STRAßENVERKEHR

Viele Fahrradunfälle bleiben unbemerkt

Eine Menge Radunfälle in Waren ließen sich wohl verhindern. Aber um Gefahrenstellen zu erkennen, braucht die Verwaltung auch Hinweise, wo es für Fahrradfahrer gefährlich ist.
Ingmar Nehls Ingmar Nehls
Auf dem Fahrradweg am Warener Kietz ist immer viel los und gegenseitige Rücksichtsnahme gefragt. Auch hier knallt es manchmal, obwohl die Trasse recht breit ist.
Auf dem Fahrradweg am Warener Kietz ist immer viel los und gegenseitige Rücksichtsnahme gefragt. Auch hier knallt es manchmal, obwohl die Trasse recht breit ist. Ingmar Nehls
Waren.

Die gute Nachricht: Nach Informationen der Stadtverwaltung gibt es keine Schwerpunkte für Fahrradunfälle in Waren. Und die schlechte Nachricht: Es gibt keine Schwerpunkte und so kann man auf Seiten der Behörde auch nur bedingt die Situation verbessern.

Dass der Bericht über Fahrradunfälle kürzlich auf der Tagesordnung im Umweltausschuss der Stadt stand, unmittelbar nachdem sich mehrere Fahrradunfälle mit Kindern in Waren ereigneten, sei ein Zufall, sagt Holger Jantz von der örtlichen Verkehrsbehörde. Die Ausschussmitglieder hätten die Statistik schon länger angefragt.

Zahlen nur bedingt aussagekräftig

Nach Angaben von Holger Jantz ereigneten sich im vergangenen Jahr 37 Unfälle mit Fahrradfahrern im Warener Stadtgebiet. Bei 739 Verkehrsunfällen insgesamt machen die Fahrradunfälle also fünf Prozent aus. In 24 Fällen waren die Fahrradfahrer am Unfall nur beteiligt, 13 Mal waren sie Verursacher.

Ein Trend ist aus dieser Statistik nicht ablesbar, weil die Zahl der Unfälle im Betrachtungszeitraum der vergangenen fünf Jahre sich weder linear nach oben noch nach unten entwickelt haben. So gab es 31 Radunfälle im Jahr 2013, 2014 waren es 35, 2015 ereigneten sich 49 Unfälle und ein Jahr darauf waren es 45.

Die Zahlen sind allerdings nur bedingt aussagekräftig, denn die Verwaltung kann sich in ihrer Analyse nur auf die Zahlen stützen, die sie von der Polizei bekommt. Fahrradunfälle, die der Polizei nicht gemeldet werden, landen nicht in der Statistik. Das verfälscht die Zahlen und es verhindert auch, die Problematik an der Unfallstelle zu entschärfen.

Oft werden nur Unfälle mit Autos gemeldet

Ein Beispiel war der Poller auf dem Radweg beim Volksbad in Höhe der Gaststätte. Bei Fahrradgruppen kam es vor, dass ein hinterer Fahrer den Poller übersah. So ereigneten sich mehrere Stürze, bevor der Bademeister auf das Problem aufmerksam wurde, und die Verwaltung informierte. Jetzt weist ein Schild auf den Poller hin.

Holger Jantz kann mehrere solcher Beispiele aufzählen. So gab es in der Specker Straße um einen Baum herum Pflaster mit großen Fugen. Gut für den Boden, aber schlecht für Rennradreifen. „Anwohner haben uns informiert, dass es mehrere Stürze gab und so haben wir die Stelle baulich verändert“, sagt Jantz. Selbst wenn sich ein Fahrradfahrer schwer verletzt und ins Krankenhaus geliefert wird, kann es sein, dass der Unfall nicht in die Statistik einfließt, weil es keine Meldepflicht bei der Polizei gibt.

Gemeldet werden meist Unfälle zwischen Fahrradfahrern und Autofahrern, wenn ein Sachschaden am Auto entstanden ist, damit die Versicherung einspringen kann. Unfälle ohne Sachschäden an fremden Eigentum hingegen gehen in der Statistik unter.

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