Wahlplakate verschiedener Parteien. In Waren diskutieren Politiker, ob man beim nächsten Mal auf Wahlplakate verzichten s
Wahlplakate verschiedener Parteien. In Waren diskutieren Politiker, ob man beim nächsten Mal auf Wahlplakate verzichten sollte (Symbolfoto). Miriam Brümmer
Debatte

Wahlkampf ohne Wahlplakate – bringt der Verzicht was?

14 Tage nach der Landtags- und Bundestagswahl müssen alle Plakate weg sein. Für einige Politiker könnten sie auch dauerhaft in der Tonne bleiben.
Waren

Sie sind verschwunden. Jedenfalls sollten sie es. 14 Tage hatten die Parteien nach der Wahl Zeit, ihre Kandidaten von den Masten zu holen. Wer vor der Wahl viel investiert hat, muss nach der Wahl auch entsprechend lange aufräumen. Darum waren einige Kandidaten in den vergangenen Tagen auch noch mal im Wahlkreis unterwegs. Als Hausmüll landen die Pappen nun auf den Wertstoffhöfen der Region. Wo Sympathie da ist, sammelt man auch vergessene Plakate der Mitbewerber ein, wie die Gewinnerin des Direktmandates, Nadine Julitz (SPD), erzählt.

Verzicht aus Umweltschutzgründen

Etwa 500 Doppelplakate hat Julitz im Wahlkreis 20 verteilt. Beim Pflücken halfen ihr Mitglieder aus dem Ortsverein, Freunde und Familie. Doch ist solche Wahlwerbung noch zeitgemäß? Was bringt sie tatsächlich für die Wählergemeinschaft? Sollte man auch aus Umweltschutzgründen nicht ganz darauf verzichten? Diese Diskussion hat die Malchower Landtagsabgeordnete Elke-Annette Schmidt (Die Linke) in den sozialen Medien angeschoben. „Von mir aus können wir uns gerne verständigen, dass wir das zur nächsten Kommunalwahl einfach sein lassen – aber dann müssen alle dabei mitmachen“, reagierte der Neustrelitzer Bundestagskandidat der Grünen, Falk Jagszent, und schlug vor, eine Initiative dazu rechtzeitig zu starten. „Ich bin gespannt, ob die Wettbewerber dagegen Argumente haben“, schreibt der Kommunalpolitiker.

Auch Nadine Julitz findet den Vorschlag richtig, wenn sich alle daran halten. „Man könnte sich auch darauf einigen, an bestimmten Plätzen nur wenige Großaufsteller zuzulassen“, sagte Julitz. Eine Wahl könne man mit Plakaten nicht gewinnen, ohne aber verlieren, sagt die Politikwissenschaftlerin, die als Direktkandidatin 11097 Stimmen bekam.

Enrico Malow hat es getan

Einer, der darauf verzichtet hat und nun auch keine Plakate einsammeln musste, ist der CDU-Landtagskandidat Enrico Malow. Mit 6286 Erststimmen erzielte der Grabowhöfer Bürgermeister das zweitbeste Ergebnis knapp vor Thomas de Jesus Fernandes (AfD), der 5911 Stimmen bekam. „Es ist ein Experiment. Ob top oder flop, wird sich zeigen. Es kann der Schlüssel zum Erfolg sein und wenn es nicht reicht, trage auch ich die Verantwortung“, hatte Malow vorab dem Nordkurier gesagt.

Aufgegangen ist Malows Strategie offensichtlich nicht, jedoch haben andere Christdemokraten in den Nachbarwahlkreisen mit sehr hohem materiellen Einsatz auch kein besseres Ergebnis erzielen können. Malows Weg stieß bei der CDU auf wenig Begeisterung und Verständnis, obwohl auch Warens CDU-Stadtchef Christian Holz darauf hinwies, dass es empirisch nachgewiesen sei, dass Plakate den geringsten Effekt auf den Wähler hätten. Als einziger nicht zu plakatieren, sei zumindest auffällig. Am meisten Zuspruch bekäme man durch persönliche Gespräche. Dafür müsse man aber auf den Wähler zugehen, statt nur ein Gesprächsangebot zu unterbreiten, sagte Holz.

Auch Malchows CDU-Chef André Zimmermann mischte sich in die facebook-Diskussion ein und erinnerte daran, dass die CDU Malchow bei der Kommunalwahl komplett darauf verzichtet hatte. „Da wir als stärkste Fraktion eingezogen sind, kann ich nun keinen Verlust durch die fehlenden Plakate erkennen. Ich wäre zu 100 Prozent für einen Verzicht“, äußerte sich Zimmermann.

Liberaler stellt Nutzen infrage

Gegenwind kommt von den Liberalen. Die Abschaffung der Wahlplakate käme der Abschaffung der Demokratie gleich, sagte Toralf Schnur (FDP). Nur die größeren und älteren Parteien würden aufgrund ihrer Bekanntheit bei einem Plakat freien Wahlkampf profitieren. „Welchen Nutzen hat das für die Demokratie? Es ist eher der Versuch einer Garde, sich dem politischen Wettbewerb zu entziehen. Weil die Leute ausgehen, will man sich des lästigen Teils des Wahlkampfes entledigen“, sagte Schnur. Was Enrico Malow gemacht habe, sei eine Verhöhnung des Wählers gewesen. Eine mögliche Verschandelung des Ortsbildes hingegen könne der Wähler für sechs Wochen ganz gut aushalten. Wer auf Plakate verzichten wolle, könne das gerne tun, aber Beschränkungen der Demokratie seien gefährlich, sagte Schnur.

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