Alesia Schwarck (Mitte) stammt aus Weißrussland und lebt in Waren. Sie hilft den ukrainischen Frauen bei der Suche nach
Alesia Schwarck (Mitte) stammt aus Weißrussland und lebt in Waren. Sie hilft den ukrainischen Frauen bei der Suche nach Arbeit und begleitete sie zur Jobmesse. Miriam Brümmer
Die Arbeitsagentur informierte über Grundvoraussetzungen für eine Integration auf dem Arbeitsmarkt.
Die Arbeitsagentur informierte über Grundvoraussetzungen für eine Integration auf dem Arbeitsmarkt. Miriam Brümmer
Im Warener Bürgersaal gab es viele Informationen für die Geflüchteten aus der Ukraine.
Im Warener Bürgersaal gab es viele Informationen für die Geflüchteten aus der Ukraine. Miriam Brümmer
Arbeitsmarkt

Volles Haus bei der Jobmesse für Geflüchtete

28 Aussteller und Geflüchtete auf Jobsuche trafen im Bürgersaal Waren aufeinander. Die Chancen, eine Beschäftigung zu finden, sind groß.
Waren

Um zehn Uhr sollte am Mittwoch die Jobmesse für Geflüchtete im Warener Bürgersaal beginnen, doch schon einige Zeit vorher warteten die Besucher vor dem Gebäude darauf, dass die Uhr endlich zehn schlug. Das Interesse bei den Menschen war größer, als die 28 Aussteller und auch Ideengeber Hannes Thies gehofft hatten. Er ist Chef des Hotels Amsee und stellt derzeit 60 Geflüchteten aus der Ukraine eine ganze Etage zur Verfügung. „Es liegt auf der Hand, zu schauen, wie wir die Leute in der Region halten und frühzeitig klar machen, dass man hier auch arbeiten kann“, und verschiedene Möglichkeiten hat, sagte er. Es sei ein Unterschied zur Flüchtlingswelle aus Syrien mit damals vielen jungen, teils minderjährigen Männern erkennbar. Die Frauen würden mit ihren Kindern eine Stadt wie Waren dem Großstadtleben vorziehen.

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Fachkräfte in allen Branchen gesucht

Langweilig würde es ihnen hier nicht werden, meint er. Bei 3300 offenen Stellen im Landkreis in allen Beschäftigungsbereichen werden nach Aussage von Thomas Besse, dem Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Fachkräfte in allen Branchen gesucht. Ganz weit vorne seien medizinische Berufe und Pflegekräfte sowie der Hotel- und Gaststättenbereich. „Die Unternehmen haben eine hohe Bereitschaft, den Menschen, die aus der Ukraine aus schrecklichen Gründen geflohen sind, eine Perspektive zu bieten“, sagte er. Es werde geschaut, was kurzfristig sowie langfristig mit Qualifikation möglich sei, damit die Menschen in Deutschland tätig sein können. Die einzige Hürde sei die Sprache. Mit dem zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge werde bereits an der Organisation der Kurse gearbeitet. Die ausstellenden Unternehmen wiesen darauf hin, dass es regionale Angebote brauche, denn mit Kindern und ohne Auto sei es schwierig, nach Neubrandenburg zum Sprachkurs zu fahren. Nach dem Grundkurs unterstützt das Arbeitsamt mit Kursen, in denen die Fachbegriffe der Berufsgruppen vermittelt würden. Das sei das Kernelement für die Integration auf dem Arbeitsmarkt, laut den Erfahrungen aus der letzten Flüchtlingskrise, informierte Thomas Beese.

Auf Ausbildungsplätze für die Kinder gehofft

Das weiß auch Alesia Schwarck. Sie kam 2006 aus Weißrussland nach Deutschland, ist ehrenamtliche Flüchtlingshelferin und kam mit den in der Warener Jugendherberge untergebrachten Frauen in den Bürgersaal. Die Frauen suchen einen Job erzählte die Wahl-Warenerin. „Weil sie die Sprache noch nicht sprechen, werden sie höchstwahrscheinlich im Service von Hotels arbeiten“, aber auch der Erdbeerhof hätte den Frauen gefallen, erzählte sie. Für die älteren Kinder hoffen die Mütter auf Ausbildungsplätze. Unter ihren Schützlingen sei auch eine Rechtsanwältin, doch ihr sei klar, dass ohne Deutschkenntnisse wenig Chancen bestünden, in dem Beruf zu arbeiten. Sie selbst kann sich noch an ihre erste Zeit in Deutschland erinnern. Damals wurde ihr Abschluss nicht anerkannt. Durch das Nachholen ihres Abschusses habe sie jedoch immerhin die Sprache gelernt, erzählte sie.

Erst kurz vorher davon erfahren

Die Jobanbieter auf der Messe deckten zahlreiche Bereiche ab. Das sei angesichts der kurzen Organisations-Zeit beachtlich und eine Chance, ist der Vizebürgermeister Matthias Mahnke sicher. Auch Filip Borowicz von KP Logistik war überrascht. Er hatte erst am Donnerstag von der Messe erfahren und sich sofort bereit erklärt, dabei zu sein. Er sieht die KP Logistik als ein multikulturelles Unternehmen, weil es schon jetzt mehr Migranten aus der Region beschäftige, weil deutsche Fachkräfte fehlen. „Die Ukrainer würden sich auch bei uns wohlfühlen“, ist er überzeugt.

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