Die Proteste gehen weiter: Freitagfrüh gegen 4.30 Uhr starten Müritzer Landwirte ihren Treckerkorso nach Schwerin un
Die Proteste gehen weiter: Freitagfrüh gegen 4.30 Uhr starten Müritzer Landwirte ihren Treckerkorso nach Schwerin und werden über die B 198 in Richtung Plau am See fahren. Susann Salzmann
Das war bei einer früheren Demo, doch Freitagfrüh gegen 4.30 Uhr starten Müritzer Landwirte wieder einen Trecke
Das war bei einer früheren Demo, doch Freitagfrüh gegen 4.30 Uhr starten Müritzer Landwirte wieder einen Treckerkorso nach Schwerin und werden über die B198 in Richtung Plau am See fahren. Susann Salzmann
Bauernproteste

Treckerkorso! Müritzer Bauern kämpfen um ihre Existenz

Die Proteste der Landwirte gehen weiter. Freitagfrüh brechen einige von ihnen von Dambeck in Richtung Schwerin auf. Denn sie fürchten um ihre Betriebe und wollen etwas tun.
Amt Röbel

Martin Hemken ist Landwirt aus Leidenschaft. Er trat in die Fußstapfen seines Vaters und bangt nun um den ökologischen Mutterkuhbetrieb in Knüppeldamm. Grund dafür ist der Entwurf der neuen Dünge-Landesverordnung. Sie treibt die Bauern abermals auf die Straße – auch die Müritzer. Unverständlich für den jungen Mann: Sollte der Anteil an roten Gebieten – das sind besonders nitratbelastete Bereiche – zunächst 13 Prozent der Landwirtschaftsflächen betragen, sollen es nach den Vorstellungen des Landesentwurfes nun knapp 50 Prozent sein. Eine Tatsache, die Bauern nicht mehr zuzumuten sei, sagt er. Ebenso wie der über Jahre gestiegene Bürokratieaufwand.

Lesen Sie auch: Das treibt diesen Landwirt zur Traktor-Demo

Verkehrsbehinderungen zu erwarten

Am Freitag gegen 4.30 Uhr wollen sich Hemken und weitere Landwirte aus der Müritzregion ins rund 62 Kilometer entfernte Schwerin aufmachen. Die Müritzer Landwirte starten von Dambeck, folgen dann der B 198 in Richtung Plau und fahren weiter nach Goldberg als Zwischenziel, wo sie sich dem Treckerkorso aus Vorpommern anschließen werden. Autofahrer müssen sich auf Verkehrsbehinderungen einstellen.

Den Teilnehmern des Treckerkorsos geht es um effektiven Schutz des Grundwassers einerseits, aber sie wollen andererseits mit dem gemeinsamen Protest von Landwirten aus ganz MV ein Zeichen gegen willkürliche Sanktionen und ausufernde Vorschriften sowie für Respekt und Wertschätzung ihres Berufsstandes setzen.

Unfaire Vorschriften für Düngemittel?

In der besonderen Kritik steht die Dünge-Landesverordnung. Danach sollen 46 Prozent der Landwirtschaftsflächen als rote Gebiete ausgewiesen werden. Jan-Hendrik Rust, Vorsitzender des Müritzer Bauernverbandes, empfindet das als Ungerechtigkeit. Unfair ist nach seiner Einschätzung eine Düngemittelreduzierung in Gebieten, in denen der sogenannte Grundwasserkörper nicht an allen, sondern etwa nur an einer Messstelle erhöhte Nitratwerte „ausspucke“. An einem Beispiel erklärt er die Entrüstung der Landwirte: „Wenn auf 10 000 Hektar eine von zehn Messstellen zu hohe Werte hat, galt das rote Gebiet bisher für den Bereich um die eine Messstelle herum, aber nicht pauschal für den gesamten Grundwasserkörper“, so Rust. Nun sei das anders. Für eine stärkere Binnendifferenzierung haben sich die Landwirte immer stark gemacht, meint er. Das tun sie auch weiterhin. In der Landespolitik habe diese Forderung aber offenbar wenig Echo gefunden.

Ernteeinbußen befürchtet

Rust selbst fürchtet durch die geplanten Neuerungen Ertrags- und Qualitätseinbußen. Landwirte befürchten durch den geringeren Düngegrad Ernteeinbußen von 20 Prozent, gegebenenfalls mehr. „Wahrscheinlich werden wir dann keinen oder nur wenig Brotweizen mehr erzeugen können“, so der Vorsitzende weiter. Mit dieser Meinung steht der Landwirt übrigens längst nicht alleine da. Das Getreide benötige Proteine. Ist ein bestimmter Prozentsatz beim Protein im Getreide nicht erreicht, sei der Weizen minderer Qualität und könne lediglich als Futterweizen verarbeitet werden.

zur Homepage