Im Klostergarten wurde die Pflanze nickender Milchstern identifiziert. Was verrät sie über die Geschichte?
Im Klostergarten wurde die Pflanze nickender Milchstern identifiziert. Was verrät sie über die Geschichte? Kloster Malchow/Shirley Brückner
Die Historikerin Dr. Shirley Brückner entlockt der Klosteranlage viele Geheimnisse. Foto: NK-Archiv/S.Salzmann
Die Historikerin Dr. Shirley Brückner entlockt der Klosteranlage viele Geheimnisse. Foto: NK-Archiv/S.Salzmann Susann Salzmann
Die Klosteranlage könnte 2025 Außenstandort bei der Rostocker Buga werden. Foto: Tina Schmaglowski
Die Klosteranlage könnte 2025 Außenstandort bei der Rostocker Buga werden. Foto: Tina Schmaglowski Tina Schmaglowski
Nickender Milchstern

Seltene Pflanze im Malchower Klostergarten entdeckt

Eine kleine Pflanze erzählt Geschichte über die Gartenkultur der Nonnen. Vielleicht blühen mit der Entdeckung ja auch die Chancen als Buga-Außenstandort weiter auf.
Malchow

Große Freude über eine kleine weiße Blume. Kann der „Nickende Milchstern“ mehr über die Geschichte der Malchower Klosteranlage verraten? Dr. Shirley Brückner ist jedenfalls ganz begeistert über die Entdeckung. „Der Milchstern ist ein Hinweis auf eine alte Gartenkultur“, sagt die Historikerin.

Zu übersehen war die Pflanze eigentlich nicht, denn überall im Engelschen Garten, auf dem Klosterfriedhof und im Pastoratsgarten blühte sie. Durch die aufmerksame Beobachtung von Anna Trampota, die gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr im Orgelmuseum absolviert, ist die Pflanze als nickender Milchstern bestimmt worden.

Klosterfrauen behielten ihr Wohnrecht

Der nickende Milchstern, der von Mitte bis Ende April blüht, wurde, aus Südeuropa und der Türkei kommend, besonders gerne in der Barockzeit in Schloss- und Klostergärten angepflanzt. Heute ist er in Deutschland recht selten anzutreffen. „Das ist offensichtlich ein wichtiger Hinweis auf eine geplante Anpflanzung und einen frühen Pflanzplan“, sagt Shirley Brückner. Im Zuge der Bewerbung als Außenstandort der Buga Rostock 2025 beschäftigt sie sich gerade intensiv mit der Geschichte der Gärten auf dem Kloster. Um das Interesse der Buga-Entscheider zu wecken, soll eine „Galerie der Gartennutzungen“ des 19. Jahrhunderts entstehen. So sollen etwa Küchen- wie auch Zier- und Blumengarten mit Staudenrabatten, Lauben, Pavillon, Grotte und Gewächshaus entstehen.

Das 1298 gegründete Klosterareal wurde 1572 in ein Stift adliger Damen umgewandelt, der bis 1918 Bestand hatte. Die Klosterfrauen behielten in der Zeit danach ihr Wohnrecht. Die letzte Bewohnerin des Klosters verstarb im Jahr 1972. Die Stiftsdamen wirkten im Umfeld und kümmerten sich um Hausgärten, in denen unter anderem Nutzpflanzen für Ernährung und medizinische Zwecke gepflanzt wurden.

Stinsenpflanzen weisen auf Original-Bepflanzung hin

Während man bei Gebäuden Schichten abtragen kann und dann auf Baumaterialien trifft, die Aussagen über Alter und Verwendung zulassen, ist ein Garten ein lebendiges Denkmal, das sich im Laufe der Zeit kontinuierlich verändert, weil Pflanzen wachsen und vergehen und neue Blumen und Sträucher in den Boden gesetzt werden.

Hinweise auf die historische Original-Bepflanzung können sogenannte Stinsenpflanzen geben. Das sind Zierpflanzen, die wie der Milchstern aus anderen Klimazonen stammen und oft schon vor langer Zeit importiert und an einen neuen Ort angepflanzt wurden. Hierzulande haben sie sich außerhalb ihrer natürlichen Verbreitungsgebiete eingebürgert, ohne sich aber weiträumig auszubreiten. Sie bleiben ihrem Standort treu. Stinsenpflanzen sind überwiegend Zwiebel- und Knollengewächse.

Zeiger alter Gartenkultur

Manchmal überdauern die Stinsenpflanzen über Jahrhunderte an ihrem Standort, sogar, wenn die gebaute Architektur längst verschwunden und die einstigen Wegeanlagen im Park überwuchert sind. Man nennt sie daher auch Zeiger alter Gartenkultur.

Mit Malchow und Waren buhlen gleich zwei Müritz-Städte um die Buga-Teilnahme. Landesweit haben 30 interessierte Städte, Gemeinden, Projekte und Vereine ihre Bewerbungskonzepte eingereicht. Mit einer Antwort könnten die Buga-Anwärter im Juni rechnen.

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Kommentare (1)

bei uns im Dorf / Wald gebiet, wachsen die Nickende Milchstern sehr häufig, bei mir im Garten auch, aber trotzdem, vielen dank ich habe sehr viel über die Nickende Milchstern gelernt!!!