GERICHTSBERICHT

Weiche Drogen zu Hause – Mann kassiert mildes Urteil

Im Haus eines Mannes wurde ein Potpourri an Drogen gefunden. Seine Argumentation: Gäste hätten die bei ihm vergessen. Doch das glaubte man ihm nicht.
Woher die Drogen-Beutel in seiner Wohnung stammten, konnte der Mann nicht sagen.
Woher die Drogen-Beutel in seiner Wohnung stammten, konnte der Mann nicht sagen. Kriminalpolizeiinspektion Rostock
Hätte das Gericht dem Angeklagten mehr als 60 Tagessätze an Geldstrafe aufgebrummt, hätte er bestimmten Tä
Hätte das Gericht dem Angeklagten mehr als 60 Tagessätze an Geldstrafe aufgebrummt, hätte er bestimmten Tätigkeiten nur noch schwer oder nicht mehr ausüben können. Bernd Wüstneck
Neustrelitz.

Ein Haus, ein Schreibtisch, eine schwarze Box – und darin eine bunte Vielfalt an Drogen. Ein junger Mann aus Neustrelitz musste sich aus diesem Grund vor dem Warener Amtsgericht erklären. Plausibel waren seine Erklärungen nur bedingt. Bei dem Strelitzer Richter Manfred Thiemontz und auch der Staatsanwältin bleiben auch nach dem Urteilsspruch Zweifel an den Geschehnissen vor rund zwei Jahren.

Während der Verhandlung zeigte sich der beschuldigte Drogenbesitzer allerdings ruhig und argumentierte sachlich an der Seite seiner Verteidigerin Anett Hildebrandt. Die wollte eine möglichst milde Strafe für ihren Mandanten. Eine, die ihm beruflich in der Zukunft keine Knüppel zwischen die Beine legt. „Ab 90 Tagessätzen gilt man als vorbestraft, bei mehr als 60 Tagessätzen sind bestimmte Genehmigungen nur noch sehr schwer oder gar nicht zu bekommen“, argumentierte die Anwältin. Sie verwies dabei etwa auf Ausschankgenehmigungen.

Den Besitz von 6,2 Gramm Marihuana gab der Mann zu

Vor Gericht musste der junge Mann plausibel erklären, wie es sein kann, dass in besagter schwarzer Box zwischen Unmengen von transparenten Plastikbeuteln kleine Mengen von sogenannten weichen Drogen wie Pilzen, Marihuana und Co. landen konnten. Eine Frage, auf die der Beschuldigte allerdings keine rechte Antwort wusste.

„Immer wenn ich abends nach Hause komme, entleere ich meine Taschen – das alles landet dann in dieser Box“, deutet er auf ein Beweisfoto, auf dem gut 50 zerknitterte Plastikbeutel zu sehen sind. Dass dort eines Tages verpackte Pilze in jener Box lagen, sei ihm trotz des farblichen Kontrastes nicht aufgefallen. Dass man die Pilze zum Berauschen verwenden kann, kam ihm beim späteren polizeilichen Entdecken in den Sinn, räumte der Angeklagte selbst ein. Doch weder die Pilze noch die elf Gramm Haschisch gehörten ihm. Lediglich einen Besitz gab er zu – und zwar den von 6,2 Gramm Marihuana.

Bekannte und Gäste? „Weltfremde Schutzbehauptung”!

Wie die anderen Drogen in seinem Haus landen konnten, dafür hielt der Angeklagte eine abenteuerliche Variante vor: „Ich habe Bekannte und Gäste im Haus, die die Drogen vielleicht vergessen haben“. Diese Argumentation deklarierte die Staatsanwältin allerdings sofort resolut als „weltfremde Schutzbehauptung“. Für den Eigenkonsum des Marihuanas forderte die gegnerische Seite 100 Tagessätze à 50 Euro, insgesamt also 5000 Euro. Das aber hätte den Selbstständigen beruflich stark einschränken, wenn nicht sogar ruinieren können. „Er geht immerhin einer regelmäßigen Arbeit nach und hat das zugegeben, was tatsächlich ihm gehört“, verteidigte ihn seine Anwältin.

Seine Hände konnte sich der Strelitzer aber nicht in Unschuld waschen. Richter Manfred Thiemontz verurteilte ihn schließlich zu einer Geldstrafe von insgesamt 2400 Euro, damit der junge, nicht vorbestrafte Mann beruflich keine Schwierigkeiten bekommt. Allerdings stellt Thiemontz auch klar: „Bei Ihnen wurde ein ganzes Potpourri an Drogen gefunden. Welche zu besitzen, beginnt an dem Punkt, wo jemand es für möglich hält, dass es sich bei Substanzen um Drogen handeln könnte“, mahnte er.

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Kommentare (5)

2400€ und der Staatsanwalt hat sogar das doppelte gefordert. Dafür das jemand niemanden außer sich selbst schadet, wenn überhaupt.
Aber wenn zwei Frauen 10 Hundewelpen klauen und verkaufen, gibt es nur ein Bruchteil als Strafe (ja, ich weiß, das die Strafen sich auch nach dem Einkommen richten).
Ganz komische Gewichtung...

Er ist am Ende doch nur Konsument geblieben. Viel schlimmer sind doch die Drogen-Dealer und die Labors im Ausland die diesen Dreck unters Volk bringen. Da sollte man härter durchgreifen. Der Gesetzgeber ist auch nicht mehr in der Lage die Situation bei den syntetischen Drogen im Griff zu bekommen. Der Markt blüht förmlich auf, ohne Verbraucherschutz, ohne Zoll und Polizei. Der Staat schaut wie Frau Merkel bei den Flüchtlingen einfach nur weg. Ja und bei Pilzen, ich sammel auch Pilze im Wald zum essen, bin ich deswegen schon strafmündig?

Keine Pflanze ist illegal!

was für ein Wahnsinn.. 2400 Euro wegen Konsum / Rauchen eines dämlichen Krautes.
Wegen Gewalttaten gehen manche Leute mit deutlich weniger nach Hause.

Da freut sich doch die Staatsmacht, dass sie wieder einen Dummen gefunden hat, dem man die Taschen leeren kann und der ansonsten keinen Ärger macht.
Das ist doch wirklich herrlich.

Wofür hat er eigentlich die "Unmengen von transparenten Plastikbeuteln" gebraucht?! Doch nicht etwa zum Weiterverkauf?