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Revision beantragt

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Urteil zu erschossener Anwältin wird vom BGH überprüft

Der 80-jährige Siegfried B. ist derzeit ältester Häftling von MV.
Der 80-jährige Siegfried B. ist derzeit ältester Häftling von MV.
Bernd Wüstneck

Der Rechtsanwalt des verurteilten 80-jährigen Wareners hat Revision eingelegt. Ob damit der Prozess am Landgericht Neubrandenburg in eine neue Runde geht, ist aber noch unklar.

Der Prozess um die am 1. Februar erschossene Anwältin aus Waren ist noch nicht beendet. Matthias Koch, Rechtsanwalt des 80-jährigen Siegfried B. aus Waren, der in der Vorwoche wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und acht Monaten verurteilt wurde, hat kurz vor Ablauf der Rechtsmittelfrist die Revision beantragt. Das teilte Patrick Schwantes vom Landgericht Neubrandenburg auf Nachfrage mit.

Eine Begründung für seinen Antrag auf Revision hat Rechtsanwalt Koch noch nicht geliefert. Das muss er auch nicht, sagt Schwantes. Dafür hat Koch noch vier Wochen Zeit, nachdem die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt. Ob es dann wirklich zu einer Neuverhandlung des Falles am Landgericht kommt, ist noch unklar. Der BGH kann die Revision auch zurückweisen, wenn es das Urteil für fehlerfrei hält.

Verteidigung wollte nur drei Jahre und sechs Monate Haft

Staatsanwaltschaft und Nebenkläger, also die Angehörigen des Opfers, haben auf die Revision verzichtet. Dabei blieben die Richter mit ihrem Urteil unter dem Strafmaß von acht Jahren und sechs Monaten, das die Staatsanwaltschaft verlangt hatte. Die Verteidigung hingegen hatte auf Totschlag in einem minder schweren Fall plädiert und nur drei Jahre und sechs Monate Haft gefordert.

Gegenüber dem Nordkurier sagte der Bremer Anwalt Matthias Koch am Mittwoch, dass er das Urteil anfechte, weil er das Strafmaß für zu hoch halte. Er werde gegenüber dem BGH darlegen, dass im Gegensatz zur Auffassung des Landgerichts Neubrandenburg hier nur ein minderschwerer Fall des Totschlags vorliege, denn sein Mandant sei zum Tatzeitpunkt vermindert schuldfähig gewesen.  Unter diesen Umständen hätte das Landgericht einen anderen, geringeren Strafrahmen anwenden müssen, sagte er.

Der 80-jährige Warener hat mittlerweile seine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Bützow angetreten. Er gilt als der zurzeit älteste Insasse einer JVA in MV.