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Was lange schwelt, wird endlich Teer: Jetzt fehlen nur noch die Touristen

Das schwarz-klebrige Endprodukt fängt Jörn Tapper in Bottichen auf und verkauft es unter anderem an Jäger.

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg DöbereinerIn Sparow steht der größte aktive Teerofen Europas. Mit seinen Produkten kann man Schiffe abdichten, ...

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg Döbereiner

In Sparow steht der größte aktive Teerofen Europas. Mit seinen Produkten kann man Schiffe abdichten, Wildtiere anlocken und Würstchen grillen.

Sparow.Wenn Holz verbrennt, bleibt nichts als Asche. Wenn es aber schwelt, gibt es nach und nach wertvolle Stoffe frei – und auf genau die hat es der Teerschweler abgesehen. Der Beruf, den Jörn Tapper in seinem Freilichtmuseum am Ortsrand von Sparow näher bringt, beginnt im Wald, beim Schlagen des Buchenholzes. Mit dem Holz füllt der Schweler den großen Raum in der Mitte des runden, etwa vier Meter hohen Ofens aus Schamottziegeln an. Gut und gerne 40 Festmeter schlichtet er dort auf, danach wird die Öffnung vermauert, denn keine Luft darf an das Holz gelangen.
Gleich nebenan, im Brennraum, erzeugt anderes Holz die enormen 700 Grad, die nötig sind, um die Buchenscheite zum Glühen zu bringen. Hat sich der Ofen erst einmal derart erhitzt, brennt er unwiderruflich. „Wollte man das Feuer zu diesem Zeitpunkt mit Wasser löschen, würde sich der Wasserstoff sofort spalten – es gäbe eine gefährliche Explosion“, weiß Jörn Tapper. Nach einer Woche Dauer-Hitze fließt irgendwann Teer durch eine kleine Abflussrinne nach draußen. Früher verkaufte es der Teerschweler an Werften, die damit ihre Schiffe abdichteten. Heute sind Jörn Tappers Kunden vor allem Jäger, die damit Wild anlocken – denn Reh und Hirsch wissen um die heilende und desinfizierende Wirkung des Teers. Im Ofen selbst bleiben mehr als zwei Tonnen Kohle übrig, die als hochwertige Grillkohle ihre Käufer findet.
Eigentlich ist der größte aktive Teerofen Europas in Sparow eine Attraktion. Wo sonst kann man im Sommer selbst Brot backen oder seine eigene Zeichen-Kohle herstellen? Dennoch könnte Jörn Tappers Geschäft besser laufen. „Ich lege nicht drauf, werde aber auch nicht reich damit“, sagt er. Vor zwei Jahren begann er den Privatbetrieb, seither machen ihm vor allem ausbleibende Touristen Sorgen. In die Sommer-Saison, die im Mai beginnt, startet er mit gemischten Gefühlen: „Auch wenn es schwierig ist: Es steckt so viel Herzblut drin, dass man es nicht einfach aufgeben möchte.“

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j.doebereiner@nordkurier.de