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Storchenflucht wird sogar amtlich geprüft

Ein Bild aus guten Tagen: Warum der Buchholzer Storch dem Dorf den Rücken gekehrt hat, das ist nicht geklärt. Ín der Kreisverwaltung wird das weiter untersucht.  FOTO: Petra Konermann

VonPetra KonermannEinen Kampf gewonnen und dennoch verloren: In Buchholz hatte sich ein Storchenpaar zunächst bei Horstkämpfen durchgesetzt, aber wenige ...

VonPetra Konermann

Einen Kampf gewonnen und dennoch verloren: In Buchholz hatte sich ein Storchenpaar zunächst bei Horstkämpfen durchgesetzt, aber wenige Wochen später trotzdem das Nest verlassen. Eine Untersuchung ist angelaufen.

Buchholz.Saftige Wiesen gleich vor der „Haustür“ sind es wohl vor allem, die Storchenpaare Jahr für Jahr – einige sagen sogar seit 70 Jahren – nach Buchholz ziehen. In diesem Frühjahr waren es gleich zwei Paare, so dass zunächst ein Kampf um den Horst mitten im Dorf entbrannte. Ein Paar, so hat es eine Nachbarin beobachtet, trug den Sieg davon um das offenbar beliebte Nest.
Das steht im Dorf direkt an der Hauptstraße. Vorbeifahrende Autos, Radler und Fußgänger sind die unter Naturschutz stehenden Vögel also gewöhnt. Trotzdem haben sich Herr und Frau Storch Ende vergangener Woche davon gemacht – und vielleicht sogar die Eier ihrem Schicksal überlassen.
„Es müssen besondere Umstände eingetreten sein“, ist sich Wilhelm Erichson, Storchenbeauftragter für den Altkreis Röbel, sicher. Denn ohne einen triftigen Grund würden Störche so nicht handeln. „Gerade in Buchholz haben wir durchgehend gute Brutpaare“, weiß Erichson, der seit fast 25 Jahren auch den Buchholzer Storchenhorst betreut.
Haidrun Pergande, Pressesprecherin des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, bestätigt, dass der Buchholzer „Fall“ in der Verwaltung bereits bekannt sei. „Wir prüfen das, es sind mehrere Ämter beteiligt“, sagte sie auf Nachfrage.Doch mehr als eine Woche nach der „Flucht“ hat bisher offenbar niemand, auch die Experten nicht, eine Antwort auf diese Frage. Wie Erichson erklärt, sei zumindest klar, dass das Buchholzer Paar bereits mit der Brut begonnen hatte.

Baugenehmigung
nur mit Auflagen erteilt
„Zu den Ursachen, warum die Störche Buchholz verlassen haben, können wir noch keine Aussage treffen“, so Pergande weiter. Zu einem möglichen Zusammenhang mit den Bauarbeiten neben dem Storchenhorst will sich die Kreisverwaltung nicht äußern. Nur soviel: „Die Baugenehmigung für das Haus neben dem Storchennest enthält in den Nebenbestimmungen die Auflage, dass in der Zeit vom 1.März bis zum 15.August keine Baumaßnahmen durchgeführt werden dürfen. Unbenommen davon ist jedoch nicht klar, warum die Störche das Nest verlassen haben“, heißt es schriftlich aus der Neubrandenburger Verwaltung.
Die Ursachen für so eine „Nestflucht“ können vielfältig sein, erklärt auch der Storchenbeauftragte Erichson. „Das kann ein Knall sein, das können grelle Farben sein. Es ist wirklich schwierig, das im Nachhinein zu klären“, bestätigt er. Erichson kümmert sich derzeit um 18 Brutpaare im Altkreis Röbel. Er weiß, dass das Zusammenleben von Mensch und geschütztem Vogel nicht immer einfach ist. So ließ Erichson sogar einen Storchenhorst umsetzen, weil ein Anwohner sich nicht mit den Vögeln anfreunden konnte und sich von Storchenkot auf Dach und Auto gestört fühlte.
Nichtsdestotrotz freut sich Wilhelm Erichson in diesem Jahr über vier neue Storchenpaare in dem von ihm betreuten Gebiet. Herr und Frau Storch haben sich in Ludorf, Lärz, Massow und Solzow neu niedergelassen. „Ob 2013 auch ein gutes Storchenjahr ist, das werden wir in ein paar Wochen wissen, wenn die Jungen geschlüpft sind“, meint der Fachmann.
In Buchholz wird das Verschwinden der Storchenpaares unterdessen bedauert. „Es ist wirklich schade, dass die Tiere weg sind. Sie waren ja so etwas wie ein Wahrzeichen für das Dorf“, meint Bürgermeister Norbert Gehl (parteilos). Er hofft nun, dass das Paar im nächsten Jahr zurückkehrt.
Storchenbetreuer Erichson macht den Buchholzern dahingehend auch ein wenig Mut: „Tiere handeln instinktiv. Es kann also durchaus sein, dass der Horst im nächsten Frühjahr wieder genutzt wird.“ Dass aber in diesem Jahr in Buchholz Störche schlüpfen, das hält er für ausgeschlossen.

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p.konermann@nordkurier.de