Tafel kündigt Angebot
Schulen in Waren kämpfen ums Schulfrühstück

Eigentlich sollte es für Eltern keine große Herausforderung sein, den Kindern eine Pausenverpflegung mitzugeben. Die Realität in manchen Warener Schulen sieht aber anders aus. 
Eigentlich sollte es für Eltern keine große Herausforderung sein, den Kindern eine Pausenverpflegung mitzugeben. Die Realität in manchen Warener Schulen sieht aber anders aus.
Stephanie Pilick

Sie haben es satt, dass sie nicht satt werden. Schüler in Waren machen sich mit den Lehrern dafür stark, dass es wieder ein Frühstücksangebot gibt.

Der Warener Kultur-, Bildungs- und Sozialausschuss hat sich am Dienstagabend darauf geeinigt, der Friedrich-Dethloff-Schule und der Regionalschule Waren/West jeweils 500 Euro für die Pausenversorgung an den Schulen zu geben. Um diese Anschubfinanzierung hatten vor allem Schüler und Lehrer der Dethloff-Schule gebeten. Sie waren zur Ausschusssitzung in die Musikschule gekommen, um den Politikern die Dringlichkeit des Themas klar zu machen.

Über zehn Jahre hatte sich die Warener Tafel darum gekümmert, dass fünfmal wöchentlich in der Regionalen Schule Waren-West, der Dethloff-Schule sowie dem Förderzentrum frisches und gesundes Essen in der Frühstückspause aufgetafelt wird, zu einem sehr kleinen Preis. Pro Schule kümmerten sich zwei geringfügig Beschäftigte um das entsprechende Anrichten des Essensangebotes. Das war natürlich nicht kostendeckend und nur möglich, weil die Tafel einen großzügigen Sponsor hatte, der jährlich 20 000 Euro zusteuerte. Als der jetzt wegfiel, musste die Diakonie auch die Pausenversorgung einstampfen.

Schulen schreiben Unternehmen an

„Es geht um das Wohl der Kinder. Wir brauchen dieses Angebot und kämpfen darum“, sagte Schulleiterin Ute Schmidt. Im wöchentlichen Wechsel kümmert sich jetzt immer eine Schulklasse um ein Minimalangebot. Das Ziel der Schulleiterin sei, dass es ab dem zweiten Halbjahr wieder eine tägliche Versorgung gibt. Mit der Anschubfinanzierung solle jetzt einmal Ware eingekauft werden, um mit dem Erlös aus dem Verkauf wieder neue Lebensmittel kaufen zu können.

„Wir wissen, dass wir jetzt am Zug sind“, versicherte Ute Schmidt. Mehrere Spendenbriefe hätten sie an regionale Unternehmen verschickt. Die Mecklenburger Backstuben und die Bäckerei Hatscher hätten auch schon signalisiert, großzügige Rabatte beim Brötchenkauf zu geben. „Wir haben auch Eltern angeschrieben. Es stehen aber keine Ehrenamtler Schlange. Mein Job ist Schulleitung und nicht Frühstückorganisation“, sagte die Leiterin der Dethloff-Schule.

Kritik an der Tafel

Auch bei der Regionalen Schule Waren/West ist nicht klar, wie eine Pausenverpflegung nachhaltig und dauerhaft gestemmt werden kann. Immerhin würde das Unternehmen, das auch das Mittagessen anbietet, an drei Tagen ein Pausenangebot stellen. „Es herrscht Lehrernot und ich kann meine Kollegen verstehen, dass sie sich nicht auch noch um dieses Problem kümmern können“, sagte Schulleiterin Sylvia Hänsel.

Beide Bildungseinrichtungen kritisieren die Warener Tafel für den schnellen Rückzug. „Wir wurden kalt überrascht. Ich kam aus den Sommerferien und die Kündigung lag auf dem Tisch“, sagte Sylvia Hänsel.

Ein Frühstück von zu Hause wäre billiger

Kritik kommt aber auch von einigen Ausschussmitgliedern – und zwar in Richtung der Eltern. „Es wäre doch viel kostengünstiger, wenn die Eltern den Kindern das Frühstück zu Hause vorbereiten“, sagte Stadtvertreter Olaf Gaulke (MUG). Die Eltern aus ihrer Verantwortung zu nehmen, sei auch kein gutes Zeichen an die jetzigen Schüler.

Diese Meinung teilt auch Sven Breuer von der CDU. „Die Eltern sind dafür verantwortlich, vor allem für gesundes Essen zu sorgen“, sagte Breuer. Er würde es begrüßen, wenn die Schüler die Initiative ergreifen und sich um ihre Pausenversorgung kümmern. Eltern, von denen der Großteil beruflich eingespannt ist, ehrenamtlich einzubinden, sehe er kritisch.

Ein Stich ins Herz des Ex-Tafelchefs

Das etwas geschehen muss, ganz gleich wer in der Verantwortung steht, machten die Schulleiterinnen deutlich. Denn sehr viele Schüler hätten das Angebot genutzt. Einige kauften sich sogar manchmal drei trockene Brötchen, damit sie überhaupt was im Magen haben, bevor sie am späten Nachmittag zu Hause ankommen. „Und das sind nicht nur Kinder aus sozial schwachen Familien“, sagte Schulleiterin Ute Schmidt.

Sichtlich betroffen nahm Stadtvertreter Günther Hoffmann (CDU) die Diskussion wahr. Der ehemalige Tafel-Chef war es schließlich, der sich um die Pausenversorgung gekümmert hatte und natürlich auch weiß, was da an Aufwand und Kosten dranhängt. „Die Geschichte versetzt mir einen Stich ins Herz. Ich habe Stunden, Tage, Monate dafür aufgebracht, um an das Geld zu kommen. Bisher haben die Schulen selbst nicht viel tun müssen. Jetzt, wo das Kind im Brunnen liegt, ist die Aufregung groß. Ich bringe mich aber gerne mit ein“, sagte Hoffmann.