WAHRZEICHEN VON WREDENHAGEN

Warum wird dieser Stier aus Heu immer dicker?

Er ist nicht zu übersehen: An der Dorfstraße in Wredenhagen hält Stier Wredo seit Jahren Wache. Anfangs war der Prachtbursche auch noch ziemlich schlank …
Petra Konermann Petra Konermann
Wredo von Wredenhagen ist mit den Jahren zu einem stattlichen Dorf-Maskottchen herangewachsen.
Wredo von Wredenhagen ist mit den Jahren zu einem stattlichen Dorf-Maskottchen herangewachsen. Petra Konermann
Christoph Oechlse und Julialne Krüger-Oechsle sind die „Eltern“ von Wredo, dem Stier von Wredenhagen. Seit 2012 steht der am Straßenrand und muss oft auch einiges aushalten.
Christoph Oechlse und Julialne Krüger-Oechsle sind die „Eltern“ von Wredo, dem Stier von Wredenhagen. Seit 2012 steht der am Straßenrand und muss oft auch einiges aushalten. Petra Konermann
Nur echt mit Ohrmarke: Hier sind die Gründung des Dorfes 1284 und Wredos Geburtsjahr 2012 verewigt.
Nur echt mit Ohrmarke: Hier sind die Gründung des Dorfes 1284 und Wredos Geburtsjahr 2012 verewigt. Petra Konermann
Wredenhagen.

Fast hätte Wredos letztes Stündlein geschlagen. Seine Schöpfer Christoph Oechsle und und Juliane Krüger-Oechsle aus Wredenhagen wollten eigentlich nicht mehr Hand an ihr wohl berühmtestes Heutier anlegen. Zu oft schon hatte Wredo gelitten: an den Einflüssen von Wind und Wetter, vor allem aber durch Kletterer, die immer wieder auf den Rücken des Stieres krabbelten und so den Aufbau des empfindliches Tieres zerstörten. „Wir haben schon daran gedacht, den Stier abzubauen, da es jedes Mal viel Arbeit bedeutet, ihn wieder herzurichten“, sagte Juliane Krüger-Oechsle.

Aber das Paar hatte seine Rechnung ohne die Wredenhagener gemacht. Ihnen war das Tier längst ans Herz gewachsen, und vielen von ihnen gilt es – neben der historischen Burganlage – als Wahrzeichen des Dorfes. „Und so haben wir uns noch mal überreden lassen und Wredo wieder schön gemacht“, sagt die Wredenhagenerin.

Tragfähige Unterkonstruktion aus Metall

Das ist jedes Mal viel Arbeit: Rund die Hälfte eines großen Heuballens muss verarbeitet werden, um das Fell des Stieres aufzufüllen. Dabei wird ein dünner, aber reißfester Nylonfaden verwendet, mit dem das Heu um die Statur des Stieres gewickelt wird. Und genau diese feinen Nylomnbänder sind es, die bei den Kletteraktionen zerrissen werden – sehr zum Verdruss von Wredos Erbauern. Drei Tage dauerte die jüngste Heufrischzellenkur, die Wredo von Christoph Oechlse und Juliane Krüger-Oechsle verpasst bekam.

Seit 2012 steht Stier Wredo an der Dorfstraße gleich neben der Burg. Um den Stier zu bauen, bedurfte es einer tragfähigen Unterkonstruktion aus Metall, die Christoph Oechlse gemeinsam mit Ingolf Kirchhoff geschweißt hatte. „Uns war klar, dass der Stier einiges wird aushalten müssen. Nicht nur die unbefugten Kletterer, sondern auch Gewicht. Denn sobald es regnet und der Stier nass wird, hat er bestimmt ein Gewicht von knapp zwei Tonnen“, erklärt Christoph Oechsle. Der studierte Künstler und Schmuckdesigner hat dem Stier dann mit Heuballen seine Form gegeben und damit auch ein bisschen seiner Leidenschaft gefrönt, denn eigentlich wollte er Bildhauer werden. Wredo jedenfalls ist gelungen, auch wenn der Bulle von Jahr zu Jahr dicker wird. „Anfangs war er noch ganz schlank, aber er hat zugelegt mit der Zeit durch die immer wieder notwendigen Reparaturen und Aufpolsterungen“, meint Juliane Krüger-Oechsle.

Bitte an Stier-Fans: Nur gucken, nicht raufklettern!

Stier Wredeo nimmt die Erneuerungsarbeiten an seinem Körper gelassen, es scheint im Gegenteil sogar, dass dem gemütlichen Bullen die stattliche Statur ganz recht ist. Sein ausdrucksstarkes Gesicht bekommt Wredo übrigens auch durch ausrangierte Dinge aus dem Haushalt: Seine Schnauze samt Nüstern ist aus dem Boden einer alten Babybadewanne geschnitten, seine Augen bestehen aus schwarzen Wollknäulen, und seine Wimpern stammen von einem ausgedienten Besen. Und wer ganz genau hinschaut, der erkennt, dass Wredo kein Ochse, also kein kastrierter Bulle, sondern ein echter Stier ist. Da wundert sich so mancher Betrachter, was man alles aus Heu so machen kann ...

Dass nun gerade ein Stier an der Wredenhagener Dorfstraße steht, auch das hat seinen Grund: „Ich habe gedacht, so ein Stier als Mecklenburger Wappentier macht Sinn. Denn Wredenhagen ist schließlich das erste Mecklenburger Dorf, durch das man von Süden her aus dem Brandenburgischen in die Müritzregion fährt“, erklärt Christoph Oechsle.

Er und seine Frau wünschen sich für den erneuerten Wredo nur eines: Dass Fans den Stier nur betrachten und fotografieren, vielleicht noch streicheln, auf keinen Fall aber auf ihm herumklettern. Damit Wredo noch lange an der Wredenhagener Dorfstraße stehen kann.

 

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p.konermann@nordkurier.de

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