MÜRITZER GASTRONOMIN ERZÄHLT

Wenn „Max und Moritz" auf der Gästeliste stehen

Die Sealounge in Waren liegt in erstklassiger Lage an der Müritz. Die Inhaberin hat Einnahmeeinbußen wegen der strengen Corona-Beschränkungen zum Teil ausgeglichen. Es könnte aber besser laufen, wäre da nicht diese eine Corona-Auflage.
Restaurant-Inhaber wie Cindy Kreuzberger haben es derzeit nicht leicht. Erst kürzlich hat ein Gast eine Familienfeier mit
Restaurant-Inhaber wie Cindy Kreuzberger haben es derzeit nicht leicht. Erst kürzlich hat ein Gast eine Familienfeier mit 25 Leuten abgesagt, sagt sie. Der Grund: die Corona-Regeln. Susann Salzmann
Cindy Kreuzberger konnte die Einnahmeeinbußen während des Lockdowns teilweise ausgleichen.
Cindy Kreuzberger konnte die Einnahmeeinbußen während des Lockdowns teilweise ausgleichen. Susann Salzmann
Waren.

Essen, entspannen und dabei den unverbauten Blick auf die Müritz genießen. Das können die Gäste in der Warener Sealounge. Immerhin befindet sich das Restaurant von Cindy Kreuzberger direkt am Ufer der Müritz und unweit des Campingplatzes Ecktannen. Diejenigen, die in Zeiten der Corona-Pandemie in einem Restaurant essen möchten, müssen aber auch ihre persönlichsten Daten preisgeben. „Und das machen viele nicht mit und verlassen das Geschäft wieder“, erzählt die Inhaberin im Gespräch mit dem Nordkurier. Manche würden einfach gehen, wenn sie vom Service höflich um das Ausfüllen der Kontaktformulare gebeten werden. Oder es scheitert an der Maskenpflicht: „Im August brach uns eine Familienfeier mit 25 Leuten weg. Die Gäste wollten sich partout nicht mit Mundschutz im Restaurant abseits ihrer Plätze bewegen“, sagt Cindy Kreuzberger.

Noch läuft die Saison

Im Lokal sowie auf der zugehörigen Terrasse bietet Kreuzberger Platz für jeweils rund 30 Personen. Stand die Gastronomin am 1. Mai zum Tag der Arbeit zusammen mit anderen Hoteliers und Gastronomen noch demonstrierend auf dem Neuen Markt, um ihre Arbeit nach gut zweieinhalb Monaten Lockdown wieder aufnehmen zu dürfen, so sehe ihre Situation nun nicht mehr ganz so dramatisch aus. „Wir sind immer noch voll in der Saison“, freut sie sich über die Nachfrage der Gäste, die ab Pfingsten bis jetzt beinahe durchweg bei ihr angehalten hat. Kreuzberger schätzt, dass sie dadurch etwa die Hälfte ihrer Einnahmeverluste durch Corona kompensieren konnte.

Sie hätte sogar noch mehr Gewinne erzielen können. Zumindest, wenn bei allen potenziellen Gästen die Einsicht herrschen würde, dass die Angabe der Gäste-Personalien notwendig ist, um etwaige Infektionsketten nachzuvollziehen. Diese Einsicht bestehe aber nicht bei jedem Gast, so die Restaurantchefin. Um die Daten der Besucher ordnungsgemäß zu erfassen, griff sie auf verschiedene Praktiken zurück: „Die Kunden sollten zunächst vor dem Platzieren die Angaben zu ihrer Person machen. Das war vielen zu viel und sie gingen mit leerem Magen“, so Kreuzberger. Ihr Resümee: Die Leute lassen sich nicht nötigen.

„Max und Moritz” waren auch da

Eine offen ausliegende Liste, in der die Gäste die Daten der anderen ersehen können, lehnte sie selbst aus Datenschutzgründen von Anfang an ab. Nun liegen seit Monaten auf jedem der Tische Zettelchen und Kugelschreiber. Diese aktuell praktizierte Variante schützt jedoch nicht vor falschen Kontaktadressen oder gar unausgefüllten Zetteln. Obwohl der Großteil, so schätzt sie, wahrheitsgemäße Angaben macht, „hatte ich schon ‚Max und Moritz‘ und sogar dreimal hintereinander ‚Bimmel und Bammel‘ in meinem Restaurant“, erzählt Cindy Kreuzberger. Manche drehten das Kontaktblättchen sogar um, sodass das Servicepersonal erst im Nachhinein bemerke, dass falsche oder gar keine Daten angegeben wurden. Und auch wenn Namen und Adressen glaubwürdig klingen – wer überprüft das berechtigterweise? Ganz sicher nicht das Personal. Denn dem Servicepersonal brauchen die Gäste ihren Ausweis streng genommen nicht zeigen. „Nur die Polizei darf den Ausweis verlangen“, sagt Kreuzberger. Eine Tatsache, über die nach ihrem Empfinden zahlreiche Gäste Bescheid wissen. Dass sie im Corona-Ernstfall sich und andere gefährden, weil keine Infos weitergeleitet werden können, verdrängen die Witzbolde und Daten-Muffel aber offenbar.

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