RÜDIGER PREHN TEILT AUS

Warener Stadtpräsident fühlt sich gemobbt

Ein kleines Wort sorgt für großes Theater. Der amtierende Präsident der Stadtvertretung, Rüdiger Prehn (Die Linke), nutzte die letzte Sitzung vor Weihnachten für eine Abrechnung mit einer Fraktion und einem Nordkurier-Reporter.
Der amtierende Präsident der Stadtvertretung, Rüdiger Prehn (Die Linke), fühlt sich gemobbt und wittert eine Ka
Der amtierende Präsident der Stadtvertretung, Rüdiger Prehn (Die Linke), fühlt sich gemobbt und wittert eine Kampagne gegen sich. Stephan Radtke
Ausgedünnte Reihen und Stadtvertreter hinter Masken. Das hat es so in Waren auch noch nicht gegeben.
Ausgedünnte Reihen und Stadtvertreter hinter Masken. Das hat es so in Waren auch noch nicht gegeben. Stephan Radtke
Waren ·

Nichts anderes als „amtsführend“ bedeutet das Adjektiv „amtierend“. In diesem Zusammenhang hat der Nordkurier auch kürzlich über Rüdiger Prehn (Die Linke) als amtierenden Präsidenten der Warener Stadtvertretung berichtet. Konkret ging es in dem Beitrag vom 19. November um die öffentliche Ausschreibung der Wogewa-Geschäftsführerstelle. Noch am gleichen Tag rief Rüdiger Prehn in der Redaktion an, um sich über das Adjektiv „amtierend“ zu beschweren.

Doch damit nicht genug. Bei der Stadtvertretersitzung am Mittwochabend nutzte Prehn den letzten Tagespunkt im öffentlichen Teil, um mit der FDP/MUG-Fraktion und auch dem Nordkurier ins Gericht zu gehen. Die Ergänzung „amtierend“ stelle seiner Meinung nach eine Diskreditierung des Amtes und seiner Person dar. „Deshalb bitte ich Sie, meine Herren, diese Bezeichnung in Zukunft zu unterlassen“, sagte Prehn und unterstellte der Fraktion FDP/MUG zudem, eine Kampagne gegen das Amt des Präsidenten der Stadtvertretung und gegen seine Person zu führen.

Zitate aus Mails, die nicht allesamt öffentlich waren

Um dies zu untermauern, las Rüdiger Prehn einzelne Passagen aus E-Mails vor, die er vom Fraktionsvorsitzenden Toralf Schnur in den zurückliegenden Wochen bekommen hatte. Zum Teil waren es Mails, die auch die anderen Fraktionsvorsitzenden bekommen hatten, zum Teil aber auch vertrauliche Nachrichten an Prehn. Zumindest waren diese E-Mails, die Rüdiger Prehn nun öffentlich gemacht hat, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Antrag auf Abberufung zurückgezogen

Was war Prehns Motivation? Vielleicht fürchtet er seine drohende Abberufung. Wie der Nordkurier aus vertraulichen Gesprächen mit verschiedenen Politikern weiß, wird seit Wochen im politischen Raum hinter verschlossenen Türen darüber diskutiert, ob Rüdiger Prehn noch der richtige Mann ist, oder abgewählt werden sollte. Tatsächlich lag auch bereits ein Antrag der FDP/MUG-Fraktion auf Abberufung vor, der aus verschiedenen Gründen aber wieder zurückgezogen wurde. Unter anderem deshalb, weil Andreas Strubelt nicht mehr dem Präsidium angehört, ein Nachfolger noch nicht gewählt wurde und damit nur noch die Landtagsabgeordnete Nadine Julitz (SPD) als einzige Stellvertreterin im Falle einer Abberufung einspringen könnte. Auch über Kandidaten im Falle einer neuen Wahl haben sich einige Parteien nach Nordkurier-Informationen schon ausgetauscht und mögliche Mehrheiten ausgelotet.

Zwei Kandidaten

Der Mann der Links-Partei war nach der Kommunalwahl 2019 bereit gewesen, sich von einer taktisch organisierten Mehrheit wählen zu lassen und damit den CDU-Kandidaten René Drühl auszustechen. In geheimer Wahl erhielt Prehn 13 Stimmen der 28 Stadtvertreter, auf Drühl entfielen 11 Stimmen. Zwei Stadtvertreter hatten sich enthalten.

„Geplant hatte ich das nicht. Als man mich aber ansprach, ob ich mir das vorstellen könnte, und sich eine Konstellation ergab, dass die Wahrscheinlichkeit sehr groß war, die Wahl zu gewinnen, sagte ich zu“, erzählt Rüdiger Prehn dem Nordkurier im November 2019. Mit dem Griff nach dem Amt ergab sich aber schon am ersten Tag eine gewisse Abhängigkeit von denjenigen, die die Gegenkandidatur eingefädelt hatten, nämlich der FDP/MUG-Fraktion.

Prehn hat Ausführungen ins Internet gestellt

Mit Blick auf eine Abberufung sagte Prehn am Mittwochabend: „Wenn Ihnen ein Mitglied der Partei Die Linke als Präsident dieser Stadtvertretung nicht mehr passt, dann sprechen Sie das aus und begründen Ihren Abberufungsantrag auch entsprechend. Meine Wahrnehmung dieses Vorgangs ist, dass mit dem Missbrauch legitimer demokratischer Mittel Lebenszeit vergeudet wird und meine Person diskreditiert wird. Wenn eine Gruppe von Personen über einen längeren Zeitraum und systematisch eine Person diskreditiert, ihr bestimmte Fähigkeiten abspricht, nicht bereit zur Kommunikation ist, ihr unbegründete Veränderungen ankündigt, dann nennt man das Mobbing.“

Tatsächlich war bis zu Prehns Ausführungen die Öffentlichkeit gar nicht über die parteipolitischen Streitigkeiten informiert. Seinen Vortrag hat der amtierende Präsident der Stadtvertretung aber noch am Mittwoch auf seinen Internet-Blog gestellt und am Donnerstag auch an verschiedene Medienvertreter verschickt. Eine unwahre Tatsachenbehauptung, die Prehn in der Stadtvertretung verlas, taucht dort nicht auf, weil Prehn sie noch in der Sitzung nach Richtigstellung des Betroffenen wieder zurücknahm.

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Kommentare (1)

Zur Parteikultur der linken Strolche sich durch alles und jeden gemobbt zu fühlen? Er schrieb an den NK:
„Deshalb bitte ich Sie, meine Herren, diese Bezeichnung in Zukunft zu unterlassen“

Aha, was aber wenn auch Frauen und Diverse unter den angeschriebenen weilen?
Da kommt dann wieder die Doppelmoral dieses AMTIERENDEN durch!

„Wenn Ihnen ein Mitglied der Partei Die Linke als Präsident dieser Stadtvertretung nicht mehr passt,... "

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