Wer wer ist, weiß niemand und es spielt auch keine Rolle. Denn egal ob Urlauber, Einheimische, Tafelnutzer, Helfer, Spon
Wer wer ist, weiß niemand und es spielt auch keine Rolle. Denn egal ob Urlauber, Einheimische, Tafelnutzer, Helfer, Sponsoren oder Politiker, alle sitzen gemeinsam auf Augenhöhe an den langen Tischen mitten auf dem Markt (Archivbild). NK/Archiv
Nach Corona-Pause

Tafel lädt in Waren zum gemeinsamen Tafeln ein

Die Zahl der Nutzer steigt, die Spendenbereitschaft sinkt – da kommt die Aktion auf dem Warener Marktplatz für die Helfer gerade recht.
Waren

Lange hat es sie nicht gegeben, die Lange Tafel der Warener Tafel (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). Doch nun soll diese Veranstaltung zurückkehren, wie Tafel-Chef André Rath dem Nordkurier sagt, und zwar am 3. August ab 11 Uhr„Wir möchten mit unseren Tafelnutzern, den Bürgern der Stadt, sowie deren Gästen an der Langen Tafel gemeinsam speisen, um die Tafelidee vorzustellen und zu leben“, sagt Einrichtungsleiter André Rath von der Diakonie Mecklenburgische Seenplatte .

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Thema Armut in den Mittelpunkt geholt

Mit der Langen Tafel auf dem Neuen Markt soll das Thema Armut in die Mitte der Stadt geholt werden, wo es Aufmerksamkeit bekommt. Politiker, Helfer, Tafelnutzer, Urlauber und Einheimische sitzen dabei nebeneinander, auf Augenhöhe, und kommen miteinander ins Gespräch. Das ist wichtig, denn die Tafelarbeit ist eine Arbeit, die im Stillen stattfindet. Ohne die es vielen Leuten rund um die Müritz aber sehr schlecht gehen würde. Denn wer zur Tafel geht, für den reicht es hinten und vorne nicht, wie André Rath sagt. „Für einige ist es ein Hilfsangebot, das sie nur für eine kurze Zeit nutzen, bis sich die finanzielle Situation verbessert hat. Wir haben aber auch viele Leute, die schon sehr lange zu uns kommen“, sagt Rath.

Der Krieg in der Ukraine ist auch bei der Warener Tafel zu spüren. So habe das Müritzer Tafelangebot zuletzt deutlich mehr Zulauf durch Geflüchtete aus der Ukraine bekommen. „Aktuell versorgen wir wöchentlich etwa 600 bis 700 Bedürftige in der Müritzregion“, sagt André Rath.

Kühlfahrzeug ist für die Helfer ein Lichtblick

Wie sich die Preissteigerungen bei Benzin, Heizkosten und Lebensmitteln auf den Zulauf von Bedürftigen auswirken werden, sei derzeit noch nicht abschätzbar. Was sich zudem zeige, sei eine geringere Spendenbereitschaft. „Sowohl Lebensmittel als auch Geldspenden sind zurückgegangen“, sagt André Rath. Möglicherweise eine Reaktion auf die Preissteigerungen bei Benzin, Heizkosten und Lebensmitteln.

Ein Lichtblick in diesen schwierigen Zeiten ist das neue Kühlfahrzeug, ein Citroen Jumper, der kürzlich an die Einrichtung übergeben wurde. Finanziert werden konnte das Fahrzeug aus Mitteln der Spendenaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ und vom Träger, der Diakonie. „Es ersetzt ein anderes Fahrzeug, das schon über 500  000 Kilometer gefahren ist“, erklärt Rath. Die Warener Tafel hat insgesamt fünf Fahrzeuge, davon drei Kühltransporter, die insgesamt mehr als 100  000 Kilometer im Jahr fahren. Malchow, Penzlin, Möllenhagen, Röbel, Rechlin – überall an der Müritz gibt es Lebensmittelausgabestellen.

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„Wir wollen Leuten helfen und nicht Politik machen”

Dorthin kommen ganz unterschiedliche Menschen. Dass eine bestimmte Personengruppe dabei zugenommen habe, könne André Rath nicht beobachten. Es sind alleinerziehende Mütter, Rentner, Hartz IV-Empfänger und eben auch Geflüchtete. Unterschieden wird nicht. „Wir wollen Leuten helfen und nicht Politik machen. Aber da, wo wenig ist, kommt es auch schnell zu Konflikten und Streit“, sagt André Rath.

Die Bedürftigen können auch nicht zu wählerisch sein, denn sie bekommen nur das, was der Handel aussortiert und dafür müssen André Rath und sein Team zum Teil weite Wege bis nach Magdeburg zu zentralen Lebensmittel-Sammelstationen zurücklegen. Denn die Supermärkte kalkulieren ganz genau und versuchen, immer weniger Überschuss zu haben.

Spenden und ehrenamtliche Helfer

„Verteilen statt vernichten“, ist die Devise der Tafel und das kann nur funktionieren mit Spendengeldern und vielen ehrenamtlichen Helfern. „Ohne die geht es nicht und die sind auch nicht so leicht zu finden, denn wir brauchen Leute, die uns verbindlich und dauerhaft unterstützen“, sagt André Rath. Vielleicht findet sich ja einer am 3. August bei der Langen Tafel.

Sehr viele Bedürftige nahmen in der Vergangenheit immer an der Veranstaltung teil. Es spricht sich schnell herum und an den Verteilstationen hängen Plakate. „Schamgefühl gibt es dabei nicht, denn es weiß ja auch keiner, wer wer ist“, sagt André Rath. Wie viel Geld die Leute für das Essen und Trinken in die Spendenboxen werfen, das sei sehr unterschiedlich. In den vergangenen Jahren kamen aber meist um die 3000 Euro zusammen. Das hilft bei der Finanzierung der Tafel. Aber natürlich geht es auch um die Symbolik, dass man das Thema Armut weg vom Rand der Gesellschaft und hin in die Mitte der Stadt holt, wo es hingehört.

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