ZU TEUER

Warens Politiker stoßen das Stadtmuseum ab

Die Stadtvertreter haben sich nun vom Stadtgeschichtlichen Museum getrennt. Die Konsquenzen sind längst nicht geklärt.
Seit 25 Jahren gibt es das Stadtgeschichtliche Museum. Leiter Jürgen Kniesz blickte vor einem Jahr zurück.   
Seit 25 Jahren gibt es das Stadtgeschichtliche Museum. Leiter Jürgen Kniesz blickte vor einem Jahr zurück. Carina Göls/Archiv
Waren.

Begegnungen mit der Zeit – dazu lädt das Stadtgeschichtliche Museum im Rathaus ein. Und mit der eigenen Geschichte, mit den Menschen der Stadt, mit dem Alltag des Warener Lebens im Wandel der Geschichte. Diese Alltäglichkeiten als etwas Besonderes erlebbar zu machen, das ist das Credo der Mitstreiter dieses Hauses. Schon mehr als ein Vierteljahrhundert in seiner jetzigen Form am Start, soll es nun de facto aus städtischer Hand an eine „Tochter“ weitergereicht werden. Die Stadtvertreter haben während ihrer jüngsten Zusammenkunft beschlossen, dass das Museum im Rathaus von der Kur- und Tourismus GmbH, die eine 100-prozentige Tochter der Stadt ist, übernommen werden soll.

Zu geringe Einnahmen

Das Stadtgeschichtliche Museum gerade bei den Stadtpolitikern immer wieder den Fokus geraten. Mit seinen „verschwindend geringen Besuchereinnahmen“ – zwischen 2012 und 2015 bewegten die sich zwischen 486 und 1557 Euro im Jahr – sei es nicht wirtschaftlich. Zumal städtische Zuschüsse – in besagtem Zeitraum beispielsweise in Höhe von 702 000 Euro nötig gewesen seien. Die Diskrepanz zwischen Einnahmen und Ausgaben konnte Museumschef Jürgen Kniesz nicht zurückweisen, gab aber immer wieder zu bedenken, dass nicht alles eine Frage des Geldes sei, es nicht sein dürfte. Alles in allem würden zwischen 8000 und 10 000 Leute das Museum pro Jahr entdecken oder wiederentdecken, nicht alle müssten (voll) zahlen. Neben Touristen und Einheimischen kommen auch viele Schülergruppen. Nur weil seinerzeit – nach der Wende – gesammelt wurde, habe man später etwas zeigen und retten können. Und mit zwei Euro pro Nase sei der Eintritt, den man überhaupt erst seit 2005 nehme, auch eher nur ein Obolus.

Zum größten touristischen Anbieter der Stadt

Diese Ansicht vertritt auch Jutta Gerkan (SPD/Die Grünen) vorm Parlament: Man darf nicht alles unter den finanziellen Aspekt stellen. „Waren ist so eine reiche Stadt und sollte besser in die Köpfe der Menschen statt immer wieder in Beton investieren!“ Dazu brauche es ein qualitativ hochwertiges Museum wie das stadtgeschichtliche.

Dieses wird nun unterm Dach der Kur- und Tourismus GmbH zum größten Anbieter touristischer Dienstleistungen in der Stadt gehören, der schon den Bürgersaal, die Waren-Info mit dem Haus des Gastes und der Campingplatz Ecktannen betreibt. Ob das gut geht? Cornelia Runge aus dem Unternehmen zeigte sich gegenüber Nordkurier zuversichtlich. Schließlich habe man Erfahrung, obgleich es Bereiche wie etwa das Archiv des Museums gebe, bei denen „wir sicher noch nach optimalen Lösungen suchen müssen“. Noch sei nichts konkret besprochen, müsste erst alles vertraglich festgezurrt werden.

Den beiden Mitarbeitern könnte es beinahe egal sein, was mit dem Museum geschieht, könnte man ketzerisch meinen, gehen sie doch in diesem bzw. im nächsten Jahr in Rente. Doch es ist Jürgen Kniesz und Joachim Kluge alles andere als gleichgültig. Ihre Leistung, ihr Herzblut und vor allem die historischen Gaben der Warener, die unermüdlich etwas ins Museum getragen haben, machen das Haus aus. Dass diese historischen Werte nicht verloren gehen und weiter gezeigt werden, das ist das Wichtigste, heißt es aus dem Museum. „Wir hoffen, dass es gut weitergeht. Die Einträge im Gästebuch zeigen den Wert des Hauses“.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Waren

zur Homepage