Blick auf das Voß-Museum mit angegliederter Stadtbibliothek und Tourist-Information.
Blick auf das Voß-Museum mit angegliederter Stadtbibliothek und Tourist-Information. Fotostudio Jung
Johann Heinrich Voß hat unter anderem die Epen Homers aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt.
Johann Heinrich Voß hat unter anderem die Epen Homers aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt. Susann Salzmann
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Im Jahr 2019 wurde das Voß-Museum feierlich eingeweiht.
Im Jahr 2019 wurde das Voß-Museum feierlich eingeweiht. Susann Salzmann
Literaturmuseum an der Müritz

Wie ist dem Museum über den Homer-Übersetzer zu helfen?

In Penzlin wird das Literaturmuseum zu Johann Heinrich Voß zum kulturellen Sorgenkind. Die Stadt weiß darum und möchte die Situation verbessern.
Penzlin

Die Kleinstadt Penzlin (Landkeis Mecklenburgische Seenplatte) ist unter kulturellen Gesichtspunkten besonders bemerkenswert: Bei nicht einmal 4200 Einwohnern verfügt die Stadt Penzlin über zwei Museen. Das Burgmuseum mit dem Schwerpunkt auf Hexenverfolgung und Alltagsmagie als auch das Literaturmuseum um den Homer-Übersetzer Johann Heinrich Voß. Letzteres sorgte bei gewillten Besuchern in der Vergangenheit hier und da für Irritationen. Denn Spontanbesuche an Sonntagen etwa lassen mitunter keinen Blick in die Ausstellung zu. Das Voß-Haus, dessen Öffnungszeiten grundsätzlich an die der Stadtbibliothek gekoppelt sind, lässt Besuche spontan nur montags, dienstags und donnerstags zu. Das Museum in der unweit entfernten Alten Burg ist dagegen wochenends geöffnet, sofern es die Corona-Bestimmungen zulassen.

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Gesunkene Besucherzahlen

Sorgen die fehlenden, stabilen Öffnungszeiten am Wochenende im Voß-Haus auch mit dafür, dass das Museum seit der Eröffnung 2019 drastisch gesunkene Besucherzahlen registriert? Eine pauschale Antwort auf diese Frage ist kaum möglich. Der Blick zurück zeigt aber, dass sich die Bedingungen für Besucherverkehr im Voß-Haus in den letzten beiden Jahren verschlechtert haben. Einen Anteil daran haben auch die Einschränkungen während der Corona-Pandemie. Allein im Eröffnungsjahr 2019, in dem das Haus laut Bürgermeister Sven Flechner (WPL) von Ende April bis Dezember geöffnet war, war die Kultureinrichtung montags bis freitags täglich sieben Stunden lang geöffnet. Die Wochenenden wurden durch den rührigen Einsatz von Ehrenamtlichen abgedeckt.

Zusätzliches Personal?

„Nach der Kündigung der zweiten Mitarbeiterin wurden die Öffnungszeiten an die der Bibliothek gekoppelt“, hieß es von Flechner weiter. Zusätzliches Personal, das eigens an Wochenenden die Museumspforten zum Voß-Haus aufhält, soll nach aktuellem Plan nicht eingestellt werden, machte der Verwaltungschef klar.

Gruppenführungen im Fokus

Der Blick richtet sich nun nach vorn: Ziel sei, sich künftig noch weiter auf Gruppenführungen zu fokussieren. Laut Flechner zeigten Erfahrungswerte der letzten drei Jahre, dass der überwiegende Teil der Besucher in Gruppen kam. Die Zahlen belegen, dass in den einzelnen Jahren etwas mehr als die Hälfte der Besucher als Teil einer Gruppe durch die Voß-Ausstellung geführt worden sind. „Personaltechnisch ist es effektiver, diesen Trend zu nutzen und den Fokus darauf zu setzen, Gruppenführungen anzubieten, auch außerhalb der Öffnungszeiten, auch an Wochenenden“, meinte der Penzliner Bürgermeister.

Voranmeldungen gewünscht

Mit einer Anmeldung, mindestens einen Tag im Voraus, seien Voß-Führungen auch am Wochenende möglich, so es die personelle Situation erlaube, sagte auch die neue Museumsleiterin des Burgmuseums, Dr. Ivonne Burghardt. Laut Verwaltung bereitet sich die Leiterin darauf vor, die an Voß interessierten Gruppen durch die Ausstellung zu führen.

Zusätzlich könnte sich die Stadt einen weiteren Versuch mit ehrenamtlich abgesicherten Wochenendzeiten im Voß-Haus vorstellen, sollte die Bereitschaft der Freiwilligen unverändert hoch sein und sich die Pandemielage weiter abmildern. Aber schon bei der Auswertung des Museumsjahres 2019 habe sich ergeben, dass die Besucherfrequenz am Wochenende sehr niedrig gewesen sei.

Übersetzerpreis angeregt

Um dem Voß-Museum und dem Schaffen des Übersetzers international Aufmerksamkeit zu verschaffen, soll eine Idee des Penzliner Förderers Bernd Freiherr von Maltzan aufgegriffen werden. Er möchte regelmäßig einen Übersetzerpreis für deutsch-griechische Übersetzungen ausloben. Der Preis soll mit 5000 Euro dotiert sein, von Maltzan ist als Stifter im Gespräch. In Penzlins politischen Gremien wird darüber zurzeit diskutiert.

Montags, dienstags und donnerstags ist das Voß-Museum in der Turmstraße 35 von 9.30 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 17.30 Uhr geöffnet.

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