BAUVERZÖGERUNG

Warener Bahnhof für Monate nicht barrierefrei

Die Sanierung des Warener Bahnhofs schreitet voran. Während sich die Deutsche Bahn den Gleisen widmet, startet die Stadt demnächst mit Arbeiten am Vorplatz. Das bedeutet aber auch eine große Einschränkung.
Susann Salzmann Susann Salzmann
Hier ist am Bahnhof in Waren demnächst Schluss für alle, die nicht Treppen steigen können.
Hier ist am Bahnhof in Waren demnächst Schluss für alle, die nicht Treppen steigen können. Susann Salzmann
Waren.

Ein Rollstuhlfahrer freut sich auf seinen Aufenthalt in Waren. Als Transportmittel nutzt er den Zug. Der hält am Warener Bahnhof auf Gleis 2. Doch von dort kommt der Rollstuhlfahrer weder zum Bahnhofsgebäude noch zur Innenstadt. Denn mit dem Rollstuhl die Treppe hinunter geht es natürlich nicht. Eine Brücke fehlt – genauso wie Aufzüge und Rampen. Solch ein Szenario könnte sich durchaus ab Dezember bis 2021 in Waren bewahrheiten.

Die Nachricht, die der Warener Bauamtsleiter Ingo Dann in diesen Tagen öffentlich macht, dürfte sehr wohl bei einigen körperlich beeinträchtigten und gebrechlichen Personen die Gesichtszüge entgleiten lassen. Deutsche Bahn (DB) und Stadt planten Maßnahmen, damit der Bahnhof ein Vorbild an Barrierefreiheit wird. Doch bevor die kommt, verschlechtert sich die Situation. Denn spätestens ab dem Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres wird der Warener Bahnhof alles andere als barrierefrei sein.

Bauverzug von über einem Jahr

Verantwortlich dafür ist eine immense Bauverzögerung der Stadt. Die widmet sich einerseits für 4,4 Millionen Euro Gesamtinvestition der Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Zusätzlich soll nahe des Bahnhofsgebäudes eines Rampe zur Unterführung unter den Gleisen installiert werden. Am anderen Ende des Tunnels, in der Teterower Straße, soll ein Fahrstuhl gehbeeinträchtigte Menschen künftig mühelos zur Unterführung transportieren. Das Konzept der Stadt wurde erst jetzt von der DB abgesegnet, weil es nicht den Vorgaben entsprach, heißt es von Ingo Dann. Ein baulicher Verzug von über einem Jahr ist die Konsequenz. Während die DB mit den gröbsten Trassenarbeiten am Ende scheint, fängt die Stadt Waren voraussichtlich erst im neuen Jahr mit den Bauarbeiten an.

Noch scheint eine Lösung während der städtischen Bauphase aussichtslos. Ein Gespräch mit der Deutschen Bahn schuf keine Abhilfe. Das unterbreitete Angebot sei laut des Warener Bauamtsleiters Dann vollkommen inakzeptabel. „Für insgesamt 150 000 Euro würde uns die Bahn Personal zur Verfügung stellen, das beeinträchtigen Leuten Hilfe beim Ausstieg anbietet“, beziffert Dann das Bahn-Angebot, bevor er noch eines drauf setzt: Die Summe müsste nämlich pro Jahr kalkuliert werden – bis 2021. Das würde Kosten von mindestens 300 000 Euro verursachen. Genau jene Kosten solle die Stadt tragen.

Taxi von Neustrelitz

Zugespitzt wird die Situation auch, weil die DB eine ober den Gleisen verlaufende Holzbrücke – gedacht als Behelf während der Bauarbeiten – nun spätestens bis zum Jahresende zurückbauen möchte. Behinderte Menschen, so lautete nach der Aussage von Ingo Dann der Bahn-Vorschlag an die Stadt, könnten dem Unternehmen vor Antritt ihrer Zugreise ihre Beeinträchtigung mitteilen. Sie müssten dann etwa in Neustrelitz aussteigen und sich von dort via Taxi oder Bus oder nach Waren fahren lassen. Besucher- und touristenfreundlich ist solch eine Lösung allerdings nicht.

Wie die Deutsche Bahn dazu steht, ist unklar. Ein Sprecher aus dem Berliner Regionalbüro erklärte, dass eine Antwort zum Sachverhalt erst am Ende dieser beziehungsweise am Anfang nächster Woche möglich sei.

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