AWO-AFFÄRE

Staatsanwaltschaft durchsucht Privathaus von Ex-Awo-Chef

Der Verdacht der schweren Untreue gegen den Ex-Awo-Chef Peter Olijnyk verdichtet sich. Jetzt wurde Vermögen des ehemaligen Geschäftsführers der Awo Müritz gepfändet.
Peter Olijnyk ist eine der Hauptpersonen des Finanzskandals bei der Awo Müritz.
Peter Olijnyk ist eine der Hauptpersonen des Finanzskandals bei der Awo Müritz. NK-Archiv
Waren.

Erst der zivilrechtliche Prozess und die verlorene Revision vor dem Oberlandesgericht Rostock, jetzt die strafrechtlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Schwerin: Die juristische Schlinge um Ex-Awo-Chef Peter Olijnyk zieht sich weiter zu.

Am Donnerstagvormittag hatten Staatsanwälte aus der Landeshauptstadt das Privathaus des langjährigen Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes Müritz in Sietow (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) durchsucht. Olijnyks Anwalt Peter-Michael Diestel bestätigte auf Nordkurier-Nachfrage die Durchsuchung, beantragte sofortige Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft. „Ich habe Kontakt zur Staatsanwaltschaft, kenne aber noch keine Einzelheiten”, sagte Diestel am Freitagmorgen.

Nach Informationen des Nordkurier war Olijnyk selbst gar nicht zu Hause, die Staatsanwaltschaft hatte sich daraufhin mit Hilfe eines kurzfristig beauftragten Schlüsseldienstes Zutritt zu den Privaträumen des Ex-Awo-Chefs verschafft.

Verdacht der schweren Untreue

Bereits im Sommer 2016 hatte die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg das Privathaus Olijnyks durchsucht. Wenige Wochen zuvor hatte die Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen gegen Olijnyk und den langjährigen Vorsitzenden der Awo Müritz, Götz-Peter Lohmann, begonnen. Bei Olijnyk steht der Verdacht der schweren Untreue im Raum, Lohmann wird Beihilfe vorgeworfen. Olijnyk und Lohmann sollen sich über Jahre gegenseitig lukrative Verträge mit hohen Gehältern zugeschanzt haben.

Insgesamt soll Olijnyk laut Staatsanwaltschaft Schwerin in einem Zeitraum von 2005 bis 2016 Geldbeträge sowie Ansprüche gegen Dritte in Höhe von 1.223.558,26 Euro erlangt haben. Lohmann soll im Zeitraum vom 1. September 2006 bis 31. Dezember 2015 insgesamt 675.242,54 Euro erhalten haben, obwohl er nach den durchgeführten Ermittlungen nur unwesentlich für die Gesellschaft tätig geworden war, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Staatsanwaltschaft erläuterte in dem Zusammenhang auch die Hintergründe der nochmaligen Hausdurchsuchung: „Zur Sicherung der staatlichen Ansprüche auf Einziehung des Wertes der Taterträge und der Ansprüche der Geschädigten hat die Staatsanwaltschaft Schwerin gegen die Beschuldigten Vermögensarreste in Höhe der genannten Beträge erwirkt.” Und genau diese Vermögensarreste seien am Donnerstag von der Staatsanwaltschaft Schwerin und Beamten der Kriminalpolizeiinspektion Neubrandenburg durch Pfändung von beweglichen Sachen und Forderungen vollzogen worden.

Vermögen an Angehörige verschoben

Damit genug: Da die Beschuldigten laut Staatsanwaltschaft im Verdacht stehen, Vermögen im Wert von 163.286,67 Euro (Götz-Peter Lohmann) beziehungsweise 23.000 Euro (Peter Olijnyk) an ihre Ehefrauen sowie 10.000 Euro an die Tochter Olijnyks „verschoben“ zu haben, hat das Amtsgericht Schwerin auf Antrag der Staatsanwaltschaft auch in deren Vermögen entsprechende Arreste angeordnet.

Da Olijnyks Vertragsverlängerungen laut Urteil des Landgerichts Neubrandenburg und des Oberlandesgerichts Rostock (OLG) aufgrund teilweise fehlender Unterschriften über Jahre nicht rechtsmäßig waren, war der Sozialverbandsmanager am 13. März in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung mit seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem Awo-Kreisverband Müritz, zur Rückzahlung von Gehältern in Höhe von knapp 400.000 Euro verurteilt worden. Olijnyks Anwalt Diestel hatte unmittelbar dem Urteil des OLG angekündigt, den Richterspruch vor dem Bundesgerichtshof anzufechten.

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