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Mord oder Totschlag?

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Urteil im Prozess um erschossene Anwältin soll am Dienstag fallen

Der 80-Jährige hat die Tat gestanden. Die Frage ist, wie das Landgericht sie bewertet.
Der 80-Jährige hat die Tat gestanden. Die Frage ist, wie das Landgericht sie bewertet.
Carina Göls

Bevor der Richter das Urteil spricht, stehen nicht nur die Plädoyers an. Die Angehörigen der erschossenen Anwältin müssen sich auch mit dem Täter über Geld einigen.

Am heutigen Dienstag soll das Urteil gegen den 80-jährigen Siegfried B. aus Waren fallen. Der Rentner hat gestanden, eine 67-jährige Rechtsanwältin in deren Warener Kanzlei am 1. Februar erschossen zu haben. Im vorangegangenen Streit ging es um eine Summe von etwa 94 000 Euro, die die Anwältin beziehungsweise deren Ehemann dem Angeklagten schuldeten. Trotz eines Gerichtsurteils von 2014 hatten sie das Geld noch nicht zurückgezahlt. Der Streit dauerte insgesamt 19 Jahre.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Senior Mord aus Heimtücke vor. Dem 80-Jährigen droht eine Verurteilung wegen Mordes mit lebenslänglicher Freiheitsstrafe oder eine mehrjährige Haftstrafe wegen Totschlags.

Vor dem Urteil werden heute nicht nur die Plädoyers der Anklage und der Verteidigung erwartet. Thema ist auch eine zivilrechtliche Auseinandersetzung. Dabei geht es einerseits um Entschädigungen für die Angehörigen des Opfers, andererseits aber auch um die Schuldenrückzahlungen an den Angeklagten. Darauf bestand er während des letzten Prozesstermins nach wie vor und verlangte sie nun von den Hinterbliebenen der Toten.