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Warum diese Müritzer am Rad drehen

Flaschenkinder: Das Proviant macht einen wesentlichen Teil des Radgewichts aus.
Flaschenkinder: Das Proviant macht einen wesentlichen Teil des Radgewichts aus.
Carsten Schönebeck

Runter von der Couch, rein in den Sattel. Die Radsportgruppe "Team Müritz" hat schließlich große Pläne für die nahe Zukunft. Und Trainer Michael Massow verrät, warum er beim Radeln trotzdem nur selten ins Schwitzen kommt.

Wenn er dabei nicht lächeln würde, man könnte vermuten, dass er es zynisch meint. Denn wenn Massow gerade nicht faul ist, dann ist er Übungsleiter für Ausdauersport beim Müritz-Sportclub. Und einige seiner Schützlinge haben in 53 Tagen großes vor.

Die Vorbereitung der Radsportler läuft seit Monaten. Zuletzt sogar mit einem Trip nach Mallorca. Aus Eimern wurden da allerdings höchstens Sport-Drinks konsumiert. "Wir haben in der Woche 800 Kilomter zurückgelegt", berichtet Mitradlerin Antje Fink. Und das geht langsam in die Richtung dessen, was die Sportler für den 23. Mai planen. Dann startet die Mecklenburger Seenrunde. 300 Kilometer in 24 Stunden. Nichts für "Pedalritter" oder "Drahteseltreiber". Da muss schon sportliches Gerät herhalten. "Das schwerste daran ist die Wasserflasche", scherzt Michael Massow mit Blick auf die Rennräder. Ein gutes Dutzend davon lehnt am Samstagmorgen am Warener Hafen. Sieben bis acht Kilo wiegt eines davon. Proviant nicht eingerechnet. "Der Unterschied zu einem normalen Fahrrad sind etwa fünf Stundenkilometer", schätzt der Trainer. Vergnüglicher wird die Fahrt dadurch nicht unbedingt. Denn gespart wird auch an der Federung. Antje Fink schwant nichts Gutes: "Wir haben heute ein ganzes Stück Kopfsteinpflaster vor uns."

Die Trainingsausfahrt führt das "Team Müritz" am Samstag über Ankershagen und Neustrelitz nach Malchow und schließlich wieder in den Heimathafen. "Ein paar Leute holen wir noch in Kargow ab", sagt Fink mit Blick auf die behelmte Gruppe. Rund 20 Teilnehmer sind es, die den Ausritt wagen. 152 Kilometer - geplant sind fünf Stunden. "Vielleicht auch sechs", schränkt sie ein. Eine Pause in Röbel ist geplant. Sonst wird durchgezogen soweit die Sattel tragen. Die Test-Strecke ist immerhin halb so lang, wie das angepeilte Trainingsziel Ende Mai. Dann soll per Rad nicht nur die Müritz-Region, sondern auch die Mecklenburgische Schweiz erfahren werden. Neben den großen Ausfahrten steht auch unter der Woche zwei Mal Training an.Als Vorbereitung für die Wettkämpfe, aber vor allem aus Spaß an der Freude, wie die Teilnehmer betonen.

Die gute Laune ist am Samstagmorgen spürbar. Da liegen Kopfsteinpflaster und andere Anstrengungen ja auch noch vor den Hobby-Sportlern. "Neben dem Radfahren selber ist Dehnung für das Training wichtig", erklärt Michael Massow. Denn die Rennräder sind nicht zwingend rückenfreundlich. "Die Sattel sind so hoch, dass der Oberkörper praktisch liegt", erklärt der Trainer. Weniger Luftwiderstand aber auch eine Belastung für die Muskulatur. Und die beste Trainingsgeschwindigkeit? "So, dass man sich noch mit dem Nebenmann unterhalten kann." Von denen wird es am 23. Mai genügend geben. Mehr als 2000 Teilnehmer haben sich für die Mecklenburger Seenrunde angesagt.

Und was bringt so jemanden wie Michael Massow, nun zum Schluss, er sei ein fauler Mensch? Das Rennrad, verrät er, sei ja nicht sein einziges Fortbewegungsmittel. Zur Arbeit geht es täglich ganz gelassen mit dem E-Bike. Da kommt man so schnell nicht ins Schwitzen.