NOCH ZU STOPPEN?

Stadtvertreter prüfen geplante Eierfarm bei Waren

Nicht nur für die Anwohner, sondern auch für viele Warener Stadtpolitiker ist die geplante Legehennen-Anlage in Warenshof ein faules Ei. Darum wird das Projekt noch einmal ganz genau unter die Lupe genommen.
Hühner in einer Legehennen-Anlage – so etwas wollen die Menschen in Warenshof und Vielist nicht.Foto: Julian Strate
Hühner in einer Legehennen-Anlage – so etwas wollen die Menschen in Warenshof und Vielist nicht.Foto: Julian Stratenschulte Ingmar Nehls
Waren ·

„Ich freue mich, dass Sie wieder ganz der Alte sind“, sagte Warens Bürgermeister Norbert Möller (SPD) bei der Stadtvertretersitzung am Mittwochabend zu Toralf Schnur. Der Vorsitzende der FDP/MUG-Fraktion hatte gerade einen 15-minütigen Vortrag darüber gehalten, warum und wie es möglich sein könnte, dass die Stadt Waren kein Einvernehmen für die geplante 12 000-Tiere-Legehennenanlage auf dem Gelände der ehemaligen Eierfarm in Warenshof erteilt. 

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Mit Erfolg, denn Schnur hat eine politische Mehrheit aus FDP/MUG, AfD, Bündnis 90 /Die Grünen, CDU und Nadine Julitz (SPD) für seinen Antrag gewonnen, der dafür sorgen könnte, dass das Projekt des Investors Fritz Horst Melsheimer, das sowohl für die Anwohner als auch für viele Stadtpolitiker ein faules Ei ist, noch kippen könnte.

Wohnbebauung auf alter Eierfarm ausgeschlossen

Wie soll sich der Ortsteil Warenshof mit der Agrarbrache entwickeln? Um diese Frage hat man sich viele Jahre nicht gekümmert. „Wir haben das verpennt“, sagte Schnur. Aus seiner Sicht sei dieses Gebiet der einzige Bereich, wo eine Stadtentwicklung überhaupt noch möglich sei, weil es dort relativ wenig Hinderungsgründe im Vergleich zu anderen Gebieten gebe. „Tun wir nichts, muss die Stadt wohl das Einvernehmen erteilen. Ist die Anlage dann da, haben wir damit aber auch die Entscheidung, dass dort nichts anderes passieren kann“, sagte Schnur und verwies darauf, dass man mit der beschlossenen Novellierung des Flächennutzungsplans ja bereits ein Signal gesendet habe, dass man vielleicht auch dort Wohnbebauung möglich machen möchte.

Gegenwind kam von der SPD und der Fraktion Die Linke. Volker Seemann (SPD) sieht in dem Vorschlag einen Verhinderungsantrag. „Es ist fraglich, ob wir dort was entwickeln wollen. Eine Expansion der Stadt in dieser Dimension ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten“, so Seemann.

Norbert Möller soll nun prüfen, ob es unter Berücksichtigung der absehbaren Überarbeitung des Flächennutzungsplanes städtebauliche Hindernisse für eine Bebauung der entsprechenden Bereiche in Warenshof mit einer Legehennenanlage gibt oder geben könnte. Sollte dies so sein, dann muss Möller unverzüglich einen Aufstellungsbeschluss vorbereiten, der die städtebauliche Entwicklung sichert und in Folge dessen eine Veränderungssperre einrichten.

Landkreis wartet auf Entscheidung

Der Frage der AfD-Fraktion, wie er denn selbst zu dem Projekt stehe, wich Norbert Möller aus und verwies darauf, dass seine Privatmeinung im Entscheidungsprozess keine Rolle spiele. „Wir stehen im engen Austausch mit dem Landkreis, der nichts entscheiden wird, bevor wir nicht das Einvernehmen erteilt haben. Das ist noch nicht geschehen“, sagte Möller. Bisher fehlte ein Gutachten, das nun aber vorliegt.

Bauamtsleiter Ingo Dann positionierte sich eher kritisch, was eine Wohnbebauung auf oder neben der alten Eierfarm angeht. „Das schließe ich aus. Es ist zu weit entfernt“, sagte Dann. Das hörten auch die, die dort schon wohnen und erneut das Wort ergriffen, um ihre Sorgen vorzutragen. Große Hoffnungen wurden bei den Anwohnern nicht geweckt. Allerdings sind sie auch nicht mit Wut im Bauch nach Hause gegangen. „Wenigstens haben sie zugehört und versuchen, was zu machen“, hieß es von einer Anwohnerin.

Mit dem Protest stehen die Bürger aus Warenshof nicht alleine da. 713 Unterschriften von Warener Bürgern und 188 weitere von Menschen aus umliegenden Gemeinden haben sie gegen die Legehennenanlage gesammelt und dem Präsidenten der Warener Stadtvertretung, Rüdiger Prehn (Die Linke) dort übergeben, wo die Ställe hinkommen sollen. Auch in Vielist hat sich mit einer Bürgerinitiative Widerstand formiert. Wie berichtet, starteten Mitglieder eine Unterschriftenaktion gegen das Projekt und sammelten 165 Unterschriften.

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Kommentare (1)

seit wann können der Bürgermeister und deren Stadtvertreter über Flächen bestimmen, die der Stadt nicht mal gehören? In Warenshof ist doch ein Bauer ansässig, warum nicht auch noch ein Zweiter?