STÄRKEN UND SCHWÄCHEN

▶ Warens Bürgermeister-Kandidaten im Mann-gegen-Mann-Vergleich

Amtsinhaber Norbert Möller (SPD) und Herausforderer Toralf Schnur (FDP/MUG) gehen am 27. September in die Stichwahl. Der Nordkurier hat je fünf Stärken und Schwächen der beiden Kandidaten analysiert.
Am 27. September haben die Warener noch einmal die Wahl: Soll Norbert Möller (SPD, links) Bürgemeister bleiben oder
Am 27. September haben die Warener noch einmal die Wahl: Soll Norbert Möller (SPD, links) Bürgemeister bleiben oder Toralf Schnur (FDP/MUG) für die nächsten sieben Jahre im Rathaus das Sagen haben? NK-Archiv
Waren.

Beim ersten Wahlgang hat keiner der fünf Bürgermeister-Kandidaten für Waren die absolute Mehrheit erreicht. Somit kommt es am 27. September zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Norbert Möller (SPD) und dem Zweitplatzierten Toralf Schnur (FDP/MUG). Doch was spricht in diesem Duell für oder gegen die beiden Kontrahenten? Nordkurier-Reporter Ingmar Nehls hat ihre Stärken und ihre Schwächen analysiert.

Die Stärken Norbert Möllers sind:

  • Gutes Netzwerk: Er hat sich durch sein Engagement im Ehrenamt ein gutes Netzwerk aufgebaut. Viele kennen ihn als Sportler und nicht nur als Lokalpolitiker. So lassen sich Türen leichter öffnen.
  • Auftreten: Vor seiner Amtszeit hat er den Posten des Präsidenten der Stadtvertretung ausgeübt und bringt Erfahrung mit, die Stadt zu repräsentieren. Möller ist korrekt, freundlich und höflich unterwegs.
  • Erfahrung: Möller schmeißt sieben Jahre Erfahrung als Verwaltungschef in die Waagschale und politisches Engagement von fast 30 Jahren. Er steckt in den Themen und könnte gleich an deren Umsetzung weiterarbeiten.
  • Heimatliebe und Einsatz: Möller liegt seine Heimatstadt am Herzen. Wenn er sich für etwas oder jemanden einsetzen will, meint er das auch so. Die Pflichten des Amtes nimmt er ernst und strengt sich an, dem Posten gerecht zu werden. Schade, dass man ihm die Anstrengung anmerkt.
  • Blick über den Tellerrand: Möller versucht, Politik für Waren und die Region zu machen. „Waren first” ist nicht seine Devise. Die Nachbarstädte freuts.

 

Die Stärken des Herausforderers Toralf Schnur sind:

  • Erfahrung: Seit 15 Jahren ist Schnur Kreisvorsitzender der FDP, seit zwölf Jahren Stadtvertreter, seit zehn Jahren Landesvorstandsmitglied der FDP und seit acht Jahren Kreistagsmitglied. Außerdem war er von 2006 bis 2011 Landtagsabgeordneter, hat also auch gute Verbindungen nach Schwerin.
  • Machtinstinkt: Schnur ist ein Vollblutpolitiker, der die beste Verhandlungsposition im Blick hat. Für alle wichtigen FDP/MUG-Anträge der laufenden Stadtvertreter-Legislatur konnte er die Mehrheiten beschaffen.
  • Volksnähe: Toralf Schnur ist in der Lage, Situationen zu erspüren und die Gefühle der Leute aufzunehmen.
  • Netzwerk: So manch einer dürfte sich wundern, mit wem Toralf Schnur schon alles auf dem Angelboot gesessen hat. Schnur fischt in vielen politischen Gewässern.
  • Willensstärke: Ein Blick in seine berufliche und politische Biografie zeigt, dass Schnur nicht alles zugeflogen ist. Im Gegenteil: er musste einstecken und scheiterte immer wieder. Aus diesen Krisen ist er gestärkt hervorgegangen.

Zum Nachschauen hier noch einmal das Video vom Nordkurier-Wahlforum auf der Warener Freilichtbühne:

[Video]

Zu den Schwächen des Amtsinhabers gehören:

  • Das Alter: Er ist 61 Jahre alt. Mit 65 könnte er in Rente. Auch wenn Möller beteuert, dass er für die vollen sieben Jahre antritt, muss die Gesundheit mitspielen. Zudem muss er sich keine Sorgen um eine Wiederwahl machen und könnte sich bequem in den Ruhestand retten.
  • Entscheidungsschwäche: Egal ob Tempo 30 oder Aqua-regia-Park, man bekommt den Eindruck, dass er sich vor unbequemen Entscheidungen drückt, sie vor sich herschiebt oder der Stadtvertretung zuspielt.
  • Kommunikation: Möller tut sich schwer mit kritischer Presse. Die sozialen Medien hat er erst im Wahlkampf für sich entdeckt. Was gut lief, hat wenig die Beachtung gefunden, weil er kaum aktive Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Zudem fehlte ihm oft das Fingerspitzengefühl oder gute Beratung bei Fettnäpfchen wie dem Vereinsbus, der Feuerwehr-Waschmaschine oder der Bürgersaal-Vermietung an die AfD.
  • Haltbarkeit von Aussagen: Beim Röbeler Jahresempfang 2014 versprach Möller, dass es mit ihm als Bürgermeister in Waren keine Konkurrenz zur Röbeler Müritz Therme geben werde. Heute relativiert er das stark. Zweites Beispiel: Als es 2015 darum ging, das Warener Sozialamt zu erhalten, sprach sich Möller auf dem Marktplatz für den Erhalt des Sozialamtes aus. Nur vier Tage später stimmte er im Kreistag dagegen.
  • Fehlender Rückhalt: Die SPD-Fraktion ist geschrumpft und zurückhaltend, wenn es um eigene Anträge und Ideen geht. Selbst wenn Linke und Grüne zur Hilfe kommen, reicht es nicht für eine Mehrheit. Bei einer Wiederwahl müsste Möller weiter machen, was das konservativ-bürgerliche Lager will. Zudem scheint auch der Rückhalt im Rathaus zu bröckeln. Immer wieder gelangen Informationen schneller an die Öffentlichkeit als auf Möllers Schreibtisch.

 

Auch der Gegenkandidat hat Schwächen:

  • Schnellschüsse: Seine Politik ist oft impulsiv aus dem Moment heraus. Das garantiert Aufmerksamkeit. Keiner prägte die Schlagzeilen so sehr wie er. Gute Ideen müssen sich aber auch langfristig positiv auswirken.
  • Temperament: Seine große Stärke ist auch seine Schwäche. Schnur lebt Politik mit Leidenschaft und schießt rhetorisch manchmal übers Ziel hinaus. Beim Kandidatenforum hat man ihm angesehen, wie schwer es ihm fällt, bei Provokationen cool zu bleiben.
  • Wortwahl: Er bringt Sachen auf den Punkt, versucht, komplexe Probleme zu vereinfachen und mit Witz zu pointieren. Das geht öfter schief und hat ihm den Ruf des Populisten eingebracht. Er machte sich dadurch nicht nur Freunde und wirkte manchmal weniger kompetent und informiert, als er in Wirklichkeit ist. Für das Bürgermeisteramt müsste Schnur mehr Staatsmann werden.
  • Freude am Austeilen: Schnur teilt gern Kritik aus und schießt dabei mit Schrot. Nicht nur politische Konkurrenten bekommen dies zu spüren, sondern auch die Verwaltungen.
  • Sein Ego: Was Möller fehlt, hat Schnur zu viel. Er nimmt Politik persönlich, stellt sich stark in den Vordergrund, hält aber auch den Kopf hin, wenn es ungemütlich wird.

 

 

 

 

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