HOHE BETRIEBSKOSTEN

Senioren an der Müritz so richtig abgezockt

Neben zum Teil achtfach höheren Betriebskosten als üblich rückt auch das Einbehalten von Kautionen in den Fokus der Berater des Mieterbundes. Zweimal im Monat sind die Experten auch in Waren.
Susann Salzmann Susann Salzmann
Franziska Lipka vom Neubrandenburger Mieterbund ist zweimal im Monat Ansprechpartner für Mieter und ihre Probleme.
Franziska Lipka vom Neubrandenburger Mieterbund ist zweimal im Monat Ansprechpartner für Mieter und ihre Probleme. Susann Salzmann
Waren.

Bis zum angekündigten Auszug ist das Verhältnis zum Vermieter entspannt. Doch auf einmal fällt ein über 80-jähriger Mann aus Waren aus allen Wolken. Der Auszug verläuft alles andere als reibungslos für den Mieter. Denn seine bei Einzug gezahlte Kaution will der Vermieter einbehalten – und zwar nicht nur teilweise, sondern gleich vollständig. Das hieße für den Mann: 800 Euro wären weg. Die Begründung des Vermieters fällt nüchtern aus. Der Senior soll die Wohnung mit Mängeln hinterlassen haben. Doch der betroffene Mann kontert. Die Mängel hätten bereits beim Einzug bestanden. Hilfesuchend wendet sich der Warener an Franziska Lipka vom Neubrandenburger Mieterbund.

Übergabeprotokolle sind wichtig

Zweimal im Monat – jeden zweiten und vierten Donnerstag von 14 bis 17 Uhr – besetzt sie das Büro in der Dietrich-Bonhoeffer-Straße 7 in Waren. Dort wurde sie jüngst auch von jenem älteren Mann aufgesucht. Der muss nun noch einmal nachliefern. Denn mitentscheidend, wie das Ganze ausgeht, könnte das sogenannte Übergabeprotokoll sein, was bei Ein- und Auszug gefertigt wird und in dem Mängel aufgelistet werden können. Was viele nicht wissen ist, erzählt Lipka, dass Menschen aus Unwissenheit Übergabeprotokolle beim Auszug unterschreiben, obwohl sie dazu nicht verpflichtet sind. Und mit der Unterschrift bekennen sie sich unter Umständen dann dazu, die Mängel selbst verursacht zu haben und womöglich noch, diese zu beseitigen. In jedem Fall „liegt die Beweislast beim Mieter“, sagt sie. „Schleifspuren von Türen, geölte Terrassendielen und Tierspuren im Laminat können solche vermeintlichen Mängel sein“, zählt die Geschäftsführerin des Mieterbundes auf, was ihr in den letzten Jahren ihrer Beratung bereits untergekommen ist.

Beraten werden nur Mitglieder

Ihren Klienten rät sie gemeinhin, Mietverträge auch vor Einzug vom Mieterbund prüfen zu lassen. Für eine Beratungsleistung muss der Mieter allerdings Mitglied im über 3000-köpfigen Mieterverein sein. 72 Euro kostet der Jahresbeitrag zuzüglich einer einmaligen Aufnahmegebühr von 15 Euro. Ein zu verschmerzender Geldbetrag, wenn es darum geht, Kautionen in Höhe von mehreren Hundert Euro zurück zu bekommen. Generell liege derzeit ein Fokus auf Fällen, in denen Vermieter die Kaution ganz oder teilweise einbehalten.

Zu viel gezahlte Betriebskosten

Wenn Hilfesuchende zu der Beraterin in die Sprechstunde kommen, geht es um Mietverträge, Kautionen oder zu viel gezahlte Betriebskosten. Immer mehr würden sich im digitalen Zeitalter aber auch per Mail melden. Darunter auch manchmal Angehörige, deren Familienmitglieder im Betreuten Wohnen leben. „Solche Abrechnungen habe selbst ich in zehn Jahren noch nicht erlebt“, erzählt Lipka. Auffällig erhöhte Betriebskosten gebe es insbesondere bei Einrichtungen, die gänzlich von zwei großen, bundesweit tätigen Wohlfahrtsverbänden geführt werden. Ältere Mieter müssen dort unter Umständen hohe Summen für Hausmeister, Winterdienst, Gartenpflege und Hausreinigung bezahlen.

Hausmeisterkosten sind viel zu hoch

Nicht selten machen das die Mieter. „Sie zahlen aus Unwissenheit und mangels Alternativangeboten“, beruft sich die Chefin des Mieterbundes auf Erfahrungen. Das kann so weit gehen, dass es pro Position Überzahlungen von bis zu 200 Euro gebe. Im jüngsten Fall schlug der Wohlfahrtsverband beim Umlegen der Hauswartskosten richtig zu. Statt den monatlich üblichen 20 Cent pro Quadratmeter sollten Mieter eines altersgerechten Wohnens an der Müritz 1,52 Euro zahlen. Das ist fast achtmal so viel wie der auskömmliche Satz es vorsieht. Heißt: Ein Mieter einer 60 Quadratmeter großen Wohnung müsste eigentlich lediglich 144 Euro Hausmeisterkosten im Jahr zahlen. Nach jener Berechnungsmethode musste er 1094,40 Euro jährlich zahlen.

Rechtens ist das nicht. „Die Unternehmen müssen sich ans Wirtschaftlichkeitsgebot halten“, begründet Lipka. Solche „Fantasiepreise“ sind nur durchzusetzen, wenn Mieter nicht dagegen vorgehen. In solch einem Fall könnte der Mieter eine eigene Korrektur auf geltende Höchstsätze – im Fall des Hausmeisters von 20 Cent pro Quadratmeter und Monat – vornehmen. Oder er sucht Hilfe beim Mieterbund.

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