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Auf und Ab einer Beziehung: Wenige Stunden vor und rund einen Monat nach der Tat, die jetzt vor dem Warener Amtsgericht verhandelt wurde, hatten Angeklagter und Opfer nach übereinstimmenden Aussagen einvernehmlichen Sex miteinander. Jens Kalaene
Aus dem Amtsgericht

Suchtkranker Sextäter erhält Bewährungsstrafe

Kaum drei Monate aus der Haft entlassen, muss ein Warener erneut vor Gericht. Unter anderem wegen sexueller Nötigung. Doch er will sich bessern, versicherte er.
Waren

Erst Entgiftung, dann Arbeit und später vielleicht eine Familie. Der 35-jährige Lukas L. (Name geändert), der jüngst auf der Anklagebank des Warener Amtsgerichtes saß, nimmt sich in seiner Zukunft viel vor. Vor Gericht wurde er aber zunächst mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Der Blick zurück reicht bis zum 19. Januar 2019. Der Tag, an dem der gebürtige Warener seine Ex-Freundin vergewaltigt haben soll. Zweimal hintereinander. In der Gegenwart waren Schamgefühle und Entschuldigungsdrang offenbar groß – zur Tatzeit aber hemmten Alkohol und Verlangen offensichtlich die Kontrolle über sich selbst.

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Auf und Ab in der Beziehung

Dass Lukas L. seine Ex-Freundin zum Geschlechtsverkehr gedrängt haben soll, räumte er schuldbewusst ein. Auch wenn er auf viele Detailfragen seitens des Gerichtes nur mit Verweis auf Erinnerungslücken reagierte. Der 35-Jährige führte mit seinem späteren Opfer nach eigenen Angaben eine On-Off-Beziehung, die 2016 ihren Anfang nahm. Zwischendurch trennten sich die Wege des 35-Jährigen und seiner 42 Jahre alten Freundin immer wieder. Zum Tatzeitpunkt schließlich wurde die Wohnung eines Bekannten auf dem Papenberg zum Tatort. Der Ort, an dem das Paar wenige Stunden vor der Tat noch einvernehmlichen Kontakt hatte.

Zeugin schildert sexuelle Übergriffe

Als Lukas L. schließlich nach einem „Dreier“ mit dem Wohnungsinhaber gefragt haben soll, winkte der potenzielle Dritte im Bunde gleich ab. Mit seiner Freundin ging der alkoholkranke Mann dann ins Schlafzimmer. Zu diesem Zeitpunkt fühlte sie sich durch seine vorangehenden Handlungen bereits eingeschüchtert, schilderte die Warenerin vor Gericht.

Am Oberarm habe er sie vom Sofa hochgezogen. Ins Schlafzimmer ging sie dann selbst. Im Bett habe sie von ihm schließlich die Anweisung erhalten, still zu sein. „Ich durfte nicht schreien“, sagte die Mutter vor Gericht. Hätte sie sich bemerkbar gemacht, wäre doch aber der Mieter der Wohnung auf ihre Lage aufmerksam geworden, wurde sie vor Gericht gefragt. Sie habe die sexuellen Übergriffe erduldet, um den Mieter vor möglichen Gewaltattacken zu schützen, antwortete die Frau und erzählte vor Gericht, dass sie zunächst nicht schrie, aber weinte. Neben einem verspäteten „Ich will das nicht“ habe sie auch körperliche Gegenwehr geleistet, sagte die Warenerin – allerdings vergeblich.

Rechtsmediziner skeptisch

In Sachen Gegenwehr kam der Rechtsmediziner jedoch zu einer anderen Einschätzung. Trotz vorhandener Hämatome, die theoretisch durch die geschilderten Situationen hätten entstehen können, „hätte eine intensive Gegenwehr andere Spuren erwarten lassen“, urteilte er.

Nach der Tat folgten Handy-Nachrichten. Darin entschuldigte sich der Angeklagte bei seiner einstigen Lebensgefährtin. Er sprach von großer Liebe – sie wünschte einen Kontaktabbruch. Für immer. Doch schon rund vier Wochen nach der Tat fand das laut Gutachten psychisch instabile Paar für sexuelle Kontakte wieder zueinander. Die Bekanntschaft war ein Auf und Ab. Sein besitzergreifendes Wesen, kombiniert mit Alkohol, brachte den 35-Jährigen immer wieder in Probleme. So soll er seiner Liebschaft vor rasender Eifersucht Gewalt angetan haben.

Frau verkriecht sich unter dem Tisch

Das Leben des Beschuldigten drehte sich offenbar vorwiegend um Alkohol. War der Promillepegel hoch, wurde er offensichtlich zur Gefahr für seine Umgebung, wie Aussagen vor Gericht nahelegen. Eine 44-jährige Frau musste das erleben. Als er bei ihr baggerte, sie aber Sex ablehnte, schlug er ihr ein blaues Auge. Die Frau verkroch sich unter dem Tisch – und Lukas L. setzte noch eines drauf: Mit Messer in der Hand soll er ihr und ihrem Umfeld gedroht haben.

Wegen Körperverletzung in Haft

Sein Bundeszentralregister weist nach Angaben vor Gericht 14 Eintragungen auf. Zuletzt musste er wegen Körperverletzung anderthalb Jahre ins Gefängnis. Dort trank er nicht mehr und schaffte seinen Hauptschulabschluss. Auch kurz vor dem Prozess zeigte er guten Willen, sich dauerhaft zu bessern. Er kümmerte sich eigenständig um eine Suchteinrichtung. „Ich will keinen mehr gefährden“, begründete er. Der Leiter des Müritzer Hauses bestätigte, dass er dort sich seit knapp einem Monat von seiner guten Seite zeige.

Vom Schöffengericht zurück zur Therapie

Dass Lukas L. aber durchaus fähig ist, Regeln zu brechen, bewies er in der Vergangenheit mehrfach. Nicht nur, indem er Kontaktverboten zu seiner Ex nicht nachkam, sondern auch, indem er ein Hausverbot für die Plattenbauten auf dem Papenberg ignorierte. „Das war ja nur Papier“, so der Angeklagte.

Auf Papier steht nun auch das Urteil des Schöffengerichtes: ein Jahr und vier Monate, ausgesetzt zur Bewährung. Gänzlich frei kann er sich aber vorerst nicht bewegen. Er bleibt in der Müritzer Suchteinrichtung. „Spätestens während des Geschlechtsverkehrs hätten Sie erkennen müssen, dass sie nicht wollte“, begründete Richterin Alexandra Sprigode-Schwencke den Urteilsspruch. Dass Lukas L. nicht erneut hinter Gitter muss, liege an den „Übertreibungstendenzen“ des Opfers und an einer positiven Sozialprognose für den Warener.

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