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Virus grassiert im Kurzentrum

Das Kurzentrum Waren auf dem Nesselberg ist in die Schlagzeilen geraten. Ein Magen-Darm-Virus hat viele Hotelgäste krank gemacht. Einige üben Kritik an der Hausleitung.
Das Kurzentrum Waren auf dem Nesselberg ist in die Schlagzeilen geraten. Ein Magen-Darm-Virus hat viele Hotelgäste krank gemacht. Einige üben Kritik an der Hausleitung.
Carina Göls

Kuren mit Katarrh. Ein Virus im Kurzentrum Waren hat Gäste und Personal erwischt. Einem ersten Dementi folgte nun die Bestätigung aus dem Haus: Ja, es handelt sich um ein Magen-Darm-Virus. Das Krisen-Management gerät in die Kritik.

Angst und Sorge im Hotelzimmer: So hatte sich Jens B. (Name geändert) den Urlaub mit seiner Frau nicht vorgestellt. Kaum angekommen an der Müritz, wurde die Familie krank. Im Kurzentrum Waren. Auch der bald 90-jährige Schwiegervater sollte es sich „Im Jungbrunnen der Mecklenburgischen Seenplatte“ – mit diesem Slogan wirbt das Kurzentrum – gut gehen lassen. Aber es kam anders.

„Uns ging es wirklich schlecht. Und wir haben uns große Sorgen um unseren alten Herren gemacht wegen des Durchfalls. Ihm war auch jeden Tag schwindelig. Dass es sich um ein Virus handeln könnte, war rasch rund im Haus. Ein Mann war wohl schon mit Durchfall angereist und soll trotzdem das Schwimmbad genutzt haben. Aber wir wussten davon nichts und gingen auch in das Bad. Warum wurde das nicht sofort gesperrt?“, fragte Jens B. Er möchte anonym bleiben, denn er fürchtet Unannehmlichkeiten mit dem Kurhotel. Weil er sich dort allein gelassen fühlte und das auch bei anderen Gästen beobachtet habe, wandte er sich an die Öffentlichkeit.

Gruppenanwendungen abgesagt

Gab es Probleme beim Krisen-Management auf dem Nesselberg? Wie auf schriftliche Anfrage des Nordkurier aus dem Kurzentrum Waren, einem 4-Sterne-Hotel in der Müritzstadt, zu erfahren war, handelt es sich „sicherlich um einen Magen-Darm-Virus“, wie Dr. Dieter Hotzelmann, Kur- und Badearzt sowie ärztlicher Leiter, formulierte. Man habe nach Bekanntwerden der ersten Erkrankung am Dienstag vorsorglich etwa alle Gruppenanwendungen abgesagt. An jenem Tag hatten die Verantwortlichen gegenüber Nordkurier einen grassierenden Virus dementiert.

In besagter Woche waren ca. 200 Gäste im Haus. In dieser Zeit seien „unter 50“ Leute krank geworden. Auch Personal. Erkrankten Gästen wurde „dringend angeraten, auf dem Zimmer zu bleiben. Verpflegung wurde aufs Zimmer gebracht“. Die Gesundheitsbehörde sei informiert. Dr. Hotzelmann bestätigte, dass bereits vor einer Woche ein Gast mit Magen-Darm-Problemen angereist war. Der dringende Rat an ihn: auf dem Zimmer bleiben, sämtliche Therapien aussetzen und die Schwimmhalle und Sauna meiden. Aber das Hotel sei ein Dienstleister und keine Kuranstalt mit von Kassen bezahlten Aufenthalten. Verbote dürften folglich nicht erteilt werden, heißt es von der Hausleitung. Das Schwimmbad sei im Übrigen nach wie vor geöffnet. Das Badewasser werde gechlort und desinfiziert. „Eine Nutzung ist unkritisch“, betont die Hotelleitung. Dennoch gebe es noch Kurgäste, die Symptome der Infektion aufzeigen.

Gast lässt Schadenersatz prüfen

Am Sonntag sind neue Gäste im Kurzentrum angereist. Jens B. und seine Familie aber hatten sich wie geplant auf den Heimweg gemacht. Doch auch bei der Abreise eine Enttäuschung: „Die haben eiskalt abkassiert. Worte der Entschuldigung oder des Bedauerns, dass wir uns etliche Tage nicht wohl fühlten, obwohl wir ja genau deshalb ins Kurzentrum gefahren waren, fehlten“, empört sich Jens B. am Abend. Alle drei wollen sich nun von ihren Hausärzten gründlich untersuchen lassen. „Wir werden Schadenersatzansprüche prüfen“, so die Ex-Kurgäste.