Vermisst

Seit 1000 Tagen fehlt jede Spur von Gerda Wiese

Die Frau aus Priborn bleibt verschwunden. Vergessen aber ist die ehemalige Lehrerin nicht. In ihrem Heimatort, aus dem sie vor fast drei Jahren verschwand, wird bis heute an sie gedacht. Und gefragt: Was ist damals passiert?
Petra Konermann Petra Konermann
Dieses Foto von Gerda Wiese wurde von der Polizei veröffentlicht, um Hinweise zu ihr zu bekommen.
Dieses Foto von Gerda Wiese wurde von der Polizei veröffentlicht, um Hinweise zu ihr zu bekommen. Polizei
Nach Gerda Wiese wurde in einer groß angelegten Aktion über Wochen hinweg gesucht. 
Nach Gerda Wiese wurde in einer groß angelegten Aktion über Wochen hinweg gesucht. Petra Konermann
Am Tag nach dem Verschwinden vor dem Haus von Gerda Wiese in Priborn: Eine Hundestaffel machte sich auf den Weg, um nach ihr zu suchen.
Am Tag nach dem Verschwinden vor dem Haus von Gerda Wiese in Priborn: Eine Hundestaffel machte sich auf den Weg, um nach ihr zu suchen. Petra Konermann
Gleich hinter dem Haus von Gerda Wiese endet das Dorf Priborn, dann beginnt der Wald. 
Gleich hinter dem Haus von Gerda Wiese endet das Dorf Priborn, dann beginnt der Wald. Petra Konermann
Auf der Suche nach der verschwundenen Gerda Wiese durchkämmten Bereitschaftspolizisten ein Waldgebiet bei Priborn.  
Auf der Suche nach der verschwundenen Gerda Wiese durchkämmten Bereitschaftspolizisten ein Waldgebiet bei Priborn. Udo Roll
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Priborn.

Wo ist Gerda Wiese? Seit genau 1000 Tagen gibt es auf diese Frage keine Antwort. Gerda Wiese, eine damals 67-jährige Lehrerin im Ruhestand, war am 6. Dezember 2015 spurlos aus ihrem Haus in Priborn verschwunden. Noch am Tag zuvor, an einem Sonnabend, war sie im Dorf gesehen worden.

Einen Tag später war sie fort. In ihrem Haus am Rande des Dorfes hatte Gerda Wiese eine Ente zum Auftauen in ihre Küchenspüle gelegt. Sie erwartete ihre Kinder am Sonntag zum Essen. Ihr Haus war weihnachtlich geschmückt, auch ihr Vorgarten. Nichts deutete daraufhin, dass hier jemand freiwillig alles hinter sich ließ und seinem alten Leben den Rücken kehren wollte. Ihr Verschwinden hat sich zu einem mysteriösen Fall entwickelt, der nach wie vor viele Menschen bewegt.

Bis heute nur in Begleitung eines Mannes

„Dass Gerda Wiese verschwunden und bis heute nicht gefunden wurde, das hat unser Leben hier für immer im Dorf verändert“, sagt Elvira Döhring, Bürgermeisterin in Priborn. Wenn sie mit dem Fahrrad wöchentlich ihre Runden dreht, dann vermeidet sie es, an dem Haus von Gerda Wiese vorbei zu fahren. Lieber geht es entlang viel befahrener Straßen und Wege. Die Frauen der Nordic-Walking-Gruppe, zu der auch Gerda Wiese einst gehörte, gehen bis heute nur noch in Begleitung eines Mannes hinaus, erzählt Elvira Döhring.

Sie selbst war einst Schülerin bei Gerda Wiese und hat sich ihr eigenes Bild von der ehemaligen Klassenleiterin bewahrt: „Das eines fröhlichen, sehr freundlichen, jung gebliebenen und aktiven Menschen, den ich vermisse. Das geht nicht nur mir so. Im Dorf wird oft über sie gesprochen. Wir vergessen sie nicht“, sagt die Bürgermeisterin.

Gefühl der Unsicherheit bleibt

Sie wünscht sich, dass Gerda Wiese gefunden wird, damit die Familie endlich Gewissheit hat, vor allem sie, aber auch die Menschen in Priborn, die das Verschwinden eines Menschen aus ihrer Mitte nicht verwunden haben, meint Elvira Döhring und fügt hinzu: „Ein Gefühl der Unsicherheit bleibt.“ Denn wenn Gerda Wiese etwas angetan wurde, dann muss es einen Täter geben, der nicht gefasst wurde.

In einer großen Suche wurde nach Gerda Wiese gefahndet. Mit zeitweise 170 Beamten und Feuerwehrleuten, aber auch vielen Freiwilligen, wurde ein 900-Hektar-Gebiet über Wochen hinweg durchkämmt. Auch Taucher und Spürhunde kamen zum Einsatz. Eine 40-köpfige Sonderermittlungsgruppe wurde gebildet. Eine Belohnung für sachdienliche Hinweise in Höhe von 2500 Euro wurde ausgesetzt. In Zeitungen, im Internet, in Radiosendungen, in Fernsehsendungen, auch in der ZDF-Fernsehreihe „Aktenzeichen XY... ungelöst“, wurde über den Fall Gerda Wiese berichtet. Es gab Tipps und Hinweise, aber keiner führte zum Erfolg.

Polizei hat die Akte nicht geschlossen

Dennoch: „Die Akte Gerda Wiese ist nicht geschlossen, sie wird auch nicht geschlossen werden“, betonte Nicole Buchfink, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg, gegenüber dem Nordkurier. Nach wie vor geht die Polizei von einem Gewaltverbrechen aus, dem Gerda Wiese zum Opfer gefallen ist. „Ich hoffe sehr, dass wir es doch noch aufklären und einen Täter feststellen können“, sagte die Polizistin.