„NUR FÜR HAUSGÄSTE”

Streit um Privatstrand an der Müritz

Das gesamte Müritzufer ist für alle da? Mitnichten. In Sichtweite des Stadthafens gibt es am Maremüritz nun einen Privatstrand. War das schon immer so gewollt?
Schöner Ausblick auf den Warener Stadthafen und feiner Sand – aber nur für Gäste von Maremüritz.
Schöner Ausblick auf den Warener Stadthafen und feiner Sand – aber nur für Gäste von Maremüritz. Nadine Schuldt
An dieser Stelle habe es noch nie einen öffentlichen Strandbereich gegeben, argumentiert Warens Verwaltung.
An dieser Stelle habe es noch nie einen öffentlichen Strandbereich gegeben, argumentiert Warens Verwaltung. Nadine Schuldt
Waren.

„Liebe Gäste, der Zugang zum Strand ist für Maremüritz Hausgäste“ steht auf einem Schild am Müritzufer. Ein Satz, der die Wellen im Heilbad höher schlagen lässt. Denn dass das Yachthafenresort Maremüritz einen Privatstrand anlegt, zu dem die Einheimischen keinen Zugang haben, sei nie das Ergebnis der politischen Willensbildung gewesen, sagte Toralf Schnur, Vorsitzender der Fraktion FDP/MUG am Donnerstagabend im Warener Finanzausschuss.

Schnur verwies auf den Durchführungsvertrag, der zwischen der Stadt und der Betreibergesellschaft „12.18. Maremüritz Yachthafenresort und Spa“ geschlossen wurde. In dem Vertrag, der dem Nordkurier vorliegt, heißt es: „Die öffentliche Zugänglichkeit der Uferbereiche wird im gesamten Anlagengebiet gewährleistet.“ Eine Sperrung sei aus Sicht von Toralf Schnur deshalb nicht möglich und also unverzüglich zu beenden.

Aus unternehmerischer Sicht sei es vollkommen verständlich und nachvollziehbar, dass die Betreiber ein vorrangiges Interesse der Strand-Nutzung bei den eigenen Feriengästen sehen, sage Schnur. „Die Stadtvertretung hat aber im Zuge der Diskussionen deutlich gemacht, dass eine Sperrung der wasserseitigen Bereiche für die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist. Zu keinem Zeitpunkt gab es den erklärten Willen der Stadtvertretung etwaige Bereiche einer privaten Nutzung in Form eines Privatstrandes zuzuführen“, so Schnur weiter. Diesem Anliegen seien die Investoren ohne Widerspruch gefolgt, sie „haben ihr Einverständnis durch Unterschriftsleistung erklärt“, meint Toralf Schnur.

Verwaltung: Uferstück sollte kein Strand für alle werden

Im Rathaus wird der Sachverhalt allerdings anders bewertet. Alle Beteiligten seien nach Einschätzung der Verwaltung immer davon ausgegangen, dass unter öffentlicher Zugänglichkeit der Uferbereiche der öffentliche Wanderweg zu verstehen sei, der auch als solcher hergestellt wurde, heißt es in einem Statement der Verwaltung. Warens Bürgermeister Norbert Möller (SPD) will sich aufgrund der öffentliche Debatte Anfang kommender Woche dazu mit 12.18. verständigen und eine einvernehmliche Lösung anstreben.

Im Vorhaben- und Erschließungsplan für diesen Geltungsbereich sei für die nun diskutierte Fläche ein Strandbereich ausgewiesen. Dieser Plan sei in den Gremien der Stadtvertretung in den Jahren 2017 und 2018 beraten und beschlossen worden. Im Zuge dieser Beratungen habe es unter anderem auch Festlegungen zum Strandbereich gegeben. „Dieser war nicht für eine öffentliche Nutzung als Strand vorgesehen, was auch nicht erforderlich war, da es dort noch nie einen öffentlichen Strandbereich gab“, schreibt die Verwaltung.

Der Betreiber der Ferienanlage Maremüritz hat am Freitag nicht auf die Nordkurier-Anfrage zum Thema Privatstrand reagiert. Auf der Internetseite von Maremüritz wird mit dem Uferstück allerdings bereits geworben. Der Preisliste für Hotelgäste ist dort zu entnehmen, dass die Gäste für die Strandnutzung pro Tag 9 Euro zahlen, für einen Strandkorb 19 Euro.

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Kommentare (5)

Oha, das sind ja gepfefferte Preise! Ich hab mir bislang noch keine näheren Infos über das Maremüritz zu Gemüte geführt, aber die Preise für die Strandnutzung durch die Hausgäste und die Strandkorbmiete sind ja schon unverschämt! An der Ostsee kann ich den Strand kostenlos nutzen und der Strandkorb kostet 10,00 EUR/Tag in diesem Jahr (eben die Preise für Heringsdorf gegoogelt). Das scheint wohl eine Anlage zu sein, die nur auf Gäste aus den oberen Zehntausend ausgerichtet ist. Das ist den Herrschaften dann natürlich nicht zuzumuten, dass man sich den Strand womöglich mit dem gemeinen Volk teilen muss!

Das kann doch nicht allen Ernstes sein, dass so eine wesentlich Frage, ob der Strand (und nicht nur der offenbar über das Grundstück führende Wanderweg) öffentlich zugänglich sein soll, im Rahmen der Verhandlungen mit dem Investor nicht klar und eindeutig besprochen und geregelt worden sein soll?! In Anbetracht des Wortlautes des Vertrages kann man die Interpretation der Stadtverwaltung aus meiner Sicht wirklich nur als reichlich hanebüchen bezeichnen!

... Verträge sind eben nicht öffentlich und da bleibt dann viel Spielraum für Spekulationen. Da wäre es an der Zeit, dass die Verwaltung dies öffentlich macht. So kann sich dann auch der gemeine Bürger eine Meinung bilden. Ansonsten bleibt Aussage gegen Aussage. Das wäre in der Sache dann nicht hilfreich. Ich glaube aber nicht daran, das die Stadt Transparenz lebt.

Schade, dass der Autor nicht alle Quellen auf der Internetseite von maremüritz gesichtet hat. Es gibt auch ein Gäste A-Z zum Download, darin heißt es zum Strand: "Nehmen Sie ein Sonnenbad oder genießen Sie das klare Wasser beim Schwimmen an unseren öffentlichen Müritz-Strand, welcher sich hinter dem Zentralgebäude erstreckt."
Interessant, wie widersprüchlich die Betreiber hier informieren. Da hat die Stadt durchaus Möglichkeiten zum verhandeln, wenn nicht sogar die besseren Karten (siehe Durchführungsvertrag).
Außerdem wäre es mal interessant, nochmal zu recherchieren, welche Rechte und Pflichten zur Nutzung durch den Pachtvertrag für das betreffende Uferflurstück bestehen (das mit ziemlicher SIcherheit der Bundeswasserstraßenverwaltung gehört). Auch da gibt es evtl. aufzudeckende Widersprüche (siehe Absatz zur Pacht unter https://www.wir-sind-mueritzer.de/allgemein/statement-der-marmueritz-betreiber/#more-164706).

... Online-Ausgabe der "www. wir-sind-Mueritzer.de" wird das Verhalten der Stadt Waren kontrovers diskutiert. Leider ist es so, das wenn sich einige wenige daneben benehmen, immer alle mit eine "Kollektivstrafe" überzogen werden.
Für mich stellt sich die Frage, ob die Verwaltung der Stadt Waren überhaupt befugt war einen derartigen Vertag auszuhandeln?
Ich meine nicht. Warum? Weil in der Verfassung des Landes Mecklenburg Vorpommern folgendes steht:

" Artikel 12 Absatz 2 ----- Land, Gemeinden und Kreise schützen und pflegen die Landschaft mit ihren Naturschönheiten, Wäldern, Fluren
und Alleen, die Binnengewässer und die Küste mit den Haff- und Boddengewässern. Der freie Zugang zu ihnen wird gewährleistet."

Da die Müritz ein Binnengewässer ist, darf der freie und ungehinderte Zugang für Jedermann nicht eingeschränkt werden.
Ich sehe in dem Vorgang der Verwaltung der Stadt Waren aber auch noch einen Rechtsverstoß.
Da bleibt zu hoffen, dass die Vertreter der Bürgerschaft in der Stadt nochmals Druck machen.

... verstößt der Vertrag gegen höherrangiges Recht.