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Untiefen im Millionen-Hafen

Es wird gebaggert, gebuddelt und  gerüttelt – der Umbau des Warener Hafens ist ein Mammutprojekt. Neben allen handwerklichen Arbeiten gibt es noch ein weiteres Betätigungsfeld – die Gerüchteküche: In der brodelt es gewaltig – von rund 700 000 Euro Mehrkosten ist die Rede.

In den Untiefen des Warener Hafens warten wohl noch jede Menge Probleme auf die Stadt.
Carsten Büttner In den Untiefen des Warener Hafens warten wohl noch jede Menge Probleme auf die Stadt.

Fakt ist, dass laut offizieller Aussage aus dem Rathaus, aktuell 1,62 Millionen Euro verbaut sind. Fakt ist auch, dass erst 23 von insgesamt 160 Pfählen in die Untiefen der Müritz gerammt worden sind. Ein weiterer Fakt ist, dass die Arbeiten mit rund zweieinhalb Wochen im Verzug sind.

Der Grund liegt auf dem Grund der Müritz: Die Pfähle, die bis zu 40 Meter tief in die Erde gerüttelt werden müssen, um der späteren neuen – 700 Meter langen – Mole, Halt zu geben, verursachen Komplikationen. Konkret: Pfähle, die schräg im Boden der Müritz verankert werden müssen, machen Sorgen. „Der Nachweis, dass die Pfähle auch über genügend Standsicherung verfügen, erweist sich als schwierig“, erklärt in dem Zusammenhang Steffi Schabbel, Pressesprecherin der Stadt Waren.

Die Fischer hatten's ja gesagt

Zur Erinnerung: Bereits beim ersten Rammschlag am 9. Februar diesen Jahres hatte der verantwortliche Architekt von einer echten Herausforderung gesprochen. Dieses Bauwerk ist keine Regellösung, sondern ein Unikat, hatte Wolfgang Horn von der Firma plan4 in Neubrandenburg betont. Laut ursprünglicher Planung sollen alle Pfähle bis Ende des Jahres in die Müritz eingegraben sein. Ob das zeitlich zu realisieren ist?

Erfahrene Kapitäne und Fischer, die seit Jahrzehnten auf der Müritz zu Hause sind und jeden Wellenschlag und jeden Quadratzentimeter von Deutschlands größtem Binnensee kennen, hatten bereits im Vorfeld des Millionen-Projektes gewarnt – „wurden aber nicht gehört“, wie Wolf-Dieter Schott von der Warener Schifffahrtgesellschaft sagt. „Wir wissen, wie schwierig der Untergrund der Müritz ist. Da gibt es immer Unwägbarkeiten, mit denen du im Vorfeld nicht rechnest.“

Ein offenes Geheimnis liegt auf dem Müritz-Grund

Unabhängig davon: „Die nach dem Umbau des Hafens beabsichtigte Verlagerung der Fahrgastschiffe in Richtung Steinmole ist totaler Blödsinn. Nur weil hier zehn Sportboote pro Sommer mehr kommen, müssen wir den Hafen räumen“, nimmt es der seit 35 Jahren aktive Kapitän mittlerweile mit einer Mischung aus Sarkasmus und Humor. In der Hafenszene ist es scheinbar ein offenes Geheimnis, dass die schwierigen Gründungsverhältnisse zu Bauverzögerungen – und wohl auch zu Kostensteigerungen geführt hätten. Acht Prozent Mehrkosten beim 8,5-Millionen-Projekt – also rund 700 000 Euro – machen die Runde.

Von der Stadt selbst gab es am Freitagmittag zu vermeintlichen Mehrkosten keine Auskunft mehr – Feierabend, Wochenende.