Rafael Haffke segelt mit Vorliebe über die Müritz – auch im Winter, weil er die Herausforderung liebt.
Rafael Haffke segelt mit Vorliebe über die Müritz – auch im Winter, weil er die Herausforderung liebt. Miriam Brümmer
Bombenentschärfung Rechlin: Die Bombe muss ganz vorsichtig transportiert werden.
Bombenentschärfung Rechlin: Die Bombe muss ganz vorsichtig transportiert werden. ZVG
Evakuierung

Sturm und Bombenentschärfung – Segler in Sicherheit gebracht

Polizei und Hafenmeister kontrollierten das Evakuierungsgelände in Rechlin an der Müritz gründlich. Zum Glück, denn ein Segler hätte sonst verschlafen.
Rechlin

Von Polizei und Hafenmeister geweckt zu werden, das hat Rafael Haffke bisher nicht erlebt, seit er vor vier Jahren in Rechlin Nord einen Ganzjahresliegeplatz für sein Boot gepachtet hat. Er bezeichnet sich selbst als Schlechtwetter-Segler und ist auch im Winter auf dem Wasser, weil er die Herausforderung liebe. Meist segelt er allein auf der Müritz.

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Ist das Wetter zu schlecht, geht es zurück

Zwei Mal im Jahr kommt seine Frau mit. Wenn das Wetter allerdings zu schlecht wird, dann streicht er die Segel – so wie am Mittwoch: „Da musste ich in den Hafen und habe dort übernachtet. Um sieben Uhr hat es an mein Boot geklopft“, erinnerte sich der aus Rheda-Wiedenbrück bei Gütersloh stammende Mann. Der Hafenmeister forderte ihn auf, das Gelände wegen der Bombenentschärfung zu verlassen.

Kurz darauf kam die Wasserschutzpolizei gleich mit zwei Booten in den Hafen und hat ihn ebenfalls auf die Bombenentschärfung hingewiesen. „Ich kam ja gerade erst aus der Koje“, also hieß es, fix anziehen, runter vom Boot und ab in die Turnhalle – für die nächsten etwa acht Stunden. Dort fand er unter den Einheimischen ebenfalls begeisterte Wassersportler, mit denen er über die Müritz plauderte. Die sei nach seiner Ansicht vor allem wegen des Wetters interessant und ein anspruchsvolles Segelrevier. In einem waren sich alle einig: Unterschätzen darf man Deutschlands größten Binnensee nicht. „Im Sommer gibt es Windablösungen, die können einem vier oder fünf Windstärken bescheren“, das bedeute Sturm innerhalb einer halben Stunde. Wer darauf nicht vorbereitet sei, könne untergehen.

Andere Segler erzählen von ihren Erfahrungen

„Windablösungen sind große Thermikblasen, die aufsteigen und durch kalte Winde ersetzt werden“, erläuterte Rafael Haffke, der noch dazu Segelflieger ist. „In solchen Situationen kommt man nicht von der Müritz runter“, bestätigte eine ältere Frau, die seit 63 Jahren in Rechlin lebt. Mit ihrem Mann hatte sie einst genau so eine Situation erlebt. Bei schönem Wetter fuhren sie auf das Wasser. Kurz darauf änderte sich alles und sie hatten Schwierigkeiten, wieder zu ihrem Liegeplatz zu gelangen.

Etwa dreißig Personen warteten auf die Entwarnung nach Bombenentschärfung und -sprengung auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehrdepots in Rechlin Nord. Zur Bombe, die entschärft werden sollte, kam am frühen Morgen eine weitere hinzu. Die wurde etwa 45 Zentimeter unter einer sonst bewirtschafteten Ackerfläche gefunden.

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Weil sie einen Langzeitzünder besaß, der noch immer jederzeit losgehen konnte, musste sie so schnell wie möglich gesprengt werden. Weil notwendige Spezialtechnik von der Landesfeuerwehrschule aus Malchow und Wassersäcke zum Abschwächen der Sprengladung aus Hagenow angefordert werden mussten, fand die Sprengung erst am Nachmittag kurz nach 15 Uhr statt.

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