AKROBATEN IN WAREN

Wie viel Zirkus verträgt eine Stadt?

Zwei Zirkusfamilien gastieren hintereinander in Waren. Ob bei der zweiten Runde noch genug Zuschauer kommen? Die Stadtverwaltung sieht kein Problem. Die Argumente?
Benito Heilig ist nicht nur Zirkusclown und Luftakrobat, denn im Zirkus muss jeder alles machen. Er freut sich auf die Besuche
Benito Heilig ist nicht nur Zirkusclown und Luftakrobat, denn im Zirkus muss jeder alles machen. Er freut sich auf die Besucher. Miriam Brümmer
Mit zwölf Jahren ist Anjely die jüngste Artistin im Zirkus Zamunda. Foto: Lothar Call
Mit zwölf Jahren ist Anjely die jüngste Artistin im Zirkus Zamunda. Adriana Tiedt
Luftakrobatin Manjana Heilig (19) besticht durch ihre Kunststücke und wie die anderen Zirkusmitlieder mit schönen Ko
Luftakrobatin Manjana Heilig (19) besticht durch ihre Kunststücke und wie die anderen Zirkusmitlieder mit schönen Kostümen. Für beides gibt es immer wieder Anerkennung vom Publikum. Adriana Tiedt
Feuerschlucker Recardo Heilig kann auch über ein Drahtseil laufen und näht die Kostüme selbst.
Feuerschlucker Recardo Heilig kann auch über ein Drahtseil laufen und näht die Kostüme selbst. Adriana Tiedt
Waren ·

Noch bis zum 8. August gastiert Familie Heilig vom Zirkus „Zamunda“ in Waren auf der Wiese neben der Warendorfer Straße, die in die Schwenziner Staße übergeht. Genau dort, wo vor zwei Wochen schon ein anderer Zirkus gegenüber der Team-Tankstelle seine Zelte aufgeschlagen hatte. „Wir sind hier noch nie hier gewesen und haben uns gefreut, dass wir endlich nach Waren kommen“, sagte Kerstin Heilig. Früher stand sie auch in der Manege; heute ist sie für die Promotion verantwortlich. Erst als die Plakate schon gedruckt waren, erfuhr sie im Gespräch mit Zirkuskollegen von der Situation, dass gerade vor ihnen ein anderer Zirkus vor Ort war, und dass sogar noch ein dritter Zirkus nach ihnen für den Platz gebucht war. Der hätte jedoch inzwischen das Gastspiel in Waren abgesagt.

Sorge um Besucherzahlen

Jetzt haben die Heiligs Sorge, dass nicht genügend Zuschauer kommen. Schließlich müssen die laufenden Kosten gedeckt und das coronabedingte Defizit ausgeglichen werden. Hoffnung gibt ihnen jedoch der Erfolg der letzten Woche in Malchow. „Die Kinder haben sich gefreut, endlich den Clown wieder zu sehen“, erinnerte sich Waldemar Heilig Junior. Außerdem gibt es schon die ersten telefonischen Reservierungsanfragen, denn auch wenn bisher keine Vorstellung so voll war, dass Leute weggeschickt werden mussten, hätte man auf diesem Wege ein wenig Planungssicherheit. Immerhin dürfen statt der sonst üblichen 400 Zuschauer wegen Corona nur 170 ins Zelt.

Auftrittsmöglichkeiten wichtig

Der stellvertretende Bürgermeister Dietmar Henkel begründet die kurzfristige Vergabe des Platzes damit, dass Waren eine Urlaubsregion sei: „Die Urlauber sind in der Regel eine Woche da und jene, die in der letzten Woche vielleicht im Zirkus waren, sind jetzt schon wieder abgereist. Im Moment ist es auch so, dass man den Zirkussen helfen sollte, dass sie Spieltermine bekommen, um Geld zu verdienen“, sagte er gegenüber dem Nordkurier. Vielleicht kämen auch Einwohner, die in den letzten Wochen selbst im Urlaub waren in die Vorstellung.

Spenden haben über den Lockdown geholfen

Etwa zwanzig Monate hatte die Familie Heilig coronabedingt pausieren müssen. Mit Waren besuchen sie ihren dritten Spielort in dieser Saison. Coronahilfen haben sie nicht beantragt, weil niemand wusste, wie es weitergehen wird und wie sie das Geld zurückzahlen sollten, falls es den Zirkus nicht mehr geben würde. Schulden wollten sie nicht auch noch haben. Das Ersparte war irgendwann aufgebraucht, sodass den beiden Zirkusfamilien mit insgesamt zwölf Personen nur noch Spenden halfen. „Ohne hätten wir die ganze Zeit nicht überstanden“, ist Melodie Heilig dankbar. In ihrem Winterquartier hätten sie auch einen Tierarzt, der sie bei ärztlichen Untersuchungen der tierischen Darsteller unterstützt habe. Das könne man gar nicht hoch genug bewerten. Zum Glück sind die Männer handwerklich begabt und können vieles selbst reparieren. Sogar die Kostüme werden teilweise selbst genäht, denn der Drahtseilläufer, Feuerschlucker und Tierdresseur Recardo ist auch noch Schneider und der Mann für alle Fälle.

Donnerstag bis Samstag finden die Vorstellungen um 17 Uhr, Sonntag um 14 Uhr statt. Montag und Dienstag ist Spielpause. Reservierungen sind unter Telefon 0173 512 96 52 möglich.

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