Die Lachsfarm könnte in Malchow jährlich bis zu 15 000 Tonnen Lachs produzieren.
Die Lachsfarm könnte in Malchow jährlich bis zu 15 000 Tonnen Lachs produzieren. Holger Hollemann
Malchow könnte von der Lachsfarm in Sachen Energieversorgung profitieren, sind Befürworter überzeugt.
Malchow könnte von der Lachsfarm in Sachen Energieversorgung profitieren, sind Befürworter überzeugt. Peter Engelke / peng images
Baurecht

Skeptiker bremsen Lachsfabrik für Malchow aus

Der Lachsfarm-Investor muss weiter zittern. Ein Ausschuss lehnte eine weitere wichtige Entscheidung für die Fischzucht zunächst ab.
Malchow

Knapper konnte die Entscheidung der Malchower Stadtentwickler zur geplanten Lachsfarm nicht ausfallen: Mit drei Ja-, drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung verwehrte der Ausschuss dem Brandenburger Investor Patrick von Hertzberg ein „Go“ für den Entwurfs- und Auslegungsbeschluss zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan für die Fischfarm. Dabei könnte die angestrebte Tonnenproduktion von Atlantischem Lachs am Standort Malchow eine Chance für die Weiterentwicklung der Stadt bedeuten, argumentierte Bürgermeister René Putzar (parteilos) für das Vorhaben, das der Stadt etwa 50 Arbeitsplätze und perspektivisch mehrere Hunderttausend Euro Gewerbesteuereinnahmen bringen könnte.

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Bürgermeister wirbt um Zustimmung

Vor allem aber energietechnisch könnte die Lachsfarm dafür sorgen, dass die Inselstadt wasser- und stromtechnisch ein höheres Level erreiche – mit finanzieller Beteiligung des Investors am notwendigen energetischen Ausbau, hieß es. „Wenn Sie den Beschluss fassen, dann erst befassen sich die Behörden damit und dann können Fragen konkret beantwortet werden, zum Beispiel zur Umweltverträglichkeit“, warb Putzar für ein positives Votum. Gerald Reeps (OWM), Mario Warnke (BfM) und Joachim Schreier (FDP) gaben der Fischzucht per Handzeichen ihren Segen. „Die Ozeane sind abgefischt“, zeigte Schreier, dass die Entwicklung seiner Ansicht nach in Richtung Landzucht gehe.

Wasserverbrauch als Gegenargument

Dass die Anlage, die medikamentenfrei und mit biologischen Filtern nach einem Kreislaufsystem arbeiten soll, zu viel Strom und Wasser verbrauche und darüber hinaus zu viel Abwasser produziere, waren unter anderem für Ramona Stein (parteilos) Gründe, dagegen zu stimmen. Neben ihr zeigten sich bei Diskussionen in der Vergangenheit bereits Fraktionsmitglieder der Grünen und SPD/Linken dem Projekt gegenüber kritisch und forderten unabhängige Vorabexpertisen. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass entsprechende Vertreter der Fraktionen im Ausschuss – Anja Speckin (Grüne) und Gerhard Köhn (SPD/Linke-Fraktion) – ebenfalls gegen die weitere Planung der Lachsfarm stimmten. Dieter Mennerich (CDU) enthielt sich der Stimme. Eine Begründung für seine Entscheidung wollte er nicht abgeben.

Hoffen auf Votum der Stadtvertretung

Die Entscheidung der Stadtentwickler ist zwar nur eine Empfehlung, doch mit dem mehrheitlichen Segen zum Projekt hätte der Investor schon jetzt den Antrag für das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) in Neubrandenburg vorbereitet, erklärte Planer Frank Wiegandt. Er und Investor von Hertzberg hoffen nun auf das Votum der Stadtvertretung. „Ohne Aufstellungsbeschluss können wir keinen BImSch-Antrag zur tatsächlichen Prüfung stellen“, so der Planer. Beim Antrag nach Bundesimmissionsschutz werden schädliche Umwelteinwirkungen durch Emissionen in Luft, Wasser und Boden geprüft. Bleibt der Segen für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aus, wäre das das tatsächliche Aus für das Projekt, sagte er.

Erste Analysen eines Planungsbüros ergaben, dass Geruchs- wie Lärmbelastungen in einem nicht wahrnehmbaren Bereich für umliegende Wohnbebauung liegen würden. Überzeugen konnte das Zweifler und Kritiker bisher nicht.

Größte Fischzucht an Land

Wie Frank Wiegandt, der Planer der Lachsfarm, auf Nachfrage bestätigte, wäre die in Malchow geplante Aquakultur die größte Fischzucht an Land, die es in Deutschland und sogar in ganz Europa geben würde. In der etwa 35 000 Quadratmeter großen Halle sollen anfangs 5000 und zuletzt bis zu 15 000 Tonnen Lachs jährlich aufgezogen und geschlachtet werden.

Vorteile in der Unternehmensansiedlung sah bereits der ehemalige Stadtwerke-Chef Gunthar Teichmann. So könnte Malchow statt einer 20 KV-Leitung, die laut Verwaltung zu rund zwei Dritteln ausgelastet sei, eine 110 KV-Leitung bekommen. Wasserfassungen könnten überarbeitet werden. Die Inselstadt könnte sich für weitere Hotels und Gewerbeansiedlungen gut aufstellen.

CDU-Mitglieder als Zünglein an der Waage?

Zerstreuen will Planer Wiegandt auch Befürchtungen, auf die Stadt würden zusätzliche Kosten, auf den Bürger höhere Energiekosten zukommen. Details würden aber erst im Durchführungs- und Erschließungsvertrag fixiert. Malchow steht derzeit noch mindestens zwei Entscheidungen vor diesem Punkt.

In der Stadtvertretung könnte die Entscheidung für oder gegen die Lachsfabrik knapp ausfallen. Die drei Mitglieder der CDU-Fraktion könnten das Zünglein an der Waage sein. „Unsere Fraktion ist mehrheitlich positiv gegenüber der Anlage eingestellt, wobei es natürlich eine Menge Faktoren gibt, die noch gar nicht bekannt sind“, so CDU-Fraktionsvorsitzender André Zimmermann. Das Votum der Mitglieder sei abhängig von Ergebnissen der Prüfungsverfahren und Einschätzungen Dritter. Für den CDU-Mann selbst überwiegt der wirtschaftliche Aspekt der Lachsanlage. „Wir brauchen solche Projekte und entsprechende Ausbauplanungen für die Versorgung.“

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