DROGEN-PROZESS

War ein Warener der verlängerte Arm des "Commanders"?

Der dritte Verhandlungstag im Prozess gegen einen Mann aus Waren lieferte sehr private Einblicke in das Netzwerk der Bande. Monatelang waren die Handys vieler Mitglieder polizeilich überwacht worden.
Christine Gerhard Christine Gerhard
Rund ein Kilogramm Marihuana hatte die Polizei auf dem Grundstück des Wareners gefunden.
Rund ein Kilogramm Marihuana hatte die Polizei auf dem Grundstück des Wareners gefunden. Polizei
Neubrandenburg.

Zu Beginn des dritten Verhandlungstages im Drogenprozess am Mittwoch winkte der Beschuldigte seiner Mutter im Publikum, versuchte mit dem Verteidiger zu scherzen. Doch unter dem Tisch wippte unablässig der Fuß. Dem 30-jährigen Warener wird vorgeworfen, führendes Mitglied einer Bande gewesen zu sein, die im größeren Stil mit Amphetaminen, Marihuana, Kokain, Ecstasy und Muskelaufbaupräparaten gehandelt hatte. Er gilt als „rechte Hand” des bereits verurteilten Anführers, der sich selbst als „der Commander” bezeichnete.

„Großmeister, Imperator, oberster Anführer”, trug der Beschuldigte, in leicht spöttischen Ton gegen den einst besten Freund, weitere Pseudonyme mit einer Vernehmungsbeamtin zusammen, die vor dem Landgericht als Zeugin aussagte. Sie spielte Mitschnitte von Telefongesprächen und Whatsappnachrichten der Bande vor, auch diese voller Codewörter und Synonyme. Seit Januar 2018 war der Angeklagte aus Waren überwacht worden.

Ein Kilo Marihuana gefunden

Zwischen eher alltäglich anmutendem Geplauder über Nudelsalate, Partys und Kindergeburtstage ist auf den Aufnahmen etwa von einem angeblichen „Umzug” die Rede, zu dem man sich an einer Tankstelle verabredete. Der Angeklagte beteuerte weiterhin, lediglich als unwissender Vermittler für seinen besten Freund fungiert zu haben, der für ihn eine „Vaterfigur” gewesen sei. „In meiner maßlosen Dummheit ist es öfter vorgekommen, dass ich ihm mein Handy in die Hand gedrückt oder das weitergeleitet habe, was er mir sagte.” Das mit dem Umzug sei ihm natürlich seltsam vorgekommen, „aber ich habe da nicht groß drüber nachgedacht.”

Die Staatsanwältin wies auf die Formulierungen „wir” und „unser” hin, die suggerieren, dass der Angeklagte womöglich stärker involviert war, als er behauptet. Ob er, wie er sagte, tatsächlich nichts mit den Drogen zu tun gehabt hatte, wurde auch durch die Vernehmung eines Kriminalbeamten in Zweifel gezogen. Er hatte die Grundstücksdurchsuchung geleitet, bei der neben Pistolen, Stichwaffen und einem Wurfstern ein Kilo Marihuana sowie ein Cruncher zum Zermahlen der Drogen gefunden worden waren.

Warener seit Monaten in U-Haft

Aus den Telefonaten geht hervor, dass der Beschuldigte, neben Einsätzen als Weihnachtsmann für die Kinder des Anführers, in dessen Auftrag auch Auseinandersetzungen beim Eintreiben von Schulden geschlichtet hatte. Ein Gefallen für den besten Freund, wiegelte der Warener ab: „Ich glaubte, eine gute Tat zu tun.” Nach Aussagen eines anderen Bandenmitglieds soll er „fürs Grobe” zuständig gewesen sein, außerdem Ansprechpartner für die Beschaffung von Drogen.

Die Befragung der Vernehmungsbeamtin sollte auch Klarheit im Fall einer Zeugin bringen, die am Montag widersprüchliche Aussagen zu ihrer vorausgegangenen Vernehmung gemacht hatte. Die heutige Ex-Freundin des „Bunkerers” hatte sichtlich unter Druck gestanden, um eine Pause gebeten und beim Verlassen des Gerichtssaals die Tür geknallt.

Obwohl äußerlich gefasst, zermürbten die Verhandlungen auch den Warener, der seit neun Monaten in Untersuchungshaft sitzt, sichtlich. Schon Anfang der Woche hatte er sich gewünscht, auf seine Mutter gehört zu haben. „Sie hat immer gesagt: Lass es sein, das ist mir nicht geheuer.” Die Verhandlung wird kommende Woche fortgesetzt.

zur Homepage