Dank des Polizeifotos weiß man zumindest ein bisschen, was hinter den Mauern von "Alcatraz" vor sich ging.
Dank des Polizeifotos weiß man zumindest ein bisschen, was hinter den Mauern von "Alcatraz" vor sich ging. NK-Kombo - Polizei (Vordergrund), Carina Göls (Hintergrund)
Nach SEK-Einsatz

Was geschah in „Alcatraz“ an der Müritz?

Wie ein unauffälliger Dorfbewohner aus ihrer Mitte ins grelle Licht von Polizei und Öffentlichkeit gerät, das erlebte jetzt ein kleines Dorf an der Müritz. Der Nordkurier war dort.
Ankershagen

Nach zehn Minuten war alles vorbei. Bei der morgendlichen Durchsuchung des Sondereinsatzkommandos (SEK) stürmten Polizisten ein Gehöft in einem Ortsteil von Ankershagen. Nicht mal 30 Einwohner zählt die Siedlung, die das Blaulicht wie im Film erlebte.

„Alcatraz” war auch ins Dorf hin abgeschottet

„Alcatraz“ nannte man dort den Hof des Mannes, der noch am Donnerstag festgenommen worden war und der inzwischen in Untersuchungshaft sitzt, nachdem das Amtsgericht Waren einen entsprechenden Haftbefehl erließ. Noch ist es nur ein Verdacht – es gilt die Unschuldsvermutung. Doch auch die Funde auf dem Gelände verstärken den Verdacht der Ermittler, dass es hier um Drogen im ganz großen Stil ging.

Trotz des Spitznamens: Ganz so wie im bekannten US-Inselgefängnis ging es auf der ehemaligen Reitanlage des Verdächtigen wohl nicht zu. Doch was zu dem Synonym führte, waren der aufgeschüttete Wall und der hohe Zaun mit Tor und Gefahrenwarnung, die den Dorfbewohnern zumindest etwas „eigenwillig“ vorkamen, so schildete es etwa das Paar, das gegenüber der Anlage lebt, gestern im Gespräch mit dem Nordkurier. „Der Mann ist immer unauffällig, aber nicht uninteressiert gewesen. Er war ein Einzelgänger, hat aber niemandem etwas getan“, erzählt die Frau.

47 Hunde auf dem Gelände: Was wurde aus ihnen?

Er habe einen Zaun setzen lassen, ja, dahinter der Erdwall und nur noch die Spitze des früheren Reitstalls sei zu sehen gewesen. „Aber die Hunde waren sein Ein und Alles. Für sie hätte er sich beide Hände abnehmen lassen“, beteuert ein anderer Einwohner. 47 Tiere sind es laut Polizei gewesen, die dort die „womöglich Teil eines illegalen Zuchtbetriebs sind“, wie es weiter hieß.

„Die Hunde wurden nicht beschlagnahmt, sondern in umliegenden Tierheimen untergebracht, um die Versorgung der Tiere sicherzustellen. Der Ernährungszustand der Hunde war in Ordnung. Fünf der Hunde wurden zur Untersuchung und Behandlung in einer Tierarztpraxis vorgestellt“, informierte am Freitag auf Anfrage Nils Henke, Pressereferent der Kreisverwaltung Mecklenburgische Seenplatte. Um welche Hunderasse es sich handelt, konnte er nicht sagen.

Drogen im Wert von bis zu 300 000 Euro

Konkreter wurde die Polizei: Nach dem es am Donnerstag 1500 Marihuana-Pflanzen unterschiedlicher Größe und drei Waffen, die man bei der Durchsuchung entdeckt hatte, sei man nun sogar auf 1700 Pflanzen gekommen, die die Drogenfahnder auf dem „weitläufigen Gelände des 59-jährigen Schweizers“ entdeckt haben. „Das wären rund 30 Kilogramm Drogen zum Verkauf. Damit liegen wir bei einem aktuellen Marktwert von rund 300 000 Euro“, sagte Claudia Tupeit vom Neubrandenburger Polizeipräsidium.

Das sei auch der Ertrag, den „der Beschuldigte aus früheren Ernten erzielt haben könnte“, da werde aber noch ermittelt. Der festgenommene Mann wird in U-Haft bleiben. Das bestätigte am Nachmittag die Neubrandenburger Staatsanwaltschaft. Deshalb sei dem Haftantrag auch stattgegeben worden. Davon waren die Ermittler bei den Vorwürfen gegen Mann, der nach Angaben aus dem Dorf „vor zehn Jahren aus Diepholz in Niedersachen und nicht aus der Schweiz zugezogen war“, auch ausgegangen.

Wenn ein Urteil fällt, geht es wohl nicht um Bewährung

Die Anschuldigungen wegen der „Waffen, des Marihuana-Anbaus und wahrscheinlich der illegalen Hundezucht“ wögen so schwer, dass die zu erwartende Strafe gewiss nicht im Bereich einer Bewährung läge und damit die Fluchtgefahr hoch sei. Zudem, so war aus dem Polizeipräsidium zu erfahren, könne man nicht ausschließen, im Haus des Beschuldigten weitere Beweise zu finden, die er nun nicht mehr vernichten könnte.

„Wir sind ja hier nicht viele, und eigentlich kennt jeder jeden. Ich hab ihn manchmal mit ein paar Tieren gesehen oder er hat sich an uns gewandt, ob alles okay sei mit dem Zaun und so. Was er genau trieb, das wissen wir natürlich nicht, aber das wäre ja eine ganz schöne Hausnummer mitten unter uns paar Leutchen“, meint das Paar aus der Nachbarschaft und blickt nachdenklich auf „Alcatraz“.

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