PROZESS

Vier Jahre nach dem Tod von Sarah H. fällt jetzt das Urteil

Der qualvolle Tod von Sarah H. brachte das Dorf Alt Rehse im Sommer 2016 in die Schlagzeilen. Jetzt könnte endlich auch juristisch ein Schlussstrich gezogen werden.
Der Angeklagte vor Gericht im April 2018
Der Angeklagte vor Gericht im April 2018 Carina Göls
Alt Rehse.

Bis zum späten Mittwochnachmittag war immer noch nicht klar, ob der Revisionsprozess um den Foltertod der 32 Jahre alten Sarah H. – wie geplant – wirklich mit der Urteilsverkündung am Freitagvormittag enden würde. Bis zum letzten Wort des Angeklagten wurde im Landgericht Neubrandenburg unter Ausschluss der Öffentlichkeit intensiv verhandelt – erst dann teilte ein Gerichtssprecher mit, dass der Urteilstermin stehe.

Damit endet eine jahrelange Prozessserie in diesem spektakulären Fall. Der im Februar 2019 begonnene Revisionsprozess gegen den 54-jährigen Lebensgefährten des Opfers lief grundsätzlich hinter verschlossenen Gerichtstüren. Es sei vor allem um die Schuldfähigkeit des Angeklagten gegangen, da seien auch etliche persönliche Details erörtert worden, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen seien, begründete ein Gerichtssprecher das Prozedere. Erst zur Urteilsverkündung am Freitag sollen Zuschauer zugelassen werden.

Vorwurf: Körperverletzung mit Todesfolge

Dem Angeklagten wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Er soll seine 32-jährige Lebensgefährtin aus Rheinland-Pfalz im Frühjahr 2016 im Streit in seinem Haus im kleinen Dorf Alt Rehse (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) nackt ans Bett gefesselt und gepeitscht haben. Anschließend habe die Frau nichts zu essen und zu trinken bekommen, woran sie vermutlich gestorben sei, hatten Rechtsmediziner erklärt. Die Leiche war von Polizisten Wochen später im Haus gefunden worden. Der Angeklagte und das Opfer hätten sich im Internet kennengelernt und anschließend in Alt Rehse zusammen gewohnt.

Das Landgericht Neubrandenburg hatte den Tatverdächtigen in erster Instanz im März 2017 wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen und zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil allerdings beanstandet, weil der „Geisteszustand des Angeklagten“ nicht genügend untersucht worden sei. Laut eigener Aussage war der Angeklagte zur Tatzeit davon überzeugt, der Bundesnachrichtendienst forsche ihn aus und habe Sarah H. als Spitzel zu ihm geschickt. Durch Folter habe er Informationen erzwingen wollen. Diesem „behaupteten Motiv”, so heißt es im BGH-Beschluss, habe „ersichtlich eine Wahnvorstellung zu Grunde” gelegen. Möglicherweise habe der Angeklagte seine Tat nicht als unrecht empfinden können.

Viele Bewohner aus Alt Rehse sagten aus

Ein erster – im April 2018 begonnener – Revisionsprozess war aufgrund von Krankheit und Ruhestand von Richtern am Landgericht geplatzt. Am 5. Februar 2019 war der jetzige zweite Revisionsprozess gestartet worden. Laut Landgericht sind in den vergangenen 16 Monaten an 52 Verhandlungstagen vier Sachverständige und 81 Zeugen gehört worden – darunter auch etliche Bewohner aus Alt Rehse.

Der Angeklagte hatte seit der Festnahme 2016 bis zum Februar 2019, als der Revisionsprozess begann, in Untersuchungshaft gesessen. Seitdem ist er auf freiem Fuß. Sein mutmaßliches Opfer, die zum Todeszeitpunkt 32-jährige Sarah H., war einem Teil der Öffentlichkeit auch durch einen früheren Auftritt in der TV-Kuppelshow „Schwer verliebt“ bekannt geworden.

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