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War es Vergewaltigung oder eine Intrige der Ex?

Schon am ersten Tag der Verhandlung sollte eigentlich ein Urteil gegen einen mutmaßlichen Vergewaltiger gesprochen werden. Der Angeklagte war jedoch in Redelaune.
Susann Salzmann Susann Salzmann
Auf der Couch soll ein Strelitzer zwei Mal über seine Ex-Freundin hergefallen sein. Heute wird die Verhandlung fortgesetz
Auf der Couch soll ein Strelitzer zwei Mal über seine Ex-Freundin hergefallen sein. Heute wird die Verhandlung fortgesetzt. Maurizio Gambarini
Waren.

Die Verhandlung gegen einen 56-jährigen Mann vor dem Warener Amtsgericht hatte gerade begonnen, da drangen auch schon die ersten, eindringlichen Worte vonseiten des verhandelnden Richters Manfred Thiemontz ans Ohr des Angeklagten. Er riet dem mutmaßlichen Vergewaltiger zu einem Geständnis beziehungsweise zur Wahrheit, damit seiner ehemaligen Lebensgefährtin – dem vermeintlichen Opfer in dem Fall – die Aussage vor Gericht erspart bleibt.

Von seinem Recht, sich zur Sache zu äußern, machte der Mann aus Neustrelitz bei dem Termin in der vergangenen Woche jedoch ausgiebig Gebrauch. Und zwar so lange, dass die Ex des Angeklagten als Zeugin vor der Tür des Gerichtssaals sieben Stunden im Unklaren blieb, was sich drinnen währenddessen abspielte.

Dort brach der Mann sein Schweigen, das er zuvor bei polizeilichen Vernehmungen mehrmals an den Tag gelegt hatte. Vielmehr sprudelte es vor Gericht aus ihm heraus – mit wiederholter Beteuerung seiner Unschuld. Das, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwerfe, sei schlicht nicht so passiert, sagte er.

Angeklagter: Sex mit der Ex war einvernehmlich

Laut Anklage soll der Mann die Frau am 1. August 2017 und Tage später noch einmal misshandelt und vergewaltigt haben. Zunächst soll es zu einer körperlichen Auseinandersetzung in ihrem Haus gekommen sein, weil er darin rauchte. Dabei schlug er sie mehrfach, laut Aussage des Opfers sogar mehrmals gegen die Wand. Ihre dadurch bedingte Bewusstlosigkeit nutzte er, um sie zur Couch zu tragen, wo er sie vergewaltigt haben soll. Flehendes Bitten der Frau habe er – so die Anklage der Staatsanwaltschaft – nicht gelten lassen. Zahlreiche Hämatome zwischen ihren Beinen sollen durch die Angriffe entstanden sein.

Wenige Tage später soll er das Opfer aufgefordert haben, sich erneut auf die Couch zu legen, um mit ihr zu schlafen. Für eine körperliche Abwehrreaktion habe sie nicht die Kraft aufgebracht, allerdings habe sie ihn verbal mehrfach dazu aufgefordert, den Akt zu beenden.

Die Vorwürfe wiegen schwer, deshalb verhandelt Richter Thiemontz auch nicht allein, sondern mit zwei Schöffen. Das Gericht erlebte einen Angeklagten, der sichtlich bemüht war, dem Gericht seine Wahrheit zu vermitteln. In diesen Vorstellungen gab es keine zwei Vergewaltigungen, sondern lediglich einvernehmlichen Sex. Der Beschuldigte sieht sich zusätzlich als Opfer einer Intrige gegen ihn. Verletzte Eitelkeit und ein Rachefeldzug seiner Ex wegen der Trennung nennt er als Motive, ihn deshalb hinter Gitter zu bringen.

Acht Jahre währte die Beziehung. Im Juni 2017 trennte er sich von ihr, zog aber mangels Wohnung nicht aus ihrem Haus aus. Im Internet hatte er inzwischen seine vermeintliche Traumfrau aus Afrika kennen und lieben gelernt. Dieser ließ er mehr als 8000 Euro zukommen. Seine Ex habe die Romanze wohl mitbekommen und sei ausgeflippt.

15 Schläge ins Gesicht der Frau – aus Notwehr?

An jenem Augustabend schrieb der bereits geschiedene Mann wieder mit Frauen – in ihrer Küche. Als das vermeintliche Opfer das mitbekam, habe sie ihm „das Handy weggenommen und wie eine Bestie zur Tür gezerrt“, sagte er aus. Der Mann wehrte sich: Aus Notwehr, um sich ihren Schlägen zu entziehen, „habe ich sie von mir weggeschubst und wohl etwa 15 Mal mit der flachen Hand in ihr Gesicht geschlagen“, räumte der Angeklagte nach mehrfachen Richternachfragen ein.

Schließlich bangte er um seinen Schlafplatz in ihrem Haus. Zum Geschlechtsakt sei es nur noch einmal Tage später gekommen, nachdem er seine Ex verbal überzeugt haben will. Mit seinen Aussagen vor Gericht machte der Strelitzer auch keinen Hehl daraus, dass er sehr wohl auch nach der Trennung und entgegen des vermeintlichen Nichtbegehrens des Opfers dem Sex mit ihr alles andere als abgeneigt gewesen ist.

Die von Gericht bestellte Medizinerin untersuchte das vermeintliche Opfer von Kopf bis Fuß. Ihr Urteil vor Gericht belastete den Angeklagten kaum. „Es ist nicht zu beweisen, dass es ein massives Auseinanderdrücken der Schenkel mit dem Knie oder der Faust gegeben hat“, sagte die Medizinerin. Obwohl die Oberschenkelunterblutungen nach ihrer Aussage nicht typisch für eine Vergewaltigung seien, schloss die Expertin die Tat aber auch nicht aus. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.

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