schon so, und ihre Klassenlehrerin Manuela Weiße findet das völlig in Ordnung. Denn Lucia, Lisa und die anderen Schüler der 8. Klassen des Regionalschulteils der Fleesenseeschule lernen seit ein paar Monaten anders – auf neue Art und Weise.

Praxislernzeit heißt das, was seit Beginn des Schuljahres auf dem Stundenplan steht. „Das ist ein Konzept, das wir hier im Kollegium entwickelt haben“, berichtet Manuela Weiße, die nicht nur Mathematik und Sport unterrichtet, sondern auch Koordinatorin für den Regionalschulteil ist.

Schüler spüren, wie wichtig die Arbeit im Pflegeheim

Die sogenannten Wahlpflichtkurse wollten die Malchower Lehrer mit sinnvollem, praxisnahem Stoff füllen. „Wir haben uns sehr viele Gedanken darum gemacht, was wir anbieten können, von dem die Schüler auf der einen Seite, aber auch Menschen außerhalb der Schule profitieren“, erklärt Manuela Weiße.

„Anderen helfen“ ist zum Beispiel der Wahlpflichtkurs für die Achtklässler überschrieben. Sie gehen jede Woche, immer mittwochs, in verschiedene Malchower Einrichtungen und helfen dort: In Pflegeeinrichtungen, in Heimen. „Gerade vor dem Hintergrund, dass Fachkräfte in Pflegeberufen fehlen und künftig auch noch mehr fehlen werden, ist dieser Punkt des praktischen Lernens wichtig. Die Schüler haben die Möglichkeit, nicht nur kurz mal ein Heim zu besuchen, sondern über einen langen Zeitraum tatsächlich mitzuhelfen, zu spüren, dass sie und ihre Arbeit tatsächlich gebraucht werden. Und wenn daraus vielleicht sogar ein Berufswunsch im Pflegebereich erwächst, dann ist das doch eine tolle Sache“, findet die Lehrerin. Darüber hinaus ergeben sich Begegnungen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen, die es, vermutet sie, vielleicht so nicht gegeben hätte.

Ältere Schüler übernehmen Patenschaften für jüngere

In der 7. Klasse steht der Wahlpflichtkurs unter einer anderen Überschrift: Das Lernen zu lernen wird da vermittelt, aber auch, was Gesundheit für den eigene Körper bedeutet. Die Neuntklässler kümmern sich in ihren Wahlpflichtkursen um jüngere Schüler, und die 10. Klassen des Regionalschulteils übernehmen feste Patenschaften über jüngere Schüler und begleiten sie sogar in ausgewählten Fächern. Das, sagt Manuela Weiße, sei nicht nur gut fürs Schulklima, weil Jüngere und Ältere lernen, miteinander umzugehen, es stärkt auch die soziale Kompetenz der Schüler, die lernen, für andere über einen längeren Zeitraum Verantwortung zu übernehmen.

„Es gab anfangs auch Kritik an dem neuen Konzept, auch von Eltern. Aber mittlerweile ist das Feedback von Schülern und Eltern positiv, auch weil wir in Malchow gute Partner für unser Projekt gefunden haben“, berichtet die Lehrerin. Die Vorbereitungen für die Wahlpflichtkurs im nächsten Schuljahr laufen bereits: „Die Lehrer der Wahlpflichtkurse setzen sich bald zusammen und wir schauen dann, was gut war oder was noch verbessert werden müsste“, berichtet Manuela Weiße.

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