3G am Arbeitsplatz

Sollte der Impfdruck an Unternehmen abgegeben werden?

Wenn Chefs am Arbeitsplatz die 3G-Regel durchsetzen müssen, ist das unangemessen, sagen die einen. Die anderen wiederum finden das richtig. Wie denkt man an der Müritz?
Genesene und Ungeimpfte könnten ohne Weiteres ihrer Arbeit in einem Büro etc. nachgehen; Ungeimpfte aber müsste
Genesene und Ungeimpfte könnten ohne Weiteres ihrer Arbeit in einem Büro etc. nachgehen; Ungeimpfte aber müssten sich täglich testen. Eine Angelegenheit, die nicht jeder locker sieht. Sebastian Willnow
Seenplatte

Arbeiten, ja – aber bitte mit Corona-negativ-Nachweis. Entweder als Impfung, Genesenen- oder Testzertifikat. Diese jüngste Corona-Diskussion um das Umsetzen der 3G-Regel in Unternehmen wird in Müritzer Unternehmen kontrovers diskutiert. Besonders kritisch wird es von der Kreishandwerkerschaft der Seenplatte gesehen. Wie Chefin Aurelia Lange auf Nordkurier-Nachfrage sagte, sei Betrieben diese Verantwortung trotz grundsätzlicher Fürsorgepflicht nicht zuzumuten. Lange sieht in der Regelung außerdem einen „Weg zu einer versteckten Impfpflicht“, indem etwa durch tägliches Testen zusätzliche Hürden für ungeimpfte Mitarbeiter entstünden.

Die Kreishandwerkerschaft als Interessenvertretung der Handwerksbetriebe in der Mecklenburgischen Seenplatte stört insbesondere die Aussicht, dass „die Regierung den Impfdruck an die Geschäftsinhaber abwälzt und Arbeitgeber gezwungen werden, Impfdruck unter ihren Angestellten aufzubauen“. Negativfolgen wie Kurzarbeit für Ungeimpfte oder Kündigungsversuche werden befürchtet. Nach aktuellem Stand dürfen Arbeitgeber aus Datenschutzgründen nicht einmal nach dem Impfstatus fragen. In manchem Müritzer Unternehmen teilen Mitarbeiter ihrem Chef aber freiwillig mit, ob sie geimpft seien oder weshalb sie sich nicht impfen lassen. Das wäre ein guter Anfang.

Falsches Krankschreiben wegen 3G?

Das Beharren von 3G hätte nach Ansicht vom Klinker Geschäftsmann Oliver Kell in allen Betrieben schon längst zur Anwendung kommen müssen. „Ich habe es immer kritisch gesehen, den Einzelhandel, die Gastronomie, die Hotellerie und die Veranstaltungsbranche als Pandemie-Treiber zu verunglimpfen“, sagte Kell und macht damit auf eine Sache aufmerksam: Infektionskrankheiten verbreiten sich an allen Arbeitsplätzen. Ob sich eine Corona-Infektion im Hotel, wo Reisende eher ihre eigenen Wege gehen, schneller überträgt – unklar. „3G in Betrieben ist seit dem Beginn der Pandemie überfällig, auch wenn es wohl zum Anfang hätte 1G heißen müssen“, meinte Kell, der neben Ferienvermietung auch Kells „Bauernmarkt“ betreibt.

Wenn Arbeitgeber künftig nach Willen der Ampelkoalition einen der drei bewährten Corona-Nachweise fordern, gehe das zulasten ohnehin schon belasteter Arbeitgeber, meinte Cindy Kreuzberger, ihres Zeichens Restaurantinhaberin der Warener „Sealounge – Haus am See“. „Wer soll das Ganze kontrollieren? Ich darf Arbeitnehmer nicht einmal fragen, ob sie schwanger sind oder kann eine wahrheitsgemäße Aussage erwarten, wenn sie es sind!“, so die Warenerin. Wird das Umsetzen von 3G in jeglichen Betrieben zur Pflicht, bange sie zudem um Mitarbeiter – und das in einer Branche, in der Mitarbeiter ohnehin nicht leicht zu finden seien.

Der Nordkurier sprach zudem mit einzelnen Angestellten. Insbesondere die Mehrzahl derjenigen, die sich bewusst und ohne gesundheitliche Einschränkung gegen das Impfen entschieden hatten, meinten, dass ein tägliches Testen auf Arbeit eine Vorschrift sei, die sie zum falschen Krankschreiben oder zur Kündigen animieren würde.

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