70 JAHRE VERHEIRATET

Warener Ehepaar feiert seltenes Jubiläum

Sie war erst 17 Jahre alt und er gerade einmal 20: Helga und Fredi Johanns wussten sehr früh, dass sie ihr Leben miteinander teilen möchten. Ihre Liebe hält noch heute – sieben Jahrzehnte nach dem Ja-Wort.
Helga Johanns mag an ihrem Gatten den Humor und die Bescheidenheit; Ehemann Fredi Johanns liebt ihre für ihn unvergä
Helga Johanns mag an ihrem Gatten den Humor und die Bescheidenheit; Ehemann Fredi Johanns liebt ihre für ihn unvergängliche Schönheit und ihre Sanftmut. 70 Jahre hält ihre Liebe bereits. Dafür gab‘s Glückwünsche von der Stadt, die Bürgermeister Norbert Möller (rechts) überbrachte, und von der Ministerpräsidentin. Susann Salzmann
Helga und Fredi Johanns feierten jetzt das seltene Jubiläum der Gnadenhochzeit.
Helga und Fredi Johanns feierten jetzt das seltene Jubiläum der Gnachenhochzeit. Susann Salzmann
Waren.

Stolze 70 Jahre lang haben Helga und Fredi Johanns die Entscheidung, die ihr Leben prägte, in keinem Moment bereut. Mit mehr als 25 550 Tagen Ehe haben die Warener etwas Außergewöhnliches geschafft, das in der Gegenwart nur noch selten vorkommt: die Gnadenhochzeit. Am 20. Mai 1950 haben sich die beiden das Ja-Wort gegeben. Und seitdem ist ihre Vertrautheit zueinander jeden Tag ein bisschen mehr gewachsen. Waren.

Wunsch erfüllt sich

Den 70. Hochzeitstag im Corona-Modus feiern zu müssen – da gehört Humor dazu. Und manchmal sicherlich auch ein kesser Spruch. Von diesen hat der 90 Jahre alte Ehejubilar Fredi Johanns eine ganze Reihe auf Lager. Sprüche, mit denen er 1948 auch das Herz seiner Angebeteten gewonnen hat. Die Lokalität, in der es vor 72 Jahren auf Anhieb gefunkt hat, hieß damals „Café Recke“ (heute „Altstadt Waren). Sie trank mit ihrer Freundin einen Kaffee, als er ihren Blick auf sich zog. „Mit dem in Blau würde ich gern tanzen“, sagte die damals erst 15-jährige Helga zu ihrer Freundin. Ihr Wunsch erfüllte sich. Fredi Johanns bat um einen Tanz. „Das war die erste Gedankenübertragung zwischen uns“, blickte der gelernte Zimmermann zu seinem 70. Hochzeitstag schmunzelnd zurück.

Eltern müssen Hochzeit absegnen

Aus dem Tanz entwickelte sich eine tiefe Zuneigung. Noch nicht einmal volljährig, hielt er schließlich um ihre Hand an. Ihr Ja-Wort aber hätte für die standesamtliche Trauung nicht genügt. „Unsere beiden Eltern mussten uns die Genehmigung zur Hochzeit erteilen, weil wir noch keine 21 Jahre alt und damit nach Gesetz noch nicht volljährig waren“, berichtete die Warenerin. Natürlich, erzählten beide im Gleichklang, stimmten ihre Eltern der Heirat sofort zu. Und dabei trug Helga Johanns bereits das erste Kind unter ihrem Herzen. Sie war im fünften Monat schwanger.

Durch die Corona-Krise musste die aktuelle Jubiläumsfeier im Warener Bahnhofshotel abgesagt werden. Aber Besuch hatte das Paar trotzdem – unter anderem von den vier Kindern und dem Warener Bürgermeister Norbert Möller (SPD). Auch damals zur Hochzeit mussten die gelernte Friseuse und der Zimmermann allerhand improvisieren. „Es gab ja nichts“, so Helga Johanns. Ihr Hochzeitskleid wurde damals extra von einer Schneiderin genäht. Ein weißes Kleid aus hochwertigem Stoff war es nicht. Woher sollte dieser auch kommen? „Es war ein braunes besticktes Kleid“, erzählte die vierfache Mutter.

Uhrenarmband wird für die Ringe eingeschmolzen

Vieles gelang nur durch private Kontakte. So wie etwa das Besorgen eines auskömmlichen Hochzeitsbratens für die 35 Hochzeitsgäste. „Von jemandem aus Lehsten haben wir ein Kalb bekommen, das wir mit dem Rad abgeholt haben“, erinnerte sich Fredi Johanns. Wein und Schnaps wurden selbst gemacht. Und die Mutter der Braut „opferte“ ihr Uhrenarmband. Das nämlich bestand aus Gold und wurde extra eingeschmolzen, damit das Paar sich bei der Trauung jeweils einen Ring auf den Finger stecken konnte. Bei einem größeren Umzug gingen die Ringe später verloren. Nachgemacht wurden keine. Liebe braucht keine Ringe, meinte der treue Gemahl.

Übrigens: Die damalige Hochzeitsgesellschaft gratulierte dem Paar einst mit zahlreichen Blumengrüßen. Da 1950 auch die bunte Auswahl an Blumen fehlte, griffen die Gäste zu einem Trick, über den das Ehepaar heute herzlich lachen kann: Die Gäste pflückten im privaten Garten von Helga Johanns Flieder und brachten diesen als Geschenk für das junge Paar mit.

Dieses Jubiläum ist sehr selten

Mit Humor, gemeinsamen Aktivitäten, Händchen-Halten und einem Gute-Nacht-Küsschen ließ sich jede Lebenskrise bewältigen. Mit dieser Verbundenheit zueinander steuern die Eheleute nun das nächste große Ehejubiläum – die Kronjuwelenhochzeit in fünf Jahren – an.

Bereits die Gnadenhochzeit gehört laut Bürgermeister Möller zu den ganz seltenen Jubiläen. In den vergangenen sieben Jahren waren die Johanns das vierte Ehepaar in Waren und seinen Ortsteilen, dessen Verbundenheit 70 Jahre lang gehalten hat. Auf diese Zeit will das Ehepaar mit den vier Kindern und den jeweils fünf Enkeln und Urenkeln anstoßen. Sobald es die Corona-Maßnahmen wieder zulassen.

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