Übergabe-Inszenierung

Waschmaschinen-Foto wirft Fragen auf

Wenn eine Wahl ansteht, kommt eine Spende für die Feuerwehr dem Bürgermeister gelegen. Doch ganz sauber ist die Waschmaschinenaktion in Waren nicht gelaufen, meinen Stadtvertreter.
Dieses gestellte Foto mit Warens Bürgermeister Norbert Möller (SPD) und Nadine Julitz (SPD) mit der geförderten
Dieses gestellte Foto mit Warens Bürgermeister Norbert Möller (SPD) und Nadine Julitz (SPD) mit der geförderten Waschmaschine sorgte in der Warener Stadtvertretung für Kritik. Die angeschaffte Technik soll schon seit Ende Mai dort stehen. ZVG
Waren

Dass Warens Bürgermeister Norbert Möller (SPD) und die Landtagsabgeordnete Nadine Julitz (SPD) kurz vor der anstehenden Bürgermeisterwahl am 13. September auf einem Foto bei der Freiwilligen Feuerwehr posieren, hat für Ärger und kritische Fragen bei der Stadtvertretersitzung gesorgt.

Feierliche Übergabe nur mit Möller und Julitz

Am Mittwoch hatte der Nordkurier unter der Überschrift „Waschmaschine für die Feuerwehrwache“ darüber berichtet, dass die Warener Kameraden eine Industriewaschmaschine und einen Trockner bekommen haben, mit dem sie kontaminierte Einsatzkleidung waschen und trocknen können. Zur feierlichen Übergabe am Montag wurden zwar Nadine Julitz und Norbert Möller eingeladen, die örtliche Presse hingegen nicht. Stattdessen schickte die Wehr selbst am Dienstagabend eine Pressemitteilung mit Foto raus.

Weil die ehrenamtliche Arbeit der Brandlöscher und Retter nicht hoch genug geschätzt werden kann und öffentliche Anerkennung verdient, wurde das Foto trotz des Selbstinszenierungs-Charakters kurz vor der Wahl verwendet. Auch in der Annahme, dass es sich um ein aktuelles Ereignis handelt.

Waschmaschinen stehen schon länger bei der Feuerwehr

Doch wie nun durch die Nachfrage eines gut informierten Stadtpolitikers herausgekommen ist, stehen die Geräte schon seit Monaten bei der Feuerwehr. Genauer gesagt, seit Ende Mai. Genug Zeit also, um die Öffentlichkeit über diese Neuanschaffung, die aus dem Strategiefonds des Landes MV finanziert wurde, zu informieren.

Dass es nun so nah an die Wahl heranrückte, habe mit ihrem vollen Terminkalender zu tun, erklärte Nadine Julitz bei der Stadtvertretersitzung. „Das lag an meiner Person. Der Bürgermeister wurde über den Termin nur informiert und eingeladen“, sagte Julitz. Dass Norbert Möller sich dann wiederum nicht die Chance nehmen ließ, auch auf dem Foto zu sein, sei „normales Bürgermeisterhandeln“, wie Möller es bezeichnete. „Die Arbeit der Feuerwehr ist wichtig und Frau Julitz hat diese Förderung möglich gemacht“, erklärte Möller. Toralf Schnur (FDP/MUG) äußerte den Wunsch, dass zukünftig vielleicht auch die Fraktionen zu solchen wichtigen Terminen eingeladen werden sollten.

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Wahlwerbung kurz vor der Bürgermeisterwahl?

Das Waschmaschinen-Foto ist nicht die erste Aktion des Bürgermeisters im Wahljahr, die Kritik hervorruft. Erst im Juni gab es einen Streit darüber, ob die Präsenz von Norbert Möller mit vielen Fotos bei wenig Inhalt im Warener Wochenblatt, das durch Gelder der Stadt mitfinanziert wird, noch der Information dient oder schon als Wahlwerbung bewertet werden müsste. Möller wies die Kritik damals zurück. „Wenn ich das Warener Wochenblatt für eine Selbstdarstellung nötig hätte, dann hätte ich in den vergangenen sechs Jahren keinen guten Job gemacht“, sagte der Amtsinhaber.

 

 

Kommentar: Ingmar Nels meint

Wahlkämpfer machen zu viel Show

„Bitte keine Pinguin-Bilder“, wird jungen Journalisten stets als Arbeitsauftrag mitgegeben, wenn sie ein Foto bei einer Scheckübergabe machen sollen. Leider lässt es sich in vielen Fällen nicht verhindern, dass die Wohltäter mit auf das Foto springen. Dabei geht es eigentlich um die Sache, nicht um die Person.

Doch diese Selbstinszenierung als Kümmerer ist Teil des Geschäfts. In einem bestimmten Rahmen spielt man dieses Spiel mit, in der Hoffnung, die eifrigen Politiker nicht zu bremsen und die Leser nicht zu sehr zu foltern. Beim Waschmaschinen-Foto war es aber nun zu viel. Denn dass die Geräte bereits seit Monaten da sind, haben wir nicht gewusst. Die Technik wird gebraucht, die Show drum herum nicht. Insofern war die Aktion nicht ganz sauber.

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