Geschichte

▶ Weg der Kerzen soll Erinnerung an Friedliche Revolution beleuchten

In aller Stille hatte Zeitzeuge und Keramikkünstler Franz Poppe vor Monaten sein Kerzendenkmal im Eingangsbereich der Warener Marienkirche aufgestellt. Nun konnte es offiziell eingeweiht werden.
Künstler Franz Poppe und Zeitzeugin Gisela Dunker vor der Warener Marienkirche
Künstler Franz Poppe und Zeitzeugin Gisela Dunker vor der Warener Marienkirche Miriam Brümmer
Christian Holz (CDU, links) ist einer der Wegbegleiter für das Kerzendenkmal.
Christian Holz (CDU, links) ist einer der Wegbegleiter für das Kerzendenkmal. Miriam Brümmer
Die Wanderausstellung „Spurensuche“ dokumentiert Orte der Friedlichen Revolution in M-V und ist in der Warener Mar
Die Wanderausstellung „Spurensuche“ dokumentiert Orte der Friedlichen Revolution in M-V und ist in der Warener Marienkirche zu sehen. Miriam Brümmer
Warens Bürgermeister Norbert Möller (2. v. l.) und  der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Joch
Warens Bürgermeister Norbert Möller (2. v. l.) und der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Jochen Schmidt (3.v.l.) eröffneten vor dem Erinnerungszeichen des Landes „Perspektiven zur Freiheit“ den „Weg der Kerzen“ an der Georgenkirche. Miriam Brümmer
Waren

Am 16. Oktober 1989 begannen die ersten friedlichen Demonstrationen gegen die DDR-Obrigkeit in Waren. Genau 32 Jahre später trafen sich am Samstag wie damals wieder Menschen vor der Georgenkirche vor dem zentralen Erinnerungszeichen „Perspektiven zur Freiheit“, das vor einem Jahr im Beisein von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) übergeben worden war. Von dort folgten sie dem Weg der Kerzen, den Pflastersteinen in Kerzenform folgend, von der Schulstraße an der Georgenkirche über die Lange Straße bis zur Marienkirche.

Auch als Mahnung für die Jugend von heute gedacht

Neben dem zentralen Erinnerungsort hatte die Landeszentrale für politische Bildung aufgerufen, eigene Orte der Erinnerung zu schaffen. In Waren sind dies die von Keramiker Franz Poppe geschaffenen zehn Kerzen, die durch ihre verschiedenen Größen den Unterschied der Menschen symbolisieren soll, die damals die Friedliche Revolution begannen. Viele ältere Bürger und Zeitzeugen und einige junge Menschen waren bei der Festveranstaltung am Wochenende dabei.

 

Zu wenig junge Leute, wie Gisela Dunker findet. Die Warener Ärztin gehört mit Christian Holz, Margitta Kuka, Franz Poppe, Werner Mahlau, Jürgen Kniesz und Jasmin Glause zu den Initiatoren des Kerzen-Denkzeichens. Weil so wenig Jüngere dabei waren, sei es um so wichtiger, an den Oktober 1989 zu erinnern, ist Gisela Dunker sicher.

„Eine Hoffnung lernt laufen“

In Waren sei besonders gewesen, dass zwei Gemeindediakone, Martina Domann und Michael Lewek, damals die Idee hatten, den Protest aus Orten wie Leipzig, Dresden oder Berlin auch in die Müritzstadt zu tragen. „Wir waren genauso wütend und traurig über die Entwicklung, die damals in der DDR passierte“, erinnerte sich Dunker. Die Diakone konnten die Pastoren der Georgen- und der Marienkirche und weitere Mitstreiter für diese Idee gewinnen. Es folgten Treffen in einigen Privatwohnungen von engagierten Mistreitern, zu denen unter anderem der Kinderarzt Dr. Thomas Müller, der Theologe Christoph de Boor und Manuel Köpp gehörten. Sie bildeten die Bürgerbewegung „Neues Forum“. Zu den Montagsdemos mit Kerzen-Märschen von der Georgen- zur Marienkirche prägte Martina Domann den oft zitierten Satz: „Eine Hoffnung lernt laufen“. Der erste Marsch wurden in der Marienkirche mit einem Friedensgebet abgeschlossen. Eine Woche später gingen schon wesentlich mehr Menschen auf die Straße. Öffentliche Diskussionen folgten. „Sie dürfen nicht vergessen, in der Großen Wasserstraße standen die Wagen der Bereitschaftspolizei“, erinnert sich Gisela Dunker zurück.

Es sei mutig gewesen zu diesem Zeitpunkt in die Kirchen und auf die Straße zu gehen, während in Berlin die Bürger verhaftet wurden. „Die Angst kann ich gar nicht beschreiben und das kann keiner nach über dreißig Jahren Demokratie nachvollziehen. Es ging um die Familie, es ging um die Existenz. Wer auf die Straße ging, musste damit rechnen, dass nebenan die Stasi stand. Es war eine schlimme Zeit“, das müsse die Jugend wissen und deshalb sei es wichtig, dass das Kerzendenkmal endlich öffentlich wird, mahnte Gisela Dunker.

Fotoausstellung erinnert an die Tage im Herbst 1989

Kerzen seien nicht nur ein Symbol für Frieden, sondern nun vielleicht auch für Freiheit, sagte sie. Sie sollen die Jugend erinnern, dass so eine Diktatur wie die DDR nicht mehr zugelassen werde. Sie dankte allen Beteiligten, insbesondere der Marienkirche für den Standort im Eingangsbereich und dem Künstler Franz Poppe, der dieses Denkmal allen Warenern und der Stadt geschenkt hat.

Im Inneren der Kirche wurde im Anschluss die Fotoausstellung „Spurensuche“ eröffnet, die auf das gleichnamige Buch „Spurensuche. Orte der Friedlichen Revolution in Mecklenburg-Vorpommern“ zurückgeht. Es wurde vor zwei Jahren von der Landeszentrale für politische Bildung rausgebracht. Mit dem Buch sollen junge Menschen für das Thema Friedliche Revolution interessiert werden, die bisher noch nicht in Kontakt damit kamen.

 

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