Wassermangel

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Weihnachtsfrust in der Hitze: Wird die Tanne teurer?

In manchen Forstämtern sind schon junge Bäume vertrocknet. Auch Weihnachtsbaum-Erzeuger befürchten, dass ohne Regen ein Totalausfall bei den Neuanpflanzungen droht. 
In manchen Forstämtern sind schon junge Bäume vertrocknet. Auch Weihnachtsbaum-Erzeuger befürchten, dass ohne Regen ein Totalausfall bei den Neuanpflanzungen droht.
Eckhard Kruse

Die anhaltende Hitze macht sogar Weihnachtsbäumen zu schaffen. Bei neu angepflanzten Bäumen droht ein Totalausfall. Das kann Folgen fürs Fest haben.

Gerade erst haben die Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern begonnen und schon jetzt geht der Blick Richtung Weihnachtsfest. Denn fünf Monate vor der Adventszeit setzen Trockenheit und Hitze den Christbäumen zu.

Vor allem Neuanpflanzungen sind von der anhaltenden Trockenperiode betroffen, sagt Benedikt Schneebecke. Er ist Eigentümer und Betriebsleiter der Ostseetanne. Das Unternehmen verkauft Weihnachtsbäume in der Müritzregion und weiteren Teilen der Seenplatte. „Die Neuanpflanzungen sind bereits stark vertrocknet. Regnet es in den kommenden Wochen nicht vernünftig, droht der Totalausfall”, macht Schneebecke deutlich. Derzeit sei etwa jede dritte Neuanpflanzung in seinem Unternehmen nicht mehr für den Verkauf geeignet.

Die Nordmanntanne hat zum Glück lange Wurzeln

So einen extremen Fall wie in diesem Sommer habe er noch nie gehabt. Erstmals überhaupt mussten die jungen Bäume gewässert werden. „Normalerweise macht man das nicht. Die Neuanpflanzungen haben jetzt aber die größten Probleme, da ihre Wurzeln noch nicht so tief in den Boden gehen.” Die Nadeln werden kurz und hart, die Bäume gelblich, sie sterben ab. Davon betroffen sind die erntefähigen Bäume aber noch nicht. Die Nordmanntanne etwa, der beliebteste Weihnachtsbaum der Deutschen, versorgt sich durch seine kräftige Pfahlwurzel, die in tiefere Regionen reicht, mit Wasser.

Das Sterben der Neuanpflanzungen geht aber weiter, wenn es beim Wassermangel bleibt. Und dann? „Ich halte die Preise noch für stabil. Aber es hängt natürlich davon ab, wie sich das Wetter entwickelt”, sagt Schneebecke über einen möglichen Preisanstieg.

Die Hitze macht den Baum auch schön

Besser sieht es aus beim Tannenhof Werder in Brandenburg an der Havel. Auch dort werden Weihnachtsbäume für den Verkauf in der Seenplatte vorbereitet. Das Wetter mache denen zwar auch mächtig zu schaffen, doch hat man dort mit einem ausgebauten Wasser-Leitungsnetz vorgesorgt. „Unsere Bäume werden zu 100 Prozent anwachsen, dafür wässern wir aber auch massig”, sagt Chef Gerald Mai. Vor allem Fichten leiden unter dem derzeitigen Wetter, erklärt er. „Fichten gehören zu den Flachwurzlern. Die vertrocknen am ehesten, da sie nur wenig Speichervermögen haben.”

Mai erklärt aber auch, dass die Trockenheit positive Auswirkungen auf die Bäume haben kann. „Dadurch gibt es keinen Schädlings- oder Pilzbefall und wir konnten weniger Pflanzenschutzmittel als sonst einsetzen.” Schneebecke schließt sich dem Brandenburger an: „Der Baum an sich wird dadurch voller und letztlich schöner.”