„RECHTE HAND” DES DROGENBOSSES?

Warener sagt vor Gericht aus

Für Ermittler ist der Angeklagte aus Waren die „rechte Hand des Anführers” einer Drogen-Bande – er selbst widerspricht. Doch warum fand sich bei ihm ein Kilo Marihuana?
Christine Gerhard Christine Gerhard
Rund ein Kilogramm Marihuana hatte die Polizei auf dem Grundstück des Wareners gefunden.
Rund ein Kilogramm Marihuana hatte die Polizei auf dem Grundstück des Wareners gefunden. Polizei
Waren.

Im Prozess um einen groß angelegten Drogenhandel hat der 30-jährige Angeklagte aus Waren sein Schweigen gebrochen. „Ich bin froh, dass ich jetzt auch meine Sichtweise darstellen kann”, sagte er am Montag am zweiten Verhandlungstag vor dem Neubrandenburger Landgericht.

Ihm wird vorgeworfen, führendes Mitglied einer mindestens zehnköpfigen Bande gewesen zu sein, die im Juni 2018 bei einer Großrazzia aufgeflogen war. Zwei Haupttäter waren Ende 2018 zu Haftstrafen von vier und drei Jahren verurteilt worden. Sie hatten gestanden, fast 26 Kilogramm Marihuana sowie Amphetamine, Kokain, Ecstasy und Muskelaufbaupräparate zum Drogenhandel besorgt zu haben.

Angeklagter arbeitete früher bei der Bundeswehr

Der Angeklagte aus Waren bestritt nun, in die kriminellen Geschäfte seiner Bekannten eingeweiht gewesen zu sein. Er sei nie Teil einer Bande gewesen und habe weder das Geld noch die Drogen je gesehen. Von dem Kilo Marihuana, das die Polizei bei der Razzia in seinem Hof gefunden hatte, habe er nichts gewusst, beteuerte der ehemalige Bundeswehrangestellte. Sein „sogenannter Freund”, habe die Drogen vielleicht auf dem frei zugänglichen Grundstück zwischengelagert, das relativ zentral im Netzwerk der Bande gelegen habe, vermutet er.

Zwar räumte er Fahrten mit dem Anführer und einem weiteren Bandenmitglied nach Hamburg ein, doch es habe sich um Privatfahrten gehandelt. Er gab auch zu, seinem damaligen Freund und Anführer der Bande wochenlang sein Auto zur Verfügung gestellt zu haben, ohne jedoch etwas über Drogenlieferungen gewusst zu haben: „Keine Ahnung, wo der damit war.”

„Ich habe nur gemacht, was mir gesagt wurde”

Seine Teilnahme an einem Treffen des Drogendealers mit einem Bekannten von ihm in Rheinsberg, wo eine Drogenübergabe stattgefunden haben soll, stritt der Warener nicht ab. Er habe die beiden jedoch weder gezielt zusammengebracht, noch habe er zugehört, was die beiden Männer untereinander besprochen hätten. Und als er einen ominösen Umschlag übergeben sollte, habe er nicht nachgefragt. Dass sich 30.000 Euro darin befunden haben sollen, bezweifelt er allerdings: Dafür sei der Umschlag zu dünn gewesen.

„Ich habe nur gemacht, was mir gesagt wurde”, sagte er bei der Verhandlung, das beinhaltete auch das Schreiben von Nachrichten und das Verleihen seines Handys für Aufträge, wie sich später herausgestellt habe. „Im Nachhinein total bescheuert”, sagte der Angeklagte, der seit neun Monaten in Untersuchungshaft sitzt.

Alle Anzeichen ignoriert

Er habe wohl gemerkt, dass sein damals bester Freund in illegale Geschäfte verwickelt gewesen war. Dass es dabei um Drogenhandel ging, sei ihm kurz vor der Verhaftung bewusst geworden.

Ansonsten habe er, aus Angst und Respekt, die Anzeichen ignoriert und sei dem Anführer nicht in die Parade gefahren. „Ich habe mich in seiner Sonne gesonnt”, sagte er. Er sei stolz gewesen, von dem stadtbekannten Mann, vor dem jeder Respekt hatte, zum besten Freund gewählt worden zu sein.

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